• 16.03.2016, 13:45:51
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ORF DialogForum „Wie lecker ist Österreichisch?“

Über Sprachkultur und Medien in Österreich

Utl.: Über Sprachkultur und Medien in Österreich =

Wien (OTS) - Unbestritten ist: Sprache prägt Identität. Die Frage ist
jedoch: Wer oder was prägt angesichts der Globalisierung der
Medienwelt unsere Sprachkultur? Geraten nationale und regionale
Sprachidentitäten wie das österreichische Deutsch unter Druck? Soll
die Sprache der Journalistinnen und Journalisten dem Geschmack des
Publikums oder den Vorgaben einer „Political Correctness“ folgen? Wie
reagieren die Medien auf diese Herausforderungen? Und: Was hat
Sprache mit Qualitätsjournalismus zu tun? Diesen Fragen widmete sich
das ORF-DialogForum in Kooperation mit der ORF-Schulung am 15. März
2016 im ORF-RadioKulturhaus in zwei Experten-/Expertinnenpanels.
Eröffnet wurde das DialogForum von ORF-Fernsehdirektorin Kathrin
Zechner und Ilse Brandner-Radinger, der Vorsitzenden des
ORF-Publikumsrates. Nach der Keynote von Prof. Alois Brandstetter
diskutierten unter der Leitung von Konrad Mitschka,
ORF-Public-Value-Kompetenzzentrum, Prof. Rudolf de Cillia,
Universität Wien, Haimo Godler, ORF/Ö1, Petra Herczeg, Institut für
Publizistik der Universität Wien, Prof. Rudolf Muhr, Universität
Graz, und die Poetry Slammerin Yasmo über „Österreichisch“ im
Zeitalter der modernen Globalisierung. In einer zweiten
Diskussionsrunde widmeten sich Ingrid Brodnig, profil, Jasmin Dolati,
ORF-Radio Wien, Jan Hofer, ARD-Tagesschau, Beat Schneider, SRG, und
Heinz Sichrovsky, News und ORFIII-„erLesen“, dem Thema „Mediensprache
und Identitätsstiftung“.

ORF-Fernsehdirektorin Mag. Kathrin Zechner: „Eine Diskussion über
unsere österreichische Sprache, deren Bedeutung und Entwicklung ist
für mich als ORF-Fernsehdirektorin willkommener Anlass, die
Wichtigkeit der eigenen, unverwechselbaren Geschichten mit
österreichischer Färbung und Sprache in den Vordergrund zu stellen.
Sprache verändert sich – und gerade die Diskussion rund um Eigenes
und Fremdes zeigt, wie trennend, aber auch verbindend Sprache ist,
wie wichtig die Vielfalt von Aussprache, Vokabular und damit das
Selbstwertgefühl der Gesellschaft und Zugehörigkeit ist.“

Ilse Brandner-Radinger, Vorsitzende des ORF-Publikumsrates: „Das
österreichische Deutsch ist keine Mundart oder älplerisches
Lokalkolorit. Und würde jemand im ORF-Publikumsrat das Wort ‚lecker‘
in der Diskussion gebrauchen, würde das Mitglied dieses Gremiums
Entrüstung ernten. Kommt aber nie vor. Denn gerade der Publikumsrat
weist immer wieder darauf hin, dass speziell der
Öffentlich-Rechtliche dazu verpflichtet ist, im Sinne seines
Bildungsauftrags und eines Qualitätsjournalismus besonders sorgfältig
mit der Sprache umzugehen. Dazu gehört auch die Berücksichtigung des
österreichischen Deutsch. Denn der Verlust der Sprachvielfalt
bedeutet eine Verengung und Verarmung unserer Sprache und somit auch
ein Stück weniger österreichische Identität.“

Prof. Alois Brandstetter: „Der Österreichische Rundfunk soll das
Interesse an der sprachlichen Eigenart der Österreicherinnen und
Österreicher durchaus befriedigen, ohne Chauvinismus und
Kantönligeist. Er soll also in eigenen Sendungen oder Sequenzen ein
wenig ‚Mundartkunde‘ unter die Leute bringen und darf gern das
Bewusstsein stärken, dass die Mundart nichts ist, wofür man sich
schämen müsste. Das bildungspolitische Optimum an ‚Spracherziehung‘
wäre erreicht, wenn die Printmedien – und der Rundfunk bei den Hörern
und Sehern Verständnis für Regionalvarietäten, Soziolekte und
Funktionalvarietäten erzeugen und fördern würden.“

Im ersten Panel stand die Frage im Mittelpunkt, wie sich
österreichisches Deutsch definieren lässt und wie sowohl Schulen als
auch Medien aus der Sicht der Wissenschaft und Kunst mit
Sprachvielfalt umgehen sollen. Prof. Rudolf Muhr, Universität Graz,
betonte die Wichtigkeit einer Sprach- und Kulturpolitik, die
Sprachpluralismus mehr fördert. Für Haimo Godler, Ö1, braucht es
„mehr Freiraum für die Medien, um sprachliche Begebenheiten besser
reflektieren und transportieren zu können.“ Auch Prof. Rudolf de
Cillia, Universität Wien, plädierte für einen „bewussteren Umgang mit
regionalen, aber auch sozialen sprachlichen Varietäten.“ Für Yasmo,
österreichische Rapperin, Slampoetin und Autorin ist vor allem der
sprachliche Wandel im Zuge der Globalisierung als Bereicherung
anzusehen. Petra Herczeg, Universität Wien, betonte in diesem
Zusammenhang die Notwendigkeit eines verbesserten öffentlichen
Diskurses, der einen offeneren Zugang zu Sprache ermöglicht und somit
auch zeigt, wie der Medienwandel den Kommunikationsstil beeinflusst.

Die zweite Diskussionsrunde des DialogForums nahm sich anschließend
der Frage an, wie die Medien die zuvor genannten Forderungen aus
Wissenschaft und Kunst umsetzen können. Ingrid Brodnig, profil, sah
im Journalismus eine Verantwortung, den Sprachschatz zu bereichern
und dafür zu sorgen, dass dieser auch erhalten bleibt. Für Jasmin
Dolati, Radio Wien, war es in Bezug auf sprachliche Varietät als
Aufgabe der Medien wichtig, „das Kommunale zu pflegen, zu fördern,
aber auch zu diskutieren“. Auch Beat Schneider, SRG, betonte die
Wichtigkeit der direkten Interaktion mit dem Publikum, um das Thema
Sprache auch im öffentlichen Diskurs zu behandeln. Für Heinz
Sichrovsky, News und ORFIII-„erLesen“, war es wichtig, den Reichtum
von Sprachen zu bewahren, ohne dabei „Sprachhybriden“ entstehen zu
lassen. Jan Hofer, ARD-Tagesschau, betonte die steigende Bedeutung
von Mehrsprachigkeit, die in der globalisierten Welt zunehmend
notwendig sein wird.

Das ORF-DialogForum ist eine Initiative des ORF, das Gespräch mit
seinem Publikum, den österreichischen Institutionen, den
Organisationen und Gruppen der Gesellschaft zu beleben. Morgen, am
17. März, ist eine Zusammenfassung der Diskussion im
„Journal-Panorama“ um 18.25 Uhr auf Ö1 zu hören. Eine Aufzeichnung
des ORF-DialogForums ist ab Freitag, dem 18. März, auf zukunft.ORF.at
als Video-on-Demand abrufbar.

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