- 16.09.2016, 10:59:43
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Wohnbauförderungsstatistik 2015: Wohnbauförderung um 14% eingebrochen
Wohnbaubewilligungen auf 20 Jahre-Höchstwert, Wohnbauförderung fällt allerdings um 420 Millionen Euro - Herausforderung durch Zuwanderung.
Utl.: Wohnbaubewilligungen auf 20 Jahre-Höchstwert, Wohnbauförderung
fällt allerdings um 420 Millionen Euro - Herausforderung durch
Zuwanderung. =
Wien (OTS) - Dem Sommer folgt der Tag der Wahrheit – zumindest in der
Wohnbaupolitik. Das Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen (IIBW)
erhebt jährlich die Wohnbauförderungsstatistik im Auftrag des
Fachverbandes der Stein- und keramischen Industrie. Als wichtiger
Indikator für den Wohnungsmarkt wirft er Licht und Schatten auf das
Jahr 2015. Zwar erreichten die Wohnbaubewilligungen den höchsten Wert
seit über 20 Jahren (65.700 Bewilligungen), jedoch brachen die
gesamten Förderausgaben um 14% auf 2,5 Milliarden Euro ein (-420 Mio.
ggü. 2014).
Für Fachverbandsgeschäftsführer Andreas Pfeiler wird hier klar ein
falscher Weg eingeschlagen, wo doch riesige wohnungspolitischen
Herausforderungen in den nächsten Jahren zu bewältigen sind. „Die
österreichische Wohnbauförderung ist ein europäisches Erfolgsmodell.
Dass nun die Förderausgaben um 14% zurückgefahren wurden, ist gerade
hinsichtlich der starken Zuwanderung und des entstehenden Wohnbedarfs
fatal. Diese Herausforderung muss insbesondere auch wohnungspolitisch
beantwortet werden“, kommentiert Pfeiler die aktuelle Statistik.
Allerdings verweist er auf die unterschiedlichen Entwicklungen
einzelner Bundesländer. Während Tirol, Vorarlberg und die Steiermark
die Ausgaben annähernd konstant hielten, waren sie in Salzburg,
Niederösterreich, Wien und im Burgenland stark rückläufig.
Auch Wolfgang Amann, Studienautor und Leiter des IIBW, weist auf die
Problematik der sinkenden Neubauförderung hin, „denn mit einem immer
geringeren Anteil an kofinanzierten Wohnungsbauten kommt der
öffentlichen Hand ein wichtiges Lenkungs-Tool im Wohnbau abhanden.“
Amann stellt die wichtigsten Ergebnisse der diesjährigen Studie im
Detail vor:
• Spitzenwert bei Wohnbaubewilligungen: 2015 wurden 50.300 Wohnungen
in neuen Wohngebäuden baubewilligt. Zusammen mit den Bewilligungen
aus Sanierungen und in gemischt genutzten Neubauten wurden 65.700
Bewilligungen erteilt. Damit erreichten die Wohnbaubewilligungen im
Jahr 2015 den höchsten Wert seit über 20 Jahren. Nichtsdestotrotz
bestehen weiterhin Defizite in Ballungsgebieten und im
Economy-Sektor.
• Starker Rückgang bei Neubauförderung: Gab es in den frühen 2000er
Jahren noch ein hohes Maß an Kontinuität, so schwanken die
Förderungszusicherungen seit 2009 stark. Nach einem Einbruch in den
Jahren 2010-12 folgten 2013/14 starke Förderjahrgänge. Die 25.900
Förderungszusicherungen im Jahr 2015 bedeuten dazu einen Rückgang um
11% und eine Rückkehr auf das niedrige Niveau von 2011/12. Dieser
Rückgang betraf 2015 vor allem den Geschoßwohnbau und insbesondere
Wien.
• Bauboom durch freifinanzierten Neubau getragen: Die zunehmenden
Baubewilligungen bei gleichzeitig rückläufigen Förderungszahlen
ergeben einen weiter sinkenden Förderungsdurchsatz. Nur noch 30% der
neu errichteten Eigenheime und 60% der Geschoßwohnungen werden mit
Fördermitteln kofinanziert. In etlichen Bundesländern, u.a. in Wien,
zeichnet der freifinanzierte Neubau bereits für mehr als die Hälfte
des großvolumigen Neubaus verantwortlich. Daraus resultiert
einerseits ein verringerter öffentlicher Aufwand, anderseits auch ein
Verlust von Lenkungseffekten.
• Sanierung verliert weiter an Bedeutung: Die Sanierungsförderung
sank 2015 gegenüber dem Vorjahr um 9% auf 650 Millionen Euro. Die
Sanierungsrate bleibt damit weit unter dem politisch angepeilten
Niveau.
Abschließend fasst Andreas Pfeiler zusammen: „Die zu erwartende stark
steigende Nachfrage nach Wohnraum macht es dringend notwendig, dass
den Ankündigungen nach einer Wiedereinführung der Zweckbindung der
Wohnbauförderung endlich auch Taten folgen. Der Boom bei den
Wohnbaubewilligungen darf uns nicht über die gewaltigen
wohnungspolitischen Herausforderungen der nächsten Jahre
hinwegtäuschen. Zum einen wissen wir, dass längst nicht jede
Baubewilligung tatsächlich zu einem Neubau führt. Zum anderen darf
die Kluft zwischen dem was leistbar ist und dem was finanziert werden
kann nicht zu groß werden, sonst ist die Ghettobildung
vorprogrammiert.“ (PWK658/US)
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