- 29.04.2015, 22:51:40
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Concordia-Publizistikpreise im Parlament überreicht
Standing Ovations für das Lebenswerk von Freda Meissner-Blau und Hubert Feichtlbauer
Utl.: Standing Ovations für das Lebenswerk von Freda Meissner-Blau
und Hubert Feichtlbauer =
Wien (PK) - Presse- und Informationsfreiheit sowie Menschenrechte
sind jene zwei Kategorien, für die der Presseclub Concordia seit mehr
als fünfzehn Jahren besondere journalistische Arbeit auszeichnet. Die
diesjährigen Publizistikpreise wurden heute im Parlament an die
Präsidentin von "Reporter ohne Grenzen" Rubina Möhring und den Ö1-
Radio-Journalisten Bernd Koschuh überreicht. Für ihr Lebenswerk
geehrt wurden von der Concordia zudem die Pionierin der
Umweltbewegung und Wegbereiterin der Grünen in Österreich Freda
Meissner-Blau sowie der Journalist und Buchautor Hubert Feichtlbauer,
deren zivilgesellschaftliches und demokratiepolitisches Wirken von
den Anwesenden im voll besetzten Nationalratssitzungssaal mit
Standing Ovations honoriert wurde.
Die Verleihung der Concordia-Preise im Parlament habe mittlerweile
Tradition, die Publizistikpreise würden für genau jene Werte stehen,
die das Fundament für eine Demokratie bilden, sagte stellvertretend
für Nationalratspräsidentin Doris Bures Parlamentsdirektor Harald
Dossi in seiner Begrüßung. Denn eine funktionierende Demokratie
brauche freie und starke Medien, nur gut informierte BürgerInnen
könnten Wahlentscheidungen treffen, die gute Politik möglich machen.
Letztendlich gelte es, im bestehenden Spannungsverhältnis zwischen
Politik und Medien Verantwortungsbewusstsein zu übernehmen.
Der Präsident des Presseclub Concordia Andreas Koller würdigte die
diesjährigen vier PreisträgerInnen als Persönlichkeiten, die jeder
für sich Bedeutendes für die Zivilgesellschaft geleistet haben und
stets für eine stärkere Demokratie eingetreten sind. Möhring habe
unermüdlich gegen jegliche Einschränkung der Presse-, Informations-
und Meinungsfreiheit gekämpft, Koschuh wiederum seit Jahren immer
wieder gesellschaftspolitisch wichtige Themen aufgegriffen und mit
seinen Reportagen Missstände und Übergriffe aufgezeigt, verlas
stellvertretend für den Jury-Vorsitzenden Heribert Krejci die
Generalsekretärin des Presseclub Concordia Astrid Zimmermann die
Entscheidung der Jury. Meissner-Blau sei nicht nur ein Teil der
österreichischen Nachkriegsgeschichte, sondern noch heute, mehr als
ein Vierteljahrhundert nach ihrem Rückzug aus der Politik, eine
Stimme des Widerstands gegen Ungerechtigkeiten an Mensch und Natur,
wie es in der Jury-Begründung weiter heißt. Daneben wird Feichtlbauer
von der Concordia unter anderem für seinen außergewöhnlichen hohen
ethischen Anspruch bei seinen Aufgaben innerhalb des österreichischen
Medienwesens ausgezeichnet. Er habe sich etwa durch sein Wirken im
Österreichischen Presserat oder in der Unabhängigen Opferschutz-
Anwaltschaft als großer Humanist erwiesen, so das Jury-Urteil.
Die Laudatio hielt für Koschuh Menschenrechtsexperte Manfred Nowak.
Geht es nach ihm, stecken die Menschenrechte in ihrer tiefsten Krise
seit dem Zweiten Weltkrieg, ein Mittel dagegen sei eine
menschenrechtliche Revolution, dafür wiederum brauche es unermüdliche
JournalistInnen wie Koschuh. Seine Reportagen über seien objektiv und
bewegend zugleich. Sie würden aufrütteln und seien mit Engagement
beseelt. Koschuh, der sich selbst nicht als Menschenrechtsaktivist,
sondern als Journalist sieht, der über Menschenrechtsthemen
berichtet, lenkte die Aufmerksamkeit in seinen Dankesworten auf genau
diejenigen Menschen, deren Schicksale und Geschichten er in seinen
Reportagen offenlegte. Darunter Asylsuchende, Heimkinder, Häftlinge
oder Obdachlose. "Die, die mir in den Interviews ihre Stimme geliehen
haben, haben einen wesentlichen Anteil an diesem Preis", bedankte er
sich eindringlich.
