- 06.09.2016, 10:17:55
- /
- OTS0052 OTW0052
"handWERK. Tradiertes Können in der digitalen Welt"
MAK-Ausstellung stößt Reflexion zur Bedeutung und Wertschätzung des Handwerks an

Utl.: MAK-Ausstellung stößt Reflexion zur Bedeutung und
Wertschätzung des Handwerks an =
Wien (OTS) - Mit der Ausstellung "handWERK. Tradiertes Können in der
digitalen Welt" (MAK-Ausstellungshalle, 14. Dezember 2016 – 9. April
2017) stößt das MAK eine Reflexion zur Bedeutung und Wertschätzung
des Handwerks als wesentlicher Bestandteil der materiellen Kultur und
der kulturellen Identität an. In sechs Kapiteln spannt die umfassende
MAK-Schau den Bogen von der Geschichte zu aktuellen europäischen
Perspektiven, beleuchtet das ressourcenschonende Potenzial des
Handwerks, zeigt neue Entwicklungen an der Schnittstelle zu digitalen
Technologien auf und präsentiert meisterliche Werkstücke aus
verschiedenen Sparten.
Aktuell fallen die Begriffe „Handwerk“ und „handmade“ in der Werbung
und in Life-style-Medien mit inflationärer Frequenz. Das „Maker
Movement“ und die Do-it-Yourself-Bewegung sind enorm erfolgreich und
schaffen einen weltweiten Hype. Global agierende Luxus-Labels setzen
das Handwerk gezielt als Qualitäts- und Distinktionsmerkmal ein.
Demgegenüber steht die Realität lokal agierender HandwerkerInnen, die
um Anerkennung und eine gerechte Bezahlung kämpfen.
Das einleitende Ausstellungkapitel „Geschichte & Gegenwart“ widmet
sich verschiedenen Aspekten rund ums Handwerk, dessen Status immer
wieder zwischen hohem und geringem Ansehen wechselte. Von Hephaistos,
dem Gott der Schmiede, über die Enzyklopädie von Denis Diderot
(erschienen zwischen 1751 und 1772) bis hin zum Chanel-Outfit der
Metiers d’Art Collection 2014/15 illustrieren die Exponate diskursiv
die gesellschaftliche Anerkennung des Handwerks über die
Jahrhunderte.
Schon Diderot veröffentlichte eine wortgewaltige Verteidigung des
Handwerks in der Encyclopédie: „Der Dichter, der Philosoph, der
Redner, der Minister, der Krieger, der Held liefen nackt herum und
hätten kein Brot, wenn nicht jener Handwerker wäre, den sie zum
Gegenstand ihrer schrecklichen Verachtung machten“. Historische
Zunftgegenstände und persönliche Objekte der Habsburger belegen
später eine außerordentliche Wertschätzung des Handwerks bis ins 20.
Jahrhundert. Auch den Neuinterpretationen des Verhältnisses von
HandwerkerInnen und EntwerferInnen durch zentrale Bewegungen wie Arts
& Crafts, Wiener Werkstätte, Werkbund und Bauhaus als Reaktion auf
die fundamentale Krise des Handwerks in Folge der industriellen
Revolution widmet sich dieses Kapitel.
Unter dem Titel „Perspektiven“ präsentiert das zweite Kapitel der
Ausstellung europäische Initiativen und Institutionen, die neue
Möglichkeiten im Dialog zwischen Handwerk und Design und in den
Bereichen Ausbildung und Marketing eröffnen. Vorgestellt werden unter
anderem das Crafts Council, das sich der Förderung des britischen
Kunsthandwerks weltweit widmet, der Werkraum Bregenzerwald in
Österreich mit dem Wettbewerb „Handwerk + Form 2015“ sowie die
Compagnons du Devoir aus Frankreich, deren Ausbildungssystem Elemente
der Walz beinhaltet und deren AbsolventInnen 45 Länder weltweit offen
stehen. Die in Deutschland und der Schweiz beheimateten Akademien für
Gestaltung widmen sich intensiv und erfolgreich der gestalterischen
Weiterbildung junger HandwerkerInnen.
Mannigfaltige Materialproben und 99 Werkzeuge zeigt das Kapitel
„Material & Werkzeug“. Die einzigartigen Werkzeuge, darunter
Strickeisen, Schusterahle, Zuckerscheren, Wetzeisen, Hack- und
Winzermesser, Teigräder, Zwickzangen und Goldschmiedehämmer,
größtenteils aus dem 16. und 17. Jahrhundert, stammen aus der 1930
vom MAK erworbenen Sammlung Albert Figdor. Eine begehbare
Installation bietet den BesucherInnen die Möglichkeit,
unterschiedliche Proben natürlicher Materialien wie Stoffe, Leder,
Holz, Metall und Keramik anzufassen und haptisch zu erfahren.
In einer „Live-Werkstatt“, dem vierten Kapitel der Ausstellung,
zeigen insgesamt 20 HandwerkerInnen vor Publikum täglich ihr Können.
Abgedeckt wird ein breites Spektrum an Disziplinen: von
SchusterInnen, TapeziererInnen, HutmacherInnen, WeberInnen,
TischlerInnen und Keramikern über einen Geigenbauer und einen
Kunstspengler bis hin zu einer Dirndlschneiderin. Der Zeitplan der
Live-Präsentationen wird in der Ausstellung und unter MAK.at
einsehbar sein.
