• 20.05.2016, 11:11:19
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Notfallmedizin in Gefahr

Präsident Reisner: „Ministerium will Ärzte ohne abgeschlossene Ausbildung für Notfalldienste einsetzen“

Utl.: Präsident Reisner: „Ministerium will Ärzte ohne abgeschlossene
Ausbildung für Notfalldienste einsetzen“ =

Wien (OTS) - Mitte letzten Jahres trat eine neue
Ausbildungsordnung für Ärztinnen und Ärzte in Kraft. Bis dahin
absolvierten nahezu alle Jungärzte im Rahmen ihrer Ausbildung
zunächst eine allgemeinmedizinische Ausbildung. Als fertige
Allgemeinmediziner waren sie während der darauf folgenden
Fachausbildung zur selbständigen Berufsausübung – auch im
Notarztwagen – berechtigt. „Wir blicken auf mehrere Jahrzehnte
ausgezeichnet funktionierende ärztliche Notfallmedizin im
extramuralen Bereich – also außerhalb von Krankenhäusern – zurück“,
bestätigt Dr. Christoph Reisner, MSc, Präsident der NÖ Ärztekammer.
„Das hervorragende Modell vom gut ausgebildeten Arzt im gut
ausgestatteten Notarztwagen könnte aber bald Geschichte sein“.

Ausbildungsreform gefährdet Fortbestand des gut
funktionierenden Notfallwesens - NÖ Ärztekammer hat unter anderem
auch deshalb gegen die neue Ärzteausbildung gestimmt

Die neue Ärzteausbildung sieht eine gemeinsame Basisausbildung von
neun Monaten für alle – egal ob angehende Allgemeinmediziner oder
Fachärzte – vor. Danach trennen sich die Ausbildungswege. Während die
Facharztausbildung gleich lang geblieben ist, verlängert sich die
Ausbildung des künftigen Allgemeinmediziners um bis zu ein Jahr.
Reisner: „Das führt logischerweise dazu, dass zumindest ein Jahr lang
kaum neue Allgemeinmediziner mit ihrer Ausbildung fertig werden. Da
wir diese Entwicklung schon vor einem Jahr erkannt und die Probleme
vorhergesehen haben, war dies einer der Gründe, warum wir als NÖ
Ärztekammer gegen die neue Ausbildungsordnung gestimmt haben.“ Kritik
dazu kommt auch von Dr. Gerrit Loibl, MSc, Vizepräsident der NÖ
Ärztekammer und dort für Notfalls- und Rettungsdienste zuständig:
„Früher wurden Notarztdienste vor allem von in Ausbildung
befindlichen Fachärzten absolviert, die zuvor ihren Turnus für
Allgemeinmedizin abgeschlossen hatten. Durch die neue
Ausbildungsordnung beginnen Jungärztinnen und -ärzte ihre
Facharztausbildung unmittelbar nach der gemeinsamen neun monatigen
Basisausbildung, nach der sie nicht wie früher üblich über ein jus
practicandi verfügen – also die Berechtigung haben, selbständig
ärztlich tätig sein zu dürfen.“ Und das bedeutet, dass sie nach
derzeitiger Gesetzeslage nicht zu Diensten im Notarztwagen
herangezogen werden können.

Ministerium will mit unverantwortlicher Notlösung Abhilfe
schaffen

Das Bundesministerium für Gesundheit überlegt nun, diesem Mangel
an Notärzten entgegenzutreten und möchte Ärzte in Ausbildung nach
Absolvierung entsprechender Notarztkurse zu Notarztdiensten zulassen.
„Die Arbeit als Notarzt ist sehr anspruchsvoll und sowohl körperlich
als auch psychisch oft extrem belastend“, kritisiert Notfallmediziner
Loibl diese Idee und spricht bei Umsetzung dieses Plans sogar von
„Fahrlässigkeit“. Auch Reisner hält diese Entwicklung für unzumutbar:
„Es ist grotesk, Mediziner in Ausbildung dort tätig werden zu lassen,
wo sie völlig alleine agieren müssen ohne Möglichkeit, mit jemandem
Rücksprache halten zu können.

Gerade in der Notfallmedizin sollten idealerweise Ärztinnen und
Ärzte mit langjähriger Erfahrung tätig sein.“ Gemeinsam fordern sie
vom Ministerium entsprechende Konzepte zur fachlichen Prüfung und
keine vorschnellen Entscheidungen, die die Notfallmedizin, die zu
behandelnden Patienten, aber auch die unerfahrenen Jungärzte in
Gefahr bringen würden.

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