- 12.01.2015, 09:04:33
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Alle sind Charlie, keiner ist Jude!
Wien (OTS) - OFFENER BRIEF
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Faymann,
Sehr geehrter Herr Vizekanzler Dr. Mitterlehner,
Sehr geehrte Mitglieder der Bundesregierung,
Es erfüllt die Israeltische Kultusgemeinde mit Befremden und Trauer,
dass bei der gestrigen beeindruckenden Gedenkkundgebung am
Ballhausplatz vergessen wurde das Wort "jüdische Opfer" auch nur ein
einziges Mal zu erwähnen. Dabei war die Kultusgemeinde sogar als eine
der Religionsgemeinschaften Miteinlader.
Die vier Terroropfer im jüdischen Supermarkt starben nicht wie
erwähnt "als Angehörige verschiedener Religionen, die zur falschen
Zeit am falschen Ort waren", sondern weil sie am Freitagnachmittag
für den kommenden Sabbath Einkäufe tätigten. Sie starben weil sie
Juden waren!
Nach den Anschlägen in Toulouse und Brüssel mit jeweils vier Toten
war dies der dritte Terroranschlag islamistischer Fanatiker gegen
eine jüdische Einrichtung in Europa. Die jüdische Gemeinde fragt sich
warum es so schwer erscheint, der jüdischen Menschen zu gedenken und
diese auch beim Namen zu nennen damit sie niemals vergessen werden.
Sie waren Bürger Europas, die wegen ihrer Religion hingerichtet
wurden:
Yoav Hattab, 21 Jahre, Sohn des Oberrabbiners von Tunis
Philippe Braham, ca. 40 Jahre,
Yohan Cohen, 22 Jahre,
Francois-Michel Saada, ca. 60 Jahre
ALLE SIND CHARLIE, KEINER IST JUDE!
In Frankreich erfolgten eindeutige Erklärungen der Politik und
Zivilgesellschaft. Die jüdische Gemeinde stellt sich die Frage wieso
es in Österreich bei einer so wesentlichen Veranstaltung, die wir
vollinhaltlich mit unserer Teilnahme als Veranstalter unterstützt
haben, nicht möglich ist eine klare Aussage und Solidarität der
Bundesregierung zu erhalten?
Oskar Deutsch
Präsident
Israelitische Kultusgemeinde - Israelitische Religionsgesellschaft
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