Neues Volksblatt: "Notoperation" von Markus EBERT

Ausgabe vom 7. August 2015

Linz (OTS) - Es muss ja nicht gleich der radikale dänische Ansatz sein, dass kein Patient ins Krankenhaus kommt, ohne dass er vorher bei seinem Hausarzt war - von Notfällen einmal abgesehen. Das bei uns noch in den Kinderschuhen steckende Konzept der Primärversorgungszentren (Primary Health Care, PHC) ist bei den Dänen selbstverständlich, und zwar sowohl was die Erstbehandlung als auch die Nachsorge betrifft. Man spricht es ohne Scheu aus: Ein Patient im Krankenhaus ist so teuer, dass er dort möglichst nicht oder nur kurz sein muss.
Das Prinzip des "Best Point of Service" über die PHC ist auch hierzulande Intention der Gesundheitsreform. Laut einer kürzlich von der OÖGKK präsentierten Studie müsste von 1000 Patienten nur einer für einen stationären Aufenthalt ins Spital, tatsächlich aber hat Österreich bei einer sehr hohen Bettendichte eine ebenso hohe Belagszahl. Mit der erneuten Diskussion über die Ambulanzgebühren ist das Problem der Patientenströme wieder auf den Tisch gekommen. Dass der niedergelassene Bereich erste Anlaufstelle und somit "Best Point of Service" für den Patienten sein muss, ist Bestandteil einer Reform, die die Ambulanzen (und Spitäler) entlastet und damit auch hilft, die Kosten nicht völlig explodieren zu lassen. Bis die PHC zum Versorgungsalltag gehören, sollte man aber die Zeit auch für Bewusstseinsbildung nutzen, dass nicht jedes Wehwechen eine Notoperation braucht.

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