• 04.07.2016, 12:31:44
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Freie Berufe schlagen Alarm: Unterwanderung durch Investoren gefährdet Unabhängigkeit

Studie von Prof. Schneider zeigt: Beteiligung von Kapitalgesellschaften bei Freien Berufen würde zu Marktkonzentration und Preisanstiegen führen

Pressekonferenz am 4. Juni 2016, Café Landtmann, Wien v.l.n.r.:
DI Baurat h.c.Rudolf Kolbe (Präsidialmitglied BUKO), Mag. vet.med.
Kurt Frühwirth (Präsident BUKO), Prof. Dr. Dr. h.c. mult Friedrich
Schneider (Johann Kepler Universität Linz)

Utl.: Studie von Prof. Schneider zeigt: Beteiligung von
Kapitalgesellschaften bei Freien Berufen würde zu
Marktkonzentration und Preisanstiegen führen =

Wien (OTS) - Die Bundeskonferenz der Freien Berufe (BUKO), der
Dachverband von 9 Kammern in Österreich, hat heute bei einer
Pressekonferenz in Wien vor den Plänen der Bundesregierung, die
derzeit im Reformdialog zur Verwaltungsvereinfachung diskutiert
werden, gewarnt. Demnach sollen sich künftig große Firmen und
Investoren an Arztpraxen, Apotheken, Rechtsanwaltskanzleien und
Architekturbüros beteiligen können. Nach der derzeitigen Rechtslage
in Österreich sind die Freien Berufe in Ausübung ihrer Tätigkeit
unabhängig und durch Gesetze geschützt.

„Die Freien Berufe sind Vertrauensberufe“ erklärt der Präsident der
Bundeskonferenz der Freien Berufe (BUKO), Mag. med. vet. Kurt
Frühwirth. Er verweist auf die Vielfalt der Freien Berufe -
Ärztinnen und Ärzte, Apothekerinnen und Apotheker, Architektinnen und
Ingenieurkonsulenten, Notarinnen und Notare, Patentanwältinnen und
Patentanwälte, Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte, Tierärztinnen und
Tierärzte, Wirtschaftstreuhänderinnen und Wirtschaftstreuhänder sowie
Zahnärztinnen und Zahnärzte.

„Das Vertrauen verbindet all diese Berufe. Einerseits das Vertrauen,
das die Patienten oder Klientinnen in die Vertreter der Freien Berufe
haben. Andererseits das Vertrauen, das die gesamte Gesellschaft in
die Freien Berufe setzt“, meint BUKO Präsident Frühwirth.

„Unabhängigkeit ist gefordert und schafft Vertrauen“ sagt Frühwirth
„Die Freien Berufe sind unabhängig und – wie die Berufsbezeichnung
schon sagt – frei in ihrer Tätigkeit. Wir erteilen einer
Unterwanderung und Einflussnahme von in- und ausländischen
Kapitalgesellschaften eine klare Absage“.

Der Volkswirtschaftsexperte Univ. Prof. Dr. Friedrich Schneider hat
die Situation der Freien Berufe mit einer möglichen Beteiligung in-
und ausländischer Unternehmen analysiert. In seiner Studie
„Volkswirtschaftliche Effekte Interdisziplinärer Gesellschaften“
untersucht Schneider die Pläne der Bundesregierung, die sich durch
die Beteiligung von Firmen und Unternehmen an den Freien Berufen ein
Wirtschaftswachstum erhofft. Schneider beurteilt die Pläne der
Regierung kritisch; die Bundesregierung stütze sich auf
wirtschaftliche Studien, die nicht auf die Situation der Freien
Berufe eingehen.

Das Fazit von Univ. Prof. Schneider: „Das von der Bundesregierung
erhoffte Wirtschaftswachstum wird nicht eintreten. Im Gegenteil: mit
der Beteiligung von in- und ausländischen Unternehmen an den Freien
Berufe kann es zu negativen Folgen für die Kunden wie
Marktkonzentration und Preisanstiegen kommen.“

Dipl. Ing. Rudolf Kolbe, Präsidialmitglied der BUKO und Vizepräsident
der Bundeskammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten, berichtet
aus der Praxis seines Vermessungsbüros in Oberösterreich.

„Wir brauchen keine Beteiligung von Kapitalgesellschaften bei
Zivilingenieuren. Die Kunden können sich auf unsere Unabhängigkeit
bei Vermessungs- und Kastasterfragen verlassen. Keiner will eine
Einflussnahme von Investoren von außen.“

Kolbe meint weiter, eine Besonderheit bei den Architekten und
Ingenieurkonsulenten sei ja, dass sich die Kunden inhaltlich voll
verlassen können müssen. „Wenn ich im Supermarkt eine Wurstsemmel
kaufe, weiß ich beim Hineinbeißen, ob die Qualität passt. Wenn ich
eine Grundstücksvermessung durchführen lasse, kann ich als Kunde das
Ergebnis nicht sofort beurteilen. Ich muss vertrauen. Den Freien
Berufen kann man vertrauen und so soll es bleiben.“

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