• 19.11.2015, 11:28:32
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ÖAMTC-Umfrage: Neun von zehn Österreichern gegen Tempo 80 auf Freilandstraßen

Tempo 80 kein Allheilmittel für Verkehrssicherheit, kaum Umwelt-Effekte

Utl.: Tempo 80 kein Allheilmittel für Verkehrssicherheit, kaum
Umwelt-Effekte =

Wien (OTS) - Flächendeckendes Tempo 80 auf Freilandstraßen ist heute
Thema in einer vom Umweltbundesamt veranstalteten Tagung. Der ÖAMTC
sieht das sehr skeptisch. Eine Ende Oktober durchgeführte
repräsentative Online-Umfrage unter ÖAMTC-Mitgliedern zu Tempolimits
auf Freilandstraßen brachte ein eindeutiges Ergebnis: 88 Prozent
halten die aktuell zulässige Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h für
angemessen, eine Reduktion von 100 km/h auf 80 km/h lehnen fast drei
Viertel der Befragten explizit ab. "Auf die Nachfrage, welches
Tempolimit auf Freilandstraßen gelten sollte, wollen 69 Prozent alles
beim alten belassen, 15 Prozent wünschen sich eine Erhöhung, nur 10
Prozent treten für eine Reduktion des Tempolimits ein", fasst
ÖAMTC-Chefjurist Martin Hoffer die Ergebnisse zusammen. Für Hoffer
bestätigt die Umfrage die Linie des ÖAMTC, der die Herabsatzung der
generellen Höchstgeschwindigkeit auf Freilandstraßen als
Überreglementierung ablehnt.

Als negative Folge einer möglichen Temporeduktion haben 70 Prozent
der Club-Mitglieder die Sorge, dass dadurch gefährliche
Überholmanöver gefördert würden. 50 Prozent der Befragten befürchten
mehr Geschwindigkeitskontrollen, 43 Prozent bemängeln den möglichen
Zeitverlust und 38 Prozent die Gefahr geringerer Aufmerksamkeit. Als
mögliche positive Folgen nennen 25 Prozent der Befragten "weniger
Spritverbrauch". Nur jeder Fünfte führt "weniger Lärm/Schadstoffe"
und "Unfallreduktion" an.

Seriöse Rückschlüsse aus der Unfallstatistik nicht möglich

Auch wenn laut Unfallstatistik die meisten Verkehrstoten (62 Prozent)
in Österreich auf Freilandstraßen zu beklagen sind, zieht eine
Analyse der ÖAMTC-Unfallforschung den Effekt der Herabsetzung der
generellen Höchstgeschwindigkeit in Zweifel. "Rund 36 Prozent aller
Unfälle mit Personenschaden auf Freilandstraßen ereignen sich in
Bereichen mit bis zu 80 km/h zulässiger Höchstgeschwindigkeit",
erläutert der Club-Jurist (Quelle: Statistik Austria). Ca. ein
Drittel aller auf Freilandstraßen Getöteten ist zudem in
Kurvenbereichen zu beklagen. "Dort ist die Wahl der geeigneten
Geschwindigkeit entscheidend, die theoretische Höchstgeschwindigkeit
spielt nur eine untergeordnete Rolle", so Hoffer.

Unterschätzte Faktoren beim Unfallgeschehen auf Freilandstraßen sind
auch die Missachtung der Gurtanlegepflicht (19 Prozent aller
Getöteten) und die Anpassung der Geschwindigkeit an die tatsächlichen
Straßenverhältnisse: 60 Prozent aller Unfälle mit Personenschaden
aufgrund nicht angepasster Geschwindigkeit passieren bei Nässe und
Schnee. "Generelles Tempo 80 ist kein Allheilmittel. Wenn man bei der
Straßeninfrastruktur gezielt auf Probleme vor Ort eingeht – auch mit
lokalen Tempolimits und präzisen Gefahrenwarnungen – bringt das
mehr", folgert der ÖAMTC-Chefjurist.

Umwelt-Auswirkungen kaum messbar

Auch mögliche positive Effekt auf die Umwelt werden vom ÖAMTC
relativiert. Hoffer: "Berechnungen der TU Wien zeigen, dass ein
generelles Tempolimit von 80km/h auf Freilandstraßen die Verringerung
von Stickoxiden bis zum Jahr 2020 kaum beeinflussen würde. Bezogen
auf die gesamte Schadstoffbelastung unserer Luft, reduziert Tempo
80/100 die Kohlenwasserstoff-Emissionen (HC) gar nicht, NOX um
bestenfalls zwei Prozent." Das liegt vor allem daran, dass die hohen
Verkehrsleistungen meist im Kolonnenverkehr erbracht werden und damit
eine niedrige Durchschnittsgeschwindigkeit gefahren wird. Einzelne
schnellere Fahrzeuge zur verkehrsärmeren Zeit verändern daran nichts.

Zwischen 20. Oktober und 1. November wurden über ÖAMTC AM.PULS 1.506
Interviews repräsentativ für ÖAMTC-Mitglieder ab 18 Jahren in ganz
Österreich erhoben. Drei Viertel der Befragten benutzen mindestens
mehrmals pro Woche Freilandstraßen.

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