- 04.12.2014, 11:53:01
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Sima/Loupal: Seuchengefahr durch illegalen Welpenhandel
Erste Erfolge im Kampf gegen Internet-Handel, neuer Kurzfilm gegen Welpenhandel
Utl.: Erste Erfolge im Kampf gegen Internet-Handel, neuer Kurzfilm
gegen Welpenhandel =
Wien (OTS) - Wiens Tierschutzstadträtin Ulli Sima kämpft seit einem
Jahr gemeinsam mit TierschützerInnen, den Wiener AmtstierärztInnen
und der Wiener Polizei gegen den illegalen Welpenhandel, hinter dem
viel Tierleid und oft ein nahezu mafiöses System steckt.
Gerade vor Weihnachten steigt die Nachfrage nach Tieren. "Ich
appelliere an alle Tierfreundinnen und Tierfreunde, keine Tiere aus
dem Netz oder auf der Straße zu kaufen - es handelt sich oft um
kranke Tiere, die viel zu jung von der Mutter getrennt, ungeimpft und
traumatisiert über weite Distanzen importiert werden", so
Tierschutzstadträtin Ulli Sima. 7 von 10 derart "produzierten" Welpen
überleben das erste Jahr nicht.
Ein wesentlicher Aspekt ist auch die mögliche Einschleppung von
Tierseuchen durch den Welpenhandel. Prof. Gerhard Loupal vom Institut
für Pathologie und Gerichtliche Veterinärmedizin an der
Veterinärmedizinischen Universität Wien bestätigt:
"Abgesehen von den Tierschutzaspekten des illegalen Welpenhandels
darf auch die Bedeutung für die Ausbreitung von Tierseuchen nicht
vergessen werden. So sind illegal importierte Welpen oft Träger von
Hundeseuchen, die bei uns Gott sei Dank schon selten geworden sind,
wie Staupe, ansteckende Leberentzündung oder Leptospirose, eine
bakterielle Infektionskrankheit. Auch für den Menschen sehr
gefährliche Krankheiten wie z.B. die Tollwut können von solchen
Tieren übertragen werden. Deshalb ist nicht nur aus Gründen des
Tierschutzes, sondern auch aus seuchenhygienischen Überlegungen der
illegale Welpenhandel zu ächten und zu bekämpfen."
Tollwutfälle in ganz Europa - bisher kein Fall in Österreich
Eines vorweg: In Österreich gab es bislang keinen eingeschleppten
Tollwutfall. Im Jahr 2014 wurde bisher kein Import eines
tollwutkranken Tieres aus einem Drittstaat in die Europäischen Union
gemeldet, 2013 gab es jedoch mehrere Fälle, vor allem aus Nordafrika.
In der EU gab es im heurigen Jahr 20 Fälle von Tollwut bei Hunden und
Katzen. In Griechenland waren es 2 Fälle, in Spanien 3, in Polen 7
und in Rumänien 8 Fälle. Hingegen gab es im Jahr 2014 eine große
Anzahl an Tollwutfällen bei Hunden und Katzen östlich bzw. südöstlich
der Europäischen Union. So liegen Zahlen für Russland, Ukraine und
Georgien mit insgesamt 595 Fällen und der Türkei mit 323 Fällen vor.
"Diese Zahlen machen deutlich, dass die rigorosen
Bekämpfungsmaßnahmen wirken, die in der EU zur Ausrottung der Tollwut
seit mehr als einem Jahrzehnt durchführt werden", so Ruth Jily,
Leiterin der MA 60 - Veterinärdienst der Stadt Wien. Die gesetzten
Maßnahmen waren vielfältig, dazu gehörten u.a. großflächige Impfungen
der gesamten Fuchspopulation mittels präparierter Impfköder. Auch
strenge Reisebestimmungen mit Impfvorschriften für Hunde, Katzen und
Frettchen wurden EU-weit gesetzt. Diese Reisevorschriften sind nicht
nur von privaten Personen einzuhalten, sondern auch von Tierhändlern
und Tierschutzorganisationen, die sogenanntem "Auslandstierschutz"
betreiben.
