Checkliste des Presserats zur Berichterstattung über Flüchtlinge

Wien (OTS) - Die Flüchtlingskrise ist seit Monaten eines der wichtigsten Themen sowohl in der Medienberichterstattung als auch beim Presserat.
Die Bevölkerung, zum Teil aber auch die Medien, diskutieren die Zuwanderung der Flüchtlinge emotional und kontrovers. Die drei Senate des Presserats haben deshalb darüber beraten, wie man verantwortungsvoll über Flüchtlinge und Asylwerber berichtet und dazu eine Checkliste für Journalistinnen und Journalisten verfasst.
Die Checkliste dient der Selbstreflexion und ist eine Orientierungshilfe für die Praxis, die Grundlage für die Entscheidungen des Presserats ist selbstverständlich weiterhin allein der Ehrenkodex für die österreichische Presse.

Checkliste „Verantwortungsvoller Journalismus in der Flüchtlingsberichterstattung“

  • Würde ich über ein Fehlverhalten auch dann berichten, wenn es nicht von einem Ausländer/Asylwerber/Migranten gesetzt worden wäre?
  • Habe ich das Thema ausreichend recherchiert, gehen meine Quellen über bloße (Internet-)Gerüchte hinaus?
  • Habe ich jene Fakten präsentiert, die für eine umfassende und ausgewogene Darstellung meines Themas notwendig sind?
  • Habe ich geprüft, ob durch meine Berichterstattung/meine Wortwahl/meine Fotoauswahl Vorurteile verstärkt werden?
  • Habe ich geprüft, ob ich Informationen, die Vorurteile schüren könnten, weglassen kann, ohne den Sinn und den Wahrheitsgehalt der Geschichte zu verändern oder das Verständnis der Leserinnen und Leser zu beeinträchtigen?
  • Habe ich geprüft, ob bestimmte Informationen nicht andere Absichten konterkarieren (z.B. keine Nennung von Herkunft, aber Nennung eines auf einen Ausländer deutenden Vornamens)? Anmerkung: Die bloße Nennung der Herkunft eines (mutmaßlich) straffällig gewordenen Ausländers/Asylwerbers/Migranten ist nach der gängigen Praxis der Senate des Presserats kein Ethikverstoß. Dennoch sollten Journalisten abwägen, ob es im konkreten Fall für das Verständnis der Leserinnen und Leser erforderlich ist, die Herkunft anzuführen.
  • Habe ich überlegt, ob durch meine Berichterstattung/meine Wortwahl/meine Fotoauswahl jemand gekränkt oder beleidigt werden könnte?
  • Bin ich mir im Klaren darüber, welche Absichten meine Hinweisgeber/Recherchequellen verfolgen?
  • Kann ich zu dem Thema ein Internet-Forum eröffnen, ohne befürchten zu müssen, dass die Diskussion entgleist?
  • Bin ich sicher, dass ich keine außerjournalistischen Gründe habe, ausgerechnet dieses Thema aufzugreifen?

Rückfragen & Kontakt:

Alexander Warzilek, GF, Tel.: 01-2369984-01

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