Österreichische Politik verschläft überfälligen Wandlungsprozess

Monitoringausschuss fordert den Abbau von ausgrenzenden Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen

Wien (OTS/BMASK) - In Österreich leben immer noch weit über zehntausend Menschen mit Behinderungen in Einrichtungen. Es gibt dazu allerdings keine klare Datenlage, da sich die Länder, die dafür zuständig wären, nicht genügend mit der Problematik auseinandersetzen.****

„Menschen mit Behinderungen“, so die Vorsitzende des Unabhängigen Monitoringausschusses Mag.a Christina Wurzinger, „haben nach der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen das gleiche Recht auf ein selbstbestimmtes Leben wie alle anderen auch. Dieses Menschenrecht ist in Österreich nur in Ausnahmefällen verwirklicht.“

Gemäß Artikel 19 der Konvention ist der Platz von Menschen mit Behinderungen in der Mitte der Gesellschaft. „Tatsächlich“, so Wurzinger weiter, „halten es viele Menschen nicht nur für ganz normal, dass Menschen mit Behinderungen in Einrichtungen leben, sondern sie glauben auch noch, dass diese dort am besten aufgehoben wären.“

Die Konvention sagt aber ganz klar, dass Menschen mit Behinderungen das Recht auf selbst gewählte, selbstbestimmte Lebens-und Wohnformen haben, und dass das Gemeinwesen die notwendige Unterstützung dafür zur Verfügung stellen muss.

„Aktuell“, kritisiert Wurzinger „werden aber nicht nur bestehende Großeinrichtungen unbehelligt weitergeführt, sondern es werden sogar neue gebaut und bestehende aufwändig renoviert. Dabei müsste ein völlig neuer Weg Richtung gemeindenahe Unterstützung eingeschlagen werden.“ Das habe der Monitoringausschuss auch in seiner Stellungnahme zur De-Institutionalisierung deutlich gemacht. Diese wurde aus aktuellem Anlass im unmittelbaren Vorfeld zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung, der am 3.Dezember stattfindet, veröffentlicht:
monitoringausschuss.at/stellungnahmen/de-institutionalisierung-28-11-2016/

Auch der UN-Fachausschuss in Genf hat in seinen Handlungsempfehlungen im Rahmen der Staatenprüfung Österreichs 2013 deutlich darauf hingewiesen, dass Österreich hier säumig ist.

Zumeist werde laut Wurzinger das Kostenargument vorgeschoben. Internationale Erfahrungen würden aber zeigen, dass bei entsprechender Planung selbstbestimmte Lebensformen mit Unterstützungsangeboten keineswegs teurer sein müssten.

Erschwerend kommt in dem Zusammenhang hinzu, dass auf Grund der Zuständigkeit der Länder in diesem Bereich Entwicklungen teilweise in unterschiedliche Richtungen und in neun verschiedenen Geschwindigkeiten verlaufen.

„Es braucht hier“, so Wurzinger abschließend, „eine gemeinsame Willensanstrengung aller politischen Akteurinnen und Akteure, insbesondere an der Spitze der Verwaltungen. Ohne das persönliche Engagement des Bundeskanzlers und der Landeshauptleute wird Österreich hier weiter in einem menschenrechtlichen Dornröschenschlaf verharren.“ (Schluss)

Rückfragen & Kontakt:

Büro des Monitoringausschusses
Tel: +43 1 71100 86 6301 DW
E-Mail: buero@monitoringausschuss.at
Website: www.monitoringausschuss.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NSO0001