Die Amtstierärzte und Amtstierärztinnen der MA 60 -
Veterinärdienste und Tierschutz sind an der Tierschutzhelpline
ständig bemüht, die Wienerinnen und Wiener über die geltenden
Reisevorschriften sowie die erforderlichen Impfungen aufzuklären. Die
MA 60 ist auch in ständigem Kontakt mit den in Wien ansässigen
Tierschutzorganisationen, welche aktiven Auslandstierschutz
betreiben. Ziel ist es, dass die veterinärrechtlichen Bestimmungen
zum Verbringen von Hunden und Katzen eingehalten werden und die
Verschleppung von Tierkrankheiten verhindert wird.
Hände weg vom Internet-Handel mit Billigwelpen - neuer
Kurzfilm zur Bewusstseinsschaffung
Neben der Seuchengefahr ist es vor allem das Tierleid, das hinter
dem illegalen Import von Tieren steckt. Im Kampf gegen den illegalen
Welpenhandel hat die Stadt Wien im letzten Jahr eine Vielzahl von
illegalen Händlern aufgedeckt und angezeigt. In Kooperation mit der
Wiener Polizei konnten durch Scheinkäufe viele illegale
Machenschaften abgestellt werden. "Der Großteil der illegalen Händler
tummelt sich im Internet und wir haben natürlich hier angesetzt und
auch hier Erfolge erzielt", so Tierschutzstadträtin Ulli Sima. Das
Feilbieten von Tieren ist für Private im Netz verboten. Hinter
Billigwelpen steckt oft ein nahezu mafiöses System, mit unfassbarem
Tierleid. Sima präsentiert in diesem Zusammenhang einen neuen
Kurz-Film, der erklärt, warum man keine Tiere aus dem Internet kaufen
soll - download auf http://youtu.be/FsK3k59Wdec
BAZAR.at als einzige Plattform gesetzeskonform
Die online-Plattform BAZAR.at verzichtet seit Mitte des Jahres
als einzige Plattform auf die privaten Tierinserate. "Ich freue mich
wirklich über diesen Schritt von bazar.at und bedanke mich für die
Kooperation im Sinne der Tiere", so Sima, die natürlich an diesem
Thema dranbleiben und die illegalen Handlungen anderer Plattformen
abstellen will.
Die Tierschutzombudstelle Wien hat im letzten Jahr eine Studie
erstellen lassen. Dabei wurden zahlreiche Onlineplattformen auf
illegale Inserate durchforstet und immer wieder Scheinkäufe
vereinbart.Nach einem Jahr gibt es nun ein update der Studie über das
Verhalten der Plattformen:
So werden von den Studienautoren seit Anfang Juni illegale
Hundewelpen-Inserate an ausgewählte Portalbetreiber gemeldet und in
mehreren Nachkontrollen wird erhoben, ob die gemeldeten Inserate
gelöscht werden oder online bleiben.
Bazar.at kooperiert als einzige Plattform vollständig, verzichtet
auf private Inserate und falls sich doch welche finden, wird umgehend
gelöscht. Als einzige Plattform klärt Bazar.at auf der Eingabemaske
für Inserate darüber auf, dass private Tierinserate dem
Tierschutzgesetz widersprechen.
Stark verbessert hat sich auch die Löschaktivität bei bazos.at.
Bei willhaben.at und tiere.at ist kein System erkennbar. Mal werden
gemeldete Inserate gelöscht, mal nicht. Löschungen treten mitunter
gehäuft an einzelnen Tagen auf. Bei tieranzeigen.at ist nun erstmals
eine Verbesserung der Reaktion auf die Meldungen festzustellen, die
Löschquote ist nun vergleichbar mit jener von tiere.at und
willhaben.at.
Bei Tiere.at scheint es zumindest Filter gegen Betrugsinserate zu
geben. Auf Bazos.at, Kijiji.at und Tierzanzeigen.at ist hingegen eine
Häufung an unseriösen Inseraten zu finden.
Generell ist festzustellen, dass es eine abnehmende Tendenz bei
Welpeninseraten auf den Plattformen bazos, willhaben, tieranzeigen in
den letzten Monaten gegeben hat.
Aufgrund der öffentlichen Debatte und der vielen Anzeigen ist die
Zahl der Welpeninserate von Mitte Juni bis Anfang November auf 3 von
4 auswertbaren Plattformen zurückgegangen: bei willhaben.at um 48 %,
bei tieranzeigen.at um 42 % und bei tiere.at um 30 %. Nur bei
bazos.at zeigt die Zahl der Welpeninserate keine abnehmende Tendenz.
Scheinkäufