Lebenshilfe-Präsident: Nicht-inklusive Bildung schadet der Gesellschaft!

Raschere Umsetzung einer „Schule für alle“ ist gefordert

Wien (OTS) - „Wir brauchen schnellste Umsetzung inklusiver Bildungskonzepte in allen Bereichen der vorschulischen, schulischen, tertiären und der Erwachsenenbildung“, fordert Lebenshilfe Präsident Univ. Prof. Dr. Germain Weber anlässlich der Zero Project Konferenz in Wien zum Thema inklusive Bildung.„Nicht-inklusive Bildung behindert selbstbestimmtes Leben, inklusive Lernerfahrung hingegen verbessert die Bildung aller Kinder.“

2010 hat die Lebenshilfe Österreich einen Stufenplan zur Inklusiven Schule in Österreich bis 2020 vorgestellt. Die Forderungen: Baustopp für neue Sonderschulen, Umwandlung der Sonderpädagogischen Zentren in Pädagogische Kompetenz- und Ressourcenzentren, Zusammenlegung der bisher getrennten Ausbildung für Sonder- und RegelpädagogInnen, Ausbildung und Einsatz von SchulassistentInnen, Öffnen der Sonderschulen für alle Kinder, inklusiver Unterricht auch an mittleren und höheren Schulen. Die Entwicklung ist bislang unzufriedenstellend.

Vizepräsident sieht Situation kritisch
Der Vizepräsident der Lebenshilfe Österreich, Bernhard Schmid, sieht die derzeitige Situation kritisch: „Die Forderung nach Baustopp für neue Sonderschulen, wurde nicht eingehalten: für Neubauten, Ausbauten und Generalsanierungen von Sonderschulen wurden in den letzten Jahren viele Millionen Euro ausgegeben, die für den Ausbau inklusiver Schulen viel dringender benötigt worden wären! Im August 2014 trat eine Novelle des Schulorganisationsgesetzes in Kraft. Doch im §27a wurde damals die für Inklusion so dringend benötigte Entkopplung der Beratungs- und Ressourcenzentren von Sonderschulen verabsäumt und lediglich `Sonderpädagogische Zentren´ in `Zentren für Inklusions-und Sonderpädagogik´ umbenannt.“

Laut Lebenshilfe fehlt bundeseinheitliche Regelung
Weiters gibt es laut Lebenshilfe für die Qualifizierung und den Einsatz von SchulassistentInnen noch keine bundeseinheitliche und bedarfsdeckende Regelung. Bestehende Sonderschulen werden nur zögerlich geöffnet und Regel- und Sonderklassen zwar im selben Schulhaus, aber weiterhin parallel nebeneinander geführt. Und Inklusion an mittleren und höheren Schulen findet nur über vereinzelte Schulversuche statt. „Lediglich die `PädagogInnenbildung Neu´ verspricht mit der Abschaffung des Sonderschullehramts und inklusionspädagogischen Modulen für alle LehrerInnen mit optionalen Schwerpunktsetzungen einen wesentlichen Schritt Richtung Inklusion, wenn die ersten Studierenden in vier bis fünf Jahren ihr Studium absolviert haben. Das ist ein entscheidender Fortschritt, allerdings muss dies in den kommenden Jahren konsequent umgesetzt werden!“ meint Präsident Weber.

Lösungen liegen auf dem Tisch
Hoffnung machen der Lebenshilfe die inklusiven Modellregionen in der Steiermark, Kärnten und Tirol, die in Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium bereits an der praktischen systematischen Umsetzung eines neuen inklusiven Schulsystems in größerem Stil arbeiten. Diese Vorreiter sollen die nötigen Praxiserfahrungen für Gesetzesänderungen und für eine flächendeckende Umsetzung in ganz Österreich liefern.
Schmid fordert abschließend: „Damit dies gelingt, brauchen die drei Bundesländer endlich jeweils einen eigenen Bundeslandkoordinator seitens des Bildungsministeriums. Und die übrigen Bundesländer müssen sich ebenfalls aktiv damit auseinandersetzen, wie sie eigene Modellregionen errichten können. Je mehr Schulen und Regionen – am besten wären ganze Bundesländer! - mitmachen, desto gefestigter und qualitätsvoller wird das inklusive System und desto mehr Attraktivität werden diese Schulen für alle Kinder mit und ohne Beeinträchtigungen haben.“

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