- 05.11.2015, 11:17:52
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Gynmed-Report 2015 - So verhütet Österreich
Die ÖsterreicherInnen sind mit Sexualität und Verhütung zufrieden aber verhüten weniger als vor 3 Jahren, vor allem aus Hormon-Angst.
Utl.: Die ÖsterreicherInnen sind mit Sexualität und Verhütung
zufrieden aber verhüten weniger als vor 3 Jahren, vor allem
aus Hormon-Angst. =
Wien (OTS) - Halbe-Halbe wird auch bei der Verhütung gelebt.
„Selbstbeobachtung“ und „Tage zählen“ sind Vergangenheit. Vasektomie
nimmt zu. Und 10.000 ungewollte Schwangerschaften wären durch
Kostenübernahme von Verhütungsmitteln vermeidbar.
Der neue Österreichische Verhütungsreport (“Gynmed-Report”) ist da.
Noch umfassender als beim ersten Report im Jahr 2012 enthüllt er
bisher noch völlig unbekannte Details des österreichischen Liebes-
und Verhütungslebens. Die Anzahl der Befragten wurde in der vom
Markt- und Meinungsforschungsinstitut INTEGRAL durchgeführten
Befragung im Vergleich zu 2012 auf 2.000 verdoppelt.
Im Detail:
Zufriedenheit mit der eigenen Sexualität
Die überwiegende
Mehrheit der Männer und Frauen (84%) ist mit ihrer Sexualität
zufrieden. Mit dem Alter nimmt die Zufriedenheit leicht ab, Menschen
in einer Beziehung sind deutlich zufriedener, die Dauer ihrer
Beziehung hat dabei nur wenig Einfluss. Paare, die verhüten, sind
signifikant zufriedener als diejenigen, die nicht verhüten. Frauen,
die hormonell verhüten, sind zufriedener als Frauen, die mit einer
Methode der Selbstbeobachtung verhüten. Die signifikant höchste
Zufriedenheit mit der eigenen Sexualität äußern Männer, die
sterilisiert/vasektomiert sind (94%).
Wer verhütet?
Fast ¾ der Befragten haben im letzten Jahr entweder selbst verhütet
der oder die Partner hat die Verhütung übernommen.
Junge Frauen und
Männer verhüten besser, mit zunehmendem Alter und mit zunehmender
Dauer einer Beziehung wird weniger verhütet.
Im Vergleich zu 2012 ist
die Anwendung von Verhütungsmitteln bei Frauen allerdings von 81 %
auf 71 % zurückgegangen, bei Männern blieb sie gleich.
Und wer verhütet nicht?
28 % der ÖsterreicherInnen verhüten nicht. Der häufigste Grund für
beide Geschlechter ist kein oder seltener Sex (11%). Bei Frauen ist
der zweithäufigste Grund, dass sie keine Hormone nehmen möchten (8%
aller Frauen). Dieser Frauenanteil nimmt mit dem Alter signifikant
zu. Wegen eines Kinderwunsches verhüten 3 % der Frauen nicht. Bei
Männern geben 6% dies als Grund für Nicht- Verhüten an.
Wie wird verhütet?
Knapp 2/3 aller Frauen haben im letzten Jahr selbst verhütet. Die
Pille ist nach wie vor die häufigste Methode, vor allem bei Frauen
unter 30 Jahren (53 %), gefolgt von der Hormonspirale (8%), die vor
allem bei Frauen ab 40 häufiger verwendet wird. Auf Platz 3 liegt die
Dreimonatsspritze (5 %).
Hormone- Die Angst geht um
Im Vergleich zu 2012 gab es einen deutlichen Rückgang bei der Pille
(45 % auf 38%). 15 % der Frauen, die selbst verhüten, wenden
nicht-hormonelle Methoden an. Etwas mehr als die Hälfte von ihnen (61
%) vermeidet Hormone wegen befürchteter negativer Nebenwirkungen (5 %
aller befragten Frauen).
Dazu kommen noch diejenigen Frauen, die aus
dem gleichen Grund gar nicht verhüten (8% aller Frauen), das heißt 13
% aller Frauen verhüten aus Sorge um Nebenwirkungen von Hormonen
weniger wirksam oder gar nicht.
Die Hälfte der Frauen, die hormonelle
Methoden vermeiden, ist grundsätzlich der Überzeugung, dass „Hormone
nicht gesund sein können“. Frauen, die aus Sorge um Nebenwirkungen
hormonelle Methoden vermeiden (5 % aller befragten Frauen), tun dies
häufig (37%) ausschließlich aufgrund von Berichten anderer.
“Selbstbeobachtung” und “Tage zählen” vor dem Aus
Massiver Zurückgang der “natürlichen Methoden” der
“Selbstbeobachtung” (von 7% auf 1%) und des “Tage zählens” (von 9%
auf 2%). Bei den Männern ist das “Aufpassen” von 9% auf 5%
zurückgegangen. Im Vergleich zu 2012 kam es bei den Männern zu einem
Rückgang bei Kondomen (49% auf 46%), beim „Aufpassen“ (9% auf 5%) und
zu einer geringfügigen Zunahme an Sterilisationen/Vasektomien von 3%
auf 5%.
Halbe-Halbe beim Verhüten
Die Mehrheit der Paare (61%) entscheidet gemeinsam über die Verhütung
und ist sehr zufrieden damit (92% von diesen). Frauen entscheiden
häufiger alleine (38%) als Männer (18%). Beide Geschlechter sind
jedoch in gleich großem Ausmaß zufrieden mit der Situation (79%) und
wünschen sich nur in rd. 1/5 der Fälle, dass der Partner/die
Partnerin mehr Verantwortung übernimmt. Rd. ein Viertel aller
Befragten teilt sich die Kosten. Mehr als die Hälfte der Frauen und
39% der Männer bezahlen ihre Verhütung jeweils selbst. Bei Frauen
sind es vor allem die jungen, die selbst aufkommen, 61% der
20–29-Jährigen. Mehr als die Hälfte der Männer (54%) verhüten (auch)
selbst.
Kostenübernahme von Verhütung verhindert Abtreibungen
Die Kostenübernahme würde zu einer deutlichen Verbesserung der
Verhütung führen: Diejenigen, die bereits verhüten, würden zu 43% auf
eine andere, meist wirksamere Methode wechseln. Von denjenigen, die
bisher nicht verhüten, würden 61% mit einer Verhütungsmethode
beginnen. „Die vorliegenden Daten ergeben, dass es in Österreich
dadurch etwa 10.000 Abbrüche pro Jahr weniger geben könnte“ erklärt
dazu Verhütungsexperte und Gynmed-Leiter DDr. Christian Fiala.
Einstellungen zum „Social Egg/ Sperm Freezing“
26% der befragten Männer und 13% der Frauen können sich „Social
Egg/Sperm Freezing“ für sich selbst gut vorstellen, um einen späteren
Kinderwunsch zu verwirklichen. Ein großer Teil der Frauen (40%) und
Männer (37%) findet die Möglichkeit, Eizellen bzw. Spermien
einzufrieren, zwar grundsätzlich interessant, allerdings kommt dies
für sie persönlich nicht in Frage.
Der ganze Verhütungsreport 2015, Jugendergebnisse und Auswahl an
Bundesländerergebnissen: www.verhuetungsreport.at
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