Offener Brief an Bürgermeister Dr. Michael Häupl, die Stadt Wien sowie die Verantwortlichen im Amerlinghaus.

Das Amerlinghaus darf BDS keine Bühne bieten!

Wien (OTS) - Anlässlich mehrerer Veranstaltungen der Gruppierung „Boycott-Divestment-Sanctions Austria“ (BDS) im Wiener Amerlinghaus wenden wir uns an Sie. Laut Homepage des Amerlinghaus plant BDS-Austria im März mehrere zweifelhafte Veranstaltungen durchzuführen, in deren Rahmen eindeutig antisemitisches Gedankengut verbreitet wird.

Wir fordern das Amerlinghaus auf, sich von BDS-Austria öffentlich zu distanzieren und ihnen ihre Räumlichkeiten nicht mehr zur Verfügung zu stellen.

Zudem fordern wir Bürgermeister Dr. Michael Häupl und die Stadt Wien auf, sämtliche Subventionen für das Amerlinghaus zu streichen, sollte BDS-Austria dort weiterhin ihre Treffen abhalten. Dass ausgerechnet das Amerlinghaus - ein unerlässlicher Treffpunkt für antirassistische Initiativen zur Bekämpfung menschenverachtender Hetze -antisemitischen Gruppierungen wie BDS-Austria seine Räumlichkeiten anbietet, ist für uns vollkommen unverständlich.

Gerade da der Wiener Gemeinderat vor einem Jahr eine gemeinsame „Wiener Erklärung zur Bekämpfung des Antisemitismus“ beschlossen hat, ist es vollkommen unverständlich, weshalb eine Gruppe wie "BDS Austria", die den jüdischen Staat bekämpfen möchte, Räume des von der Stadt Wien subventionierten Amerlinghauses zur Verfügung gestellt bekommt!

Kürzlich gab ja auch Martin Ritzmaier, Pressesprecher des Bürgermeisters der Stadt Wien bekannt, dass die Stadt Wien jegliche Aufrufe des Boykotts gegen den israelischen Staat verurteilen würde und BDS-Austria keinerlei finanzielle Unterstützung erhalten würde.

Der BDS-Zusammenschluss wurde 2005 unter Einschluss der "National and Islamic Forces in Palestine", zu denen antisemitische Terrororganisationen wie "Hamas" oder "Islamischer Jihad" zählen, gegründet. Von daher überrascht es wenig, dass der BDS-Austria Sprecher Oliver Hashemizadeh die Hamas zustimmend zu einer "Widerstandsbewegung" verklärt. Neben dieser Apologie des islamistischen Antisemitismus zeichnet sich BDS-Austria außerdem durch eine Verharmlosung des Rassismus aus: Wer Israel als "Apartheidstaat" denunziert, setzt einen demokratischen Rechtsstaat mit der institutionalisierten und systematischen, ethnischen Unterdrückung im Südafrika der "Rassentrennung" gleich.

Der BDS-Zusammenschluss ist international eine sehr stark studentische Bewegung, da ein Teil des Boykottes auch den Boykott des akademischen Austausches mit israelischen Universitäten betrifft. Es häufen sich vor allem an US-amerikanischen Universitäten Vorfälle antisemitischen Gewalt: Lehrveranstaltungen von jüdischen Professor_innen werden regelmäßig gestört, als Jüdinnen* und Juden* ausgemachte Studierende werden am Campus belästigt und Israelfahnen verbrannt.

Auch vor dem Hauptgebäude der Universität Wien verteilen Aktivist_innen von BDS-Austria regelmäßig antisemitische Propaganda. Schon die unmittelbare BDS-Austria-Vorläuferorganisation "Sedunia" machte diesbezüglich von sich reden: Im November 2003 griffen Personen dieser pro-islamistischen Gruppe eine Kundgebung im Andenken an die Opfer des nazistischen Novemberpogroms in Wien an. In ihrem Bekennerbrief schrieb "Sedunia" damals: "Wieder wollte sich der Zionismus hinter dem Judentum verstecken, glaubte sich vor einer Synagoge an einem 9. November verkleiden zu können, sich mit dem Judentum gleichsetzen zu können. Die arabische und islamische Antwort war klar und eindeutig: Ihr Mörder!"

Wenig verwunderlich ist auch, dass das BDS-Austria auf Unterstützung aus dem Lager rechtsextremer Hooligans bauen kann: Im letzten Jahr fand eine öffentliche Veranstaltung mit dem Namen „Tag des Bodens'" ihren widerwärtigen Höhepunkt. Zu diesem antiisraelischen Spektakel, welches u.a. Dar al-Janub - die Nachfolgerorganisation der o.g. „Sedunia“ - die Palästinensische Jugend Österreichs, die Palästinensischen Frauen Österreichs und das Koordinationsforum zur Unterstützung Palästinas veranstalteten, gesellten sich gegen Ende der Veranstaltung bosnische Fußballhooligans, die „Ubi, ubi židove!“ („Töte, Töte Juden!“) skandierten. Der offene Aufruf zum Judenmord konnte erneut auf Wiens Straßen ohne jegliche Konsequenzen erklingen.

Heuer setzt sich solch antisemitische Provokation in der Tatsache fort, dass BDS-Austria ausgerechnet zum 78. Jahrestages des "Anschlusses" Österreichs an Nazi-Deutschland, in Wien für den Boykott des jüdischen Staates demonstrieren will. Eine Gruppe, wie BDS-Austria, die Israel als Apartheidstaat bezeichnet, den jüdischen Staat abschaffen möchte und nicht davor zurückschreckt, antisemitische Stereotypen zu reproduzieren, sollte weder direkt noch indirekt von der Stadt Wien gefördert werden!

Mit freundlichen Grüßen,
die Unterzeichner_innen:

  • Mahsa Abdolzadeh, Autorin, Politologin und Grüne Bezirksrätin
  • Ruth Contreras, Vorsitzende Wissenschaft für Frieden in Nahost
  • Inge Dalma, Chefredakteurin SCHALOM
  • Rudolf Gelbard, Zeitzeuge, KZ-Überlebender
  • Renate Göllner, Autorin
  • Maximilian Gottschlich, Univ. Prof.
  • Heimo Gruber, Beirat Österreichisch-Israelische Gesellschaft

  • Chava Gurion, Historikerin, Autorin, Generalsekretärin Club der Freunde Israels
  • Heiko Heinisch, Historiker, Autor
  • Daniel Kapp, Sprecher Club der Freunde Israels
  • David Kirsch, Publizist
  • Cengiz Kulaç, Vorstandsmitglied der Grünen Bildungswerkstatt
  • Gideon Maoz, Schauspieler
  • Wolfgang Neugebauer, Historiker, Aktion gegen den Antisemitismus in Österreich
  • Joanna Nittenberg, Chefredakteurin Illustrierte Neue
  • Juliana Okropiridse, Wien Anders
  • Andreas Peham, Aktion gegen Antisemitismus in Österreich

  • Karl Pfeifer, Journalist

  • Ursula Raberger, Autorin & Filmwissenschaftlerin
  • Sebastian Reinfeldt, Wien Anders
  • Stefan Schaden, Beirat Österreichisch-Israelische Gesellschaft
  • Gerhard Scheit, Autor
  • Robert Schindel, Schriftsteller
  • Richard Schmitz, Präsident Österreichisch-Israelische Gesellschaft
  • Nina Scholz, Politikwissenschaftlerin, Autorin
  • Marco Schreuder, Bundesrat a. D.
  • Susi Shaked, Generalsekretärin Österreichisch-Israelische Gesellschaft
  • Viktoria Spielmann, ehemalige Vorsitzende der ÖH-Bundesvertretung
  • Karin Stanger, GRAS Wien, Vorsitzteam ÖH Uni Wien
  • Hans-Jürgen Tempelmayr, Beirat Österreichisch-Israelische Gesellschaft
  • Bernhard Weidinger, Politikwissenschafter

Rückfragen & Kontakt:

Karin Stanger
0043 699 / 10693989

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