• 23.11.2016, 09:00:17
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  • OTS0018

Kinder mit psychischen Problemen brauchen mehr Beachtung

BÖP ortet Versorgungslücken bei Kindergesundheit

Utl.: BÖP ortet Versorgungslücken bei Kindergesundheit =

Wien (OTS) - Zu wenig Betreuungsplätze, zu lange Wartezeiten, zu hohe
Behandlungskosten: Für Kinder und Jugendliche mit psychischen
Problemen zeigt das Gesundheitssystem in Österreich große Defizite.
„Obwohl etwa jeder fünfte Jugendliche von einem psychischen Problem
betroffen ist, bekommen nur die wenigsten eine bezahlte Behandlung.
Auch Alarmsignale werden oft zu spät erkannt, in die Prävention wird
zu spät und zu wenig investiert“, darauf wies Sandra Lettner,
Präsidentin des Österreichischen PsychologInnenverbandes (BÖP)
anlässlich des Tages der Kinderrechte hin.

Wie dringend notwendig Aufklärung und Prävention insbesondere bei
Kindern sind, zeigen auch die Ergebnisse der gestern von „Die Möwe“-
Geschäftsführerin und Psychologin Hedwig Wölfl präsentierten Studie
über Gewalt und Missbrauch an Kindern. „Cybermobbing oder Sexting
zeigen sich als neue Phänomene von Gewalt insbesondere an Mädchen,
verursacht durch neue Medien. Dagegen brauchen Familien und Schulen
Handlungsanleitungen“, sagt Lettner.

Lettner appelliert daher an die Verantwortungsträger in der
Gesundheitspolitik, die Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen
besonders zu berücksichtigen: „Jeder Erfolg bei Reformen des Systems
misst sich auch daran, wie die evidenten Versorgungsmängel bei der
Kinder- und Jugendgesundheit bewältigt werden. Unbehandelte
psychische Erkrankungen bei Kindern erhöhen die Krankheitsausfälle
bei Erwachsenen um ein Mehrfaches“. Kinder, so Lettner, müssten in
einem modernen Gesundheitswesen oberste Priorität erfahren, aber
viele Eltern könnten sich die Behandlungskosten nicht leisten, weil
„zwar die klinisch-psychologische Diagnostik von den Krankenkassen
bezahlt wird, nicht aber die klinisch-psychologische Behandlung“.
Dies führe dazu, dass Verhaltensauffälligkeiten, ADHS, steigender
Nikotin- und Alkoholkonsum, Diabetes oder Übergewicht bei Kindern und
Jugendlichen im Steigen begriffen sind. „Mit allen absehbaren
Konsequenzen auf künftige Folgekosten durch vermehrte
Krankenstandstage oder gar Arbeitsunfähigkeit im Berufsalter, denn
etwa die Hälfte der psychischen Erkrankungen im Kindes- und
Jugendalter weist einen chronischen Verlauf auf. Eine möglichst
frühzeitige Behandlung verhindert dauerhafte psychische
Erkrankungen“, so Lettner.

Prävention sollte auch verstärkt an den Schulen stattfinden, meint
Lettner, die in der angekündigten Reform der Schulautonomie eine
Chance sieht, die Einbindung von SchulpsychologInnen am jeweiligen
Standort nach Bedarf auszurichten und zu erweitern. Die
SchulpsychologInnen sind gerne bereit, sich in die Diskussion zur
Verbesserung der Kinder- und Jugendgesundheit einzubringen.

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