Das fünfte Kapitel der Ausstellung „Qualität & Exzellenz“ stellt
historische Objekte der MAK-Sammlung aktuellen handwerklichen
Produkten aus 18 europäischen Ländern gegenüber. Gezeigt werden
insgesamt 160 Exponate – Möbel, Tapeten, Fliesen, Teppiche,
Bekleidung, Hüte, Handschuhe, Gläser, Besteck und Geschirr – von 50
HandwerkerInnen, darunter viele preisgekrönte MeisterInnen.
Dem bedeutenden Faktor „Nachhaltigkeit“ widmet sich das abschließende
Kapitel der Ausstellung. Hier werden die Themenfelder
„Produktbiografien“, „Erbstücke“ und „Reparieren“ vorgestellt. Um die
BesucherInnen als KonsumentInnen für die Biogra-fie von Produkten zu
sensibilisieren, werden fünf handwerklich gefertigte Wiener Produkte
präsentiert und alle damit verbundenen Informationen zu Material und
Herstellung offengelegt. Dazu gehören Eheringe aus fairem Gold aus
der Werkstatt Alexander Skrein und die Porzellanserie RAW, die von
Sandra Heischberger aus recycelter Porzellanmasse hergestellt wird.
Flankierend dazu geben MAK-Mitarbeiterinnen Einblick in persönliche,
alte Erbstücke, die sie noch immer mit Freude nutzen. Zwei Filme, die
mit Hilfe der Handwerker Bernhard Gritsch und Peter Fröch entstanden
sind, zeigen dem Publikum, wie historische Verputze und Holzfenster
fachgerecht und nachhaltig restauriert werden können. Ergänzt wird
dieses Kapitel durch ein Forschungs-Lab der Wirtschaftsuniversität
Wien, das unter Federführung von Prof. Martin Schreier mit Hilfe der
BesucherInnen Effekte rund ums Handwerk in Bezug auf das
Kaufverhalten erforscht, d. h. auch hier sind die BesucherInnen zum
Mitmachen eingeladen. Ein Video-Interview mit dem Soziologen Richard
Sennett, dessen Buch "The Craftsman" (New Haven 2008) wichtige
Impulse für die Ausstellung lieferte, beschließt die Präsentation.
Ergänzend zur Ausstellung "handWERK. Tradiertes Können in der
digitalen Welt" erscheint eine gleichnamige Publikation, die einem
breiten Publikum ExpertInnen-Wissen zum Thema Handwerk zugänglich
macht. Die Publikation umfasst Textbeiträge von Christoph
Thun-Hohenstein, Tina Zickler, Rainald Franz und Elisabeth
Schmuttermeier, Interviews mit den WissenschaftlerInnen und
HandwerkerInnen Ludwig Kyral, Annette Prechtl, Roman Sandgruber,
Martin Schreier, Richard Sennett, Akio Tanaka, Sandra Thaler,
Christian Witt-Dörring und Peter Zumthor sowie eine Präsentation
aller an der Ausstellung beteiligten HandwerkerInnen und
Institutionen.
Fotowettbewerb
Im Vorfeld zur Ausstellung "handWERK. Tradiertes Können in der
digitalen Welt" lädt das MAK ab 1. Oktober 2016 zu einem
Fotowettbewerb. (Hobby-) FotografInnen sind eingeladen, sich auf die
Spuren von Handwerk im Wiener Stadtbild zu begeben: Unzählige
Skulpturen, Symbole, Hauszeichen oder Straßennamen dokumentieren, wie
tief das Handwerk in der Stadt verwurzelt ist. Die Jury um Christoph
Thun-Hohenstein, Mirjam Angerer-Geier, Matthias Koslick, Lisa Rastl
und Tina Zickler kürt die besten 20 Einreichungen. Diese Fotos werden
in einer speziellen Präsentation im 1. Stock der MAK-Säulenhalle
zeitgleich zur Ausstellung "handWERK. Tradiertes Können in der
digitalen Welt" gezeigt. Einsendeschluss ist der 6. November 2016.
Weitere Details zur Auslobung und zu den Einreichmodalitäten unter
MAK.at.
Pressefotos zur Ausstellung stehen unter MAK.at/presse zum Download
bereit.
PRESSEDATEN: Pressekonferenz: Dienstag, 13. Dezember 2016, 10:30 Uhr Eröffnung: Dienstag, 13. Dezember 2016, 19:00 Uhr Ausstellungsort: MAK-Ausstellungshalle, MAK, Stubenring 5, 1010 Wien Ausstellungsdauer: 14. Dezember 2016 – 9. April 2017 Öffnungszeiten: Di 10:00–22:00 Uhr, Mi–So 10:00–18:00 Uhr, Jeden Dienstag 18:00–22:00 Uhr Eintritt frei Gastkuratorin: Tina Zickler Kurator: Rainald Franz, Kustode MAK-Sammlung Glas und Keramik Publikation: In Vorbereitung MAK-Eintritt: € 9,90 / ermäßigt € 7,50 / Familienkarte € 13 Eintritt frei für Kinder und Jugendliche unter 19 Rahmenprogramm: In Vorbereitung Vortrag: Richard Sennett: "Craftsmanship" Sonntag, 9. Oktober 2016, 16:00 Uhr MAK-Vortragssaal
Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | MAK







