• 24.05.2016, 14:43:08
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LK Steiermark: Situation für Milchbauern ist dramatisch

Titschenbacher an Lebensmittelhandel: Mit dem Preisdumping endlich aufhören

Utl.: Titschenbacher an Lebensmittelhandel: Mit dem Preisdumping
endlich aufhören =

Graz (OTS) - "Von Monat zu Monat sinken in Österreich die
Erzeugermilchpreise, die Bauern brauchen dringendst eine Trendumkehr.
Mit Tiefstpreisen von durchschnittlich 27,3 Cent oder einem Minus von
33% gegenüber dem Frühjahr 2014 liegen sie in der Steiermark weit
unter den Herstellungskosten. Das halten unsere Bauern nicht länger
aus. Es ist leider eine traurige Tatsache, dass bereits Betriebe
aufhören, die sich für die Zukunft gerüstet haben", skizzierte heute
der steirische Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Titschenbacher
die Misere.

Lebensmittelhandel verschleudert hochwertige Milchprodukte

"Die heimischen Milchbauern haben ihre Hausaufgaben gemacht und
die Wünsche des Lebensmittelhandels sowie der Konsumenten erfüllt,
trotzdem wird ihre hochwertige Milch entwertet und verschleudert",
kritisierte Titschenbacher. Die Landwirte hätten in tierfreundliche
Ställe investiert, ihre Kompetenzen durch Weiterbildung gesteigert
und die Zuchtarbeit auf Gesundheit und Leistung vorangetrieben. Als
einziges Land weltweit könne Österreich überdies auf die garantiert
gentechnikfreie Fütterung der Milchkühe verweisen. "Rund 80% der
steirischen Milch kommen von Bergbauern, die unsere steilen Hänge
unter schwierigsten Gegebenheiten bewirtschaften und so die für den
Tourismus so wichtige Landschaft pflegen", gab Titschenbacher zu
bedenken. Für die Milchbauern könne es so nicht weitergehen. Der
Lebensmittelhandel sei aufgefordert, dem Preisdumping ein Ende zu
setzen.

Höchste Tierschutz- und Qualitätsstandards bedeuten auch
höhere Kosten

"Die von der Gesellschaft und dem Handel geforderten hohen
Tierschutz- und Tierwohlstandards in Österreich sowie die
gentechnikfreie Fütterung und die Bewirtschaftung der steilen Hänge
im Berggebiet sind für die heimischen Bauern erheblich teurer -
verglichen mit den europäischen Berufskollegen. Gleichzeitig geht vom
Milchpreis im Lebensmittelgeschäft immer weniger an den Bauern. Im
Jahr 2013 kam am Bauernhof noch ein Drittel des Konsumentenpreises
an, im April 2016 ist der Anteil auf nur mehr ein Viertel
zurückgefallen", kritisierte der LK-Präsident den Handel scharf. "Die
Lebensmittelketten sollten ihre Marktmacht nicht zum Nachteil der
Bauern ausnützen. Es ist inakzeptabel, durch künstlich herbeigeredete
Weltmarktpreise unfaire Senkungen bei den Erzeugermilchpreisen zu
erzwingen", so Titschenbacher.

Trinkmilch weit unter ihrem Wert geschlagen

"Gesunde heimische Trinkmilch wird weit unter ihrem Wert
geschlagen. Der Lebensmittelhandel entwertet durch Schleuderpreise
und Lockangebote gesunde Molkereiprodukte", stellte Titschenbacher
klar. Er nannte dazu auch Beispiele: 1 l Milch kostet zwischen 0,85
und 1,09 Euro, während für Coca Cola 1,45 Euro/l verlangt werden.
Und: Der Jahresbedarf Milch für eine vierköpfige Familie kostet nur
330 Euro, während ein Panini-Sammelheft auf bis zu 523 Euro kommen
kann.

Rasche Lösungen und Entlastungen notwendig

Für die krisengeschüttelten Milchbäuerinnen und Milchbauern drängt
der LK-Präsident auf rasche Lösungen und Entlastungen: "Der
Lebensmittelhandel soll mit dem Preisdumping von Milch und
Milchprodukten endlich aufhören. Tiefst- und Schleuderpreise werden
auf dem Rücken der Bauern ausgetragen. Der Handel ist
mitverantwortlich, wenn Milchbauern zusperren müssen", so
Titschenbacher. Notwendig sei auch eine marktkonforme
Milchproduktion. Diese soll kurzfristig freiwillig und auf
einzelbetrieblicher Ebene sichergestellt werden. Mittelfristig sei
eine europäische Lösung anzustreben, um Nachfrage und Angebot wieder
ins Lot zu bringen. Weiters verlangt der Präsident eine einmalige
Rabattierung der Sozialversicherungsbeiträge, diesbezügliche
Gespräche sind im Laufen.

Agrardiesel einführen - Milchgipfel veranstalten

"Unsere Bäuerinnen und Bauern haben, verglichen mit ihren
europäischen Berufskollegen, die höchste Dieselbesteuerung in Europa.
Auch die österreichischen Bauern brauchen daher ein Entlastungsmodell
- die Einführung des steuerbefreiten Diesels für die Landwirtschaft
ist dringend notwendig", so Titschenbacher. Darüber hinaus müsse die
EU die Einlagerungsmengen insbesondere bei Milchpulver aufstocken.
Außerdem sollte das Sicherheitsnetz bei Tiefstpreisen verbessert
werden (Interventionspreis erhöhen). Erforderlich wäre auch die
Lockerung des Russland-Embargos: "Die heimische Molkereiwirtschaft
hat erfolgreich einen Fuß in die Tür des Russlandmarktes gesetzt.
Diese wichtigen Exporte sind jetzt zusammengebrochen", unterstrich
der LK-Präsident. Er hält überdies einen Milchgipfel mit Minister
Andrä Rupprechter, Spitzenvertretern des Handels, der Molkereien und
der Bauernvertretung für notwendig. Dieser Gipfel ist bereits in
Vorbereitung.
(Schluss)

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