- 26.01.2015, 09:38:16
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Gemeinsame Erklärung anlässlich des Int. Holocaust-Gedenktages am 27. Jänner 2015
Wien (OTS) - Feindschaft gegen Juden als Menschen, Volk und Religion
ist ein altes Phänomen. Diese zunächst religiöse Judenfeindschaft war
die Grundlage des Rassenantisemitismus bis hin zum Holocaust. Die
Vereinten Nationen erklärten den 27. Jänner, den Jahrestag der
Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz im Jahr 1945, zum
Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust.
Auschwitz ist das Synonym für den Massenmord der Nazis an den Juden,
dem ersten Versuch einer technologisch organsierten Liquidierung
eines ganzen Volkes. Diesem modernen Rassenantisemitismus ging eine
religiöse Judenfeindschaft voraus. Christliche
Religionsgemeinschaften haben Judenhass (Antisemitismus) längst
thematisiert, scharf verurteilt und bereits wesentliche Schritte zur
Überwindung dieses Erbes gesetzt.
Im islamischen Raum und unter den hier wohnenden Muslimen in Europa
verzeichnet man in letzten Jahrzehnten bedauerlicherweise eine
dramatische Steigerung des Judenhasses. (Beispiel: Malmö, Paris,
Toulouse, Brüssel) Das beweisen entsprechende Umfragen (WZB-Berlin,
Amadeu-Antonio Stiftung, Bielefelder Institut für Konfliktforschung,
Grundrechtsagentur der Europäischen. Union und Deutsches Institut für
Islamfragen.
Die Menschen in Europa unabhängig von ihrer religiösen und ethnischen
Zugehörigkeit - sind gerade an diesem Internationalen Holocausttag
gefordert, sich in Solidarität gegenüber Rassismus, Fundamentalismus,
Juden- und Muslimenfeindlichkeit zusammen zu finden und zu
verhindern, dass Mitglieder ihrer Gemeinschaften selbst zu
antijüdischen oder sonstigen religionsfeindlichen oder rassistischen
Akteuren werden.
Im Sinne einer pädagogischen Aufklärung kommt den
Religionsverantwortlichen eine besondere Bedeutung zu, weil sie mit
Besinnung auf den Kern aller Religionen zum Schutz der Menschenwürde
besondere Akzente für den Frieden setzen können. Daraus ergibt sich
auch die Notwendigkeit eigene theologische Traditionen auf ihre
gegenwärtige Bedeutung hin kritisch zu hinterfragen, um sich von
menschenverachtenden und meist politisch motivierten und aus dem
historischen Kontext gerissenen theologischen Inhalten klar zu
distanzieren.
Spannungen aufgrund unterschiedlicher politischer Narrative und
Ansichten bezüglich Konflikten in anderen Teilen der Welt dürfen
nicht nach Österreich importiert werden. Ganz im Gegenteil: in
Österreich sind Akzente zu setzen, die zeigen sollen, dass Frieden
und Solidarität unter den Religionen möglich ist. Die Muslime unter
uns verwehren sich dagegen, dass Verse ihres heiligen Buches, des
Korans, dazu benutzt werden, gegen andere Religionen, wie das
Judentum oder das Christentum, zu hetzen. Vielmehr genießen das
Judentum wie auch das Christentum besondere Anerkennung im Koran.
Religiösen Antijudaismus, wie er von der Theologie des politischen
Islams mit fundamentalistischen und verfälschten
Koran-Interpretationen vertreten wird, lehnen wir ab. Insbesondere
verurteilen wir alle unmenschlichen und rassistischen Hadithe
späteren Datums, die Verleumdungen gegenüber der Lehre des Propheten
darstellen. Das Wort "Islam" im Koran hat als Wurzel das Wort
"Selam", das "Friede" bedeutet. Alle Muslime sind verpflichtet durch
ihre Taten und Handlungen das Wort "Selam" auch zu leben.
Die Juden unter uns weisen darauf hin, dass gemäß den Prinzipien der
sieben noachidischen Gesetze der Ethik (Talmud Sanh. 56)
Andersgläubige einen den Juden gleichen Anteil an der kommenden Welt
haben und wir aus diesem Grunde jegliche Missionierung ablehnen.
Angehörige anderer Religionen sind für uns gleichberechtigte Partner.
Die Österreichische Bundesverfassung zu der wir uns alle als oberster
ziviler Rechtsordnung bekennen, legt die Grundlage für ein
friedliches Zusammenleben.
Islamische Alevitische Glaubensgemeinschaft in Österreich
Israelitische Kultusgemeinde Wien - Israelitische
Religionsgesellschaft
Türkische Kulturgemeinde
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