- 26.07.2016, 09:54:59
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Fernkälte gegen Aufheizen der Städte
Wien (OTS) - Stromfressende Klimaanlagen kühlen zwar Räume – doch sie
geben auch Hitze ab und treiben dadurch die Temperaturen in den
Städten in die Höhe. Die saubere Alternative ist Fernkälte. Die grüne
Kälte verzeichnete im Vorjahr ein Rekordhoch: Der Absatz stieg
gegenüber 2014 um knapp 30 Prozent.
„Konventionelle Klimaanlagen kühlen zwar das eigene Heim, das Büro
oder das Auto, doch sie heizen auch die Städte auf“, kritisiert Mag.
Michael Mock, Geschäftsführer des Fachverbands der Gas- und
Wärmeversorgungsunternehmungen (FGW): „In vielen Großstädten kühlt es
durch den massenhaften Einsatz von Kühlgeräten sogar nachts weniger
ab. So entsteht eine selbstverschuldete Hitzefalle: Kühle Räume, aber
heiße Straßen.“
Klimaanlagen lassen urbane Hitze-Inseln entstehen
Studien aus der Klima- und Wetterforschung belegen, dass Klimaanlagen
die nächtlichen Lufttemperaturen um durchschnittlich mehr als ein
Grad Celsius erhöhen. In besonders dicht besiedelten Gebieten steigen
die Temperaturen sogar um bis zu zwei Grad Celsius an. Das zeigen
Simulationen, die etwa für die Hauptstädte Paris und Madrid
durchgeführt wurden sowie eine Echtzeitstudie über Phoenix, die
sechstgrößte Stadt der USA.
Die Ursache für den Temperaturanstieg: Die Kühlgeräte setzen Abwärme
frei, welche die Außentemperatur steigen und urbane Hitze-Inseln
entstehen lässt. Als Folge muss in den Gebäuden wieder mehr gekühlt
werden – „ein Teufelskreis“, sagt Mock. Obwohl die Klimageräte
tagsüber am meisten Wärme erzeugen, beeinflussen sie die
Lufttemperatur in den Straßen nachts weitaus stärker als am Tag.
Knapp 30 Prozent mehr Nachfrage nach Fernkälte
„Um dem Aufheizen der Städte entgegen zu steuern und Energie
effizient einzusetzen, ist Fernkälte eine saubere und effiziente
Alternative“, sagt Mock. Die Nachfrage nach der umweltschonenden
Fernkälte hat vergangenes Jahr österreichweit ein Rekordhoch
erreicht: Insgesamt wurden 138 Gigawattstunden Fernkälte verbraucht.
Das sind 28,8 Prozent mehr als 2014. Und mit Fernkälte wird auch in
Zukunft zur Dämpfung des Stromverbrauchs beigetragen: AWISTA, die
Abwicklungsstelle für die Fernwärme- und Fernkälteausbauförderung,
beziffert die gesamte Stromeinsparung von den aktuell genehmigten
Fernkälteprojekten mit 40 Gigawattstunden pro Jahr – das entspricht
dem jährlichen Stromverbrauch von rund 15.000 Haushalten.
Stromfresser Klimaanlagen
Durch den Einsatz von Fernkälte kann der hohe Stromverbrauch von
konventionellen Kühlgeräten also maßgeblich reduziert werden. Laut
der österreichischen Energieagentur verbraucht ein durchschnittliches
Raumklimagerät in einem Monat etwa so viel Strom wie ein Kühlschrank
mit Gefrierfach in einem ganzen Jahr.
So wurden im Versorgungsgebiet der Wiener Netze 2015 an einem heißen
Tag 33.410 Megawattstunden Strom verbraucht – das entspricht etwa dem
jährlichen Bedarf von 10.000 Haushalten. Zahlen der EVN zeigen: Auch
im Versorgungsgebiet von Netz Niederösterreich war der Verbrauch an
besonders heißen Tagen um knapp zehn Prozent höher als an üblichen
Sommertagen. Seitens der Energie Steiermark heißt es, dass
Klimaanlagen, die rund 30 Tage jährlich in Betrieb sind, den
Stromverbrauch eines durchschnittlichen Haushalts um rund 15 Prozent
erhöhen.
Fernkälte-Netzausbau 2015
Weil im Sommer nicht geheizt wird, wird für das Herstellen von
Fernkälte unter anderem nutzbare Abwärme aus Industrie,
Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen oder Abfallverbrennung verwendet. Die
saubere Kälte verbraucht gegenüber herkömmlichen Klimaanlagen fünf
bis zehn Mal weniger Primärenergie und spart ebenso viel an
Kohlendioxid (CO2).
Der verstärkte Fernkälteleitungsausbau kann maßgeblich zur
Verminderung von Treibhausgasen beitragen. Vergangenes Jahr wurde der
Ausbau vorangetrieben: Die Länge des Fernkältenetzes stieg um rund 27
Prozent und beträgt somit österreichweit knapp 18 Kilometer. In Wien
soll die Fernkälteleistung bis 2020 auf 200 Megawatt ausgebaut
werden. Das entspricht der Kühlleistung von weit mehr als 1,2
Millionen herkömmlichen Kühlschränken.
„In 20 Jahren wird Europa in etwa so viel Kühlenergie wie Heizenergie
benötigen“, sagt Mock: „Fernkälte stellt eine wichtige und
umweltfreundliche Energieeffizienzmaßnahme dar. Industrie- und
Großkunden nützen Fernkälte über das gesamte Jahr: Zum Kühlen von
technischen oder medizinischen Geräten, Servern, Großküchen oder
Laboratorien im Winter sowie zum Klimatisieren von Bürogebäuden,
Spitälern oder Einkaufszentren im Sommer.“
Über Fernkälte
Fernwärme wird im Sommer ebenso wie im Winter zur Wärmeversorgung und
Warmwasseraufbereitung erzeugt und gleichzeitig zur Herstellung der
umweltfreundlichen Fernkälte eingesetzt. Dieselben Energiequellen,
die für die Erzeugung von Fernwärme benutzt werden, kann man auch als
Antriebsenergie für Kältemaschinen verwenden. Sogenannte
„Absorptionskältemaschinen“ nutzen Abwärme aus Industrie, KWK-Anlagen
oder Abfallverbrennung, die das ganze Jahr zur Verfügung stehen. Wie
bei der Fernwärme, werden die Objekte zentral versorgt (oder auch
dezentral, dann wird eine Kältezentrale beim Verbraucher errichtet).
Isolierte Rohre transportieren das auf 6 Grad Celsius gekühlte Wasser
zum Kunden, mit etwa 16 Grad Celsius fließt es zur neuerlichen
Abkühlung wieder zurück.
Weitere Informationen
www.fernwaerme.at
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