„Menschen & Mächte“ und „WELTjournal +“: „Arm trotz Arbeit“ und „Luxusleben – Alles für die Reichen“

Am 25. Februar ab 22.30 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) - Laut einer aktuellen Studie von Statistik Austria sind in Österreich rund 490.000 Menschen "Working Poor", sie verfügen trotz Arbeitsplatz über weniger als 1.066 Euro monatlich, Tendenz stark steigend. Leiharbeit, Sozialdumping, Teilzeitjobs und prekäre Beschäftigungsverhältnisse führen immer mehr dazu, dass immer weniger Menschen von einem Job allein leben können und mangels Durchversicherung von Altersarmut bedroht sind. Bert Ehgartner spürt in der "Menschen & Mächte"-Dokumentation "Arm trotz Arbeit" am Mittwoch, dem 25. Februar 2015, um 22.30 Uhr in ORF 2 den Ursachen und Lösungsmöglichkeiten nach. Dass nicht nur die Zahl armutsgefährdeter Menschen ständig zunimmt, sondern - der Krise zum Trotz - auch jene der Milliardäre, zeigt um 23.20 Uhr "WELTjournal +" mit der Dokumentation "Luxusleben - Alles für die Reichen".

Menschen & Mächte: "Arm trotz Arbeit"

Noch vor 20 Jahren galt Armut als Phänomen von arbeitslosen und alten Menschen. Nun ist sie in der Mitte der Gesellschaft angekommen:
Bereits eine halbe Million Menschen in Österreich gilt als "Working Poor". Diese Menschen leben an oder unter der Armutsgrenze, obwohl sie berufstätig sind. "Ich habe mich schon damit abgefunden, dass es nicht mehr besser wird", sagt Anna Femi, alleinerziehende Mutter von vier Kindern. Die Miete für ihre Wohnung ist auf 870 Euro angestiegen, dazu kommen noch Fernwärme, Strom und die Internet- und Handygebühren. Nur mit Mindestsicherung und Wohnbeihilfe kann sie die Miete bezahlen. Neben ihrem 20-Stunden-Job als Restauratorin in einem Museum und dem Familienmanagement sind laufend Anträge auszufüllen und Behördengänge zu machen. "Ich werde immer müder - und auch immer gereizter."

Bert Ehgartner porträtiert in "Arm trotz Arbeit" Menschen mit wenig Zukunftsperspektive und macht sich auf die Suche nach den Ursachen der Entwicklung. Bildung schützt nicht mehr vor Armut: Auch für Akademiker wie den Philosophen Martin Ross sind die Zeiten mager: "Es ist immer ein Glücksspiel, wie viele Lehraufträge man von den Universitäten und Fachhochschulen bekommt." Heuer bringt ihm sein Hauptberuf als Lektor gerade einmal 450 Euro ein. "Es ist eine Schande, wie sehr die Universitäten ausgehungert werden. Gespart wird dann bei uns." Der aus Serbien stammende Goran Stoikov lebt bereits in dritter Generation in Österreich. Nach dem Polytechnikum begann er zu arbeiten. Mehr als 1.000 Euro pro Monat verdiente er selten. "Früher gab es wenigstens genug schlechte Jobs", sagt er. "Heute kommen aber bereits fünf Anwärter auf einen solchen schlechten Job." Seine Frau Mara arbeitet als Putzfrau, während Goran Anzeigen um Anzeigen durchsieht. Die Ansprüche sind stets groß. Für einen Wachdienst mit Arbeitszeiten von 0 bis 24 Uhr werden Erfahrung, guter Leumund sowie perfektes Englisch in Wort und Schrift gefordert. Der Stundenlohn liegt hingegen bei 6,50 Euro.

Die fortschreitende Ausweitung der prekären Arbeitsverhältnisse mitsamt Lohndumping ergibt auch niedrigere Sozialleistungen bei Jobverlust und Pensionen. In solchen Arbeitsverhältnissen werden oft keine Beiträge bezahlt und somit keine Beitragszeiten erworben. Das perpetuiert Armut und führt zu Armut im Alter. "Viele Working Poor geben die Armut an ihre Kinder weiter", sagt Martin Schenk, der vor 20 Jahren die Armutskonferenz mit gründete. "So entsteht eine Generation Prekariat - und wir schauen zu." "Politik und Gewerkschaften haben sich auf diese neuen Verhältnisse mit der wachsenden Anzahl von Ein-Personen-Unternehmen, die häufig in eine Schein-Selbstständigkeit getrieben werden, überhaupt noch nicht eingestellt", kritisiert Professor Walter Pfeil von der Universität Salzburg. "Diese Entwicklung mit Tausenden jungen Menschen ohne Zukunftsperspektiven wird auch bei uns zur politischen Radikalisierung beitragen."

Die Doku berichtet auch über die Praxis der Leiharbeitsfirmen über Leiharbeiter aus Ungarn, die in Österreich weit unter dem KV bezahlt werden und begleitet eine Razzia der Finanzpolizei. Heute ist fast ein Viertel aller EU-Bürger armutsgefährdet - 15 Prozent der Tschechen und der Niederländer, fast 35 Prozent der griechischen Bevölkerung, und, als Negativrekord, fast 50 Prozent aller Bulgaren. Der relative Wohlstand Österreichs mit einem Spitzenplatz im EU-Ranking geht an den sozial Schwächsten vorbei. Mit 18 Prozent der Bevölkerung an oder unter der Armutsgrenze liegt Österreich hier genau im EU-Durchschnitt. Besonders hoch ist mit 40 Prozent der Anteil der Haushalte, die kein Vermögen besitzen - wo also kein Erspartes zur Verfügung steht, um in der Not auszuhelfen. "Kaputt werden darf bei mir nichts", sagt Martin Ross. "Wenn mir mein Notebook eingeht - das wäre der Kollaps."

WELTjournal +: "Luxusleben - Alles für die Reichen"

Derzeit gibt es mehr als zehn Millionen Millionäre auf der Welt - und Tag für Tag werden es mehr. In den Metropolen wie Paris, London, Hongkong, aber auch an den abgelegensten Orten sind in den vergangenen zehn Jahren immer mehr Luxushotels aus dem Boden geschossen. Mit ausgefallenem Design versucht man die betuchten Gäste anzulocken und sich von den Mitbewerbern abzuheben. Die Art wie Zimmer, Lobbys, Restaurants oder Wellness-Bereiche gestaltet sind, wird zur Visitenkarte eines Hotels. Doch die Ansprüche der reichen Klientel haben sich verändert - Luxus scheint eine neue Definition zu bekommen: Einfachheit in Perfektion, eingepackt in ein unvergleichliches Naturerlebnis.

Beide Sendungen sind nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar.

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