Medienfreiheit als unveräußerliches Menschenrecht sei der Leitfaden
von Möhrings beruflichem Leben und Wirken, so Botschafter Albert
Rohan über Möhring in seiner Würdigung. Ihre Waffe sei das
geschriebene und gesprochene Wort, gesellschaftspolitisches
Engagement Selbstverständlichkeit für die Aktivistin.
"Informationsfreiheit ist ein teures Gut", lautete die Botschaft
Möhrings in ihrer Rede und verwies auf die immer weniger geachtete
Pressefreiheit in Europa. Nach den Anschlägen auf die
Satirezeitschrift Charlie Hebdo in Frankreich etwa habe man
Pressefreiheit über alles gestellt, gestärkt wurden aber
Sicherheitsmaßnahmen. Gewalt sei einfältig und phantasielos,
einfältig sei es aber auch, eine demokratiepolitisch so wichtige
Branche wie die Medien durch direkte und indirekte Förderungen zu
gängeln.
"Hinter geschichtlichen Überraschungen stehen mutige Menschen wie
Freda Meissner-Blau", sagte die deutsche Biologin Christina von
Weizsäcker zum Lebenswerk der "Grande Dame der österreichischen
Ökologiebewegung" mit Verweis auf die Besetzung der Hainburger Au und
die Verhinderung der Inbetriebnahme des Atomkraftwerks Zwentendorf.
Meissner-Blau besitze eine tiefe Glaubwürdigkeit, bereits als
Journalistin habe sie politische Themen auf die gesellschaftliche
Agenda gesetzt. Ihre Unverdrossenheit sei beispielhaft, ihre Arbeit
durch Präzision, Sorgfalt und Ausdauer gekennzeichnet. "Ich wusste
gar nicht, dass ich so viel gemacht habe", sagte eine sichtlich
gerührte Meissner-Blau, die insbesondere auf die Symbolik des
Concordia-Preises für sie selbst verwies. Der Preis bedeute nämlich
auch ein symbolischer Fingerzeig darauf, dass ein großer Teil ihrer
Zukunft hinter ihr liege, nun sei sie dazu verpflichtet, weiterhin
ein waches Interesse am Weltgeschehen zu haben, aber auch in die
Stille zu gehen.
Publizist Heinz Nußbaumer übernahm die Laudatio für Hubert
Feichtlbauer. Haltung sei dabei jenes große Wort, das ihn auf
besonders eindrucksvolle Weise auszeichne, wie Nußbaumer sagte. Auf
den sumpfigen Gebäuden des Journalismus habe Feichtlbauer stets
Charakterstärke behalten. Mit den früheren Concordia-
EhrenpreisträgerInnen habe er das frühe Ringen um Österreich und
seine Zukunft, profunde Bildung und Welterfahrung gemeinsam. Der
Journalismus, so wie ihn Feichtlbauer verstehe, habe primär mit
Hinterfragen zu tun, er selbst habe immer ohne konfessionelle
Schranken gearbeitet. Das Lebenswerk höre bei einem Journalisten nie
auf, sagte Feichtlbauer schließlich in seinen Dankesworten und
betonte die Notwendigkeit einer gesellschaftlichen Vielfalt, die aus
seiner Sicht kein Hindernis für das Zusammenwachsen von Menschen und
Völkern ist. Was journalistische Grundsätze betrifft, habe er das
Ideal wohl immer verfehlt, erklärte Feichtlbauer selbstkritisch.
Deswegen sei er froh, dass die Concordia nicht Perfektion, sondern
Bemühen auszeichnet. (Schluss) keg
HINWEIS: Fotos von der Preisverleihung finden Sie im Fotoalbum auf
www.parlament.gv.at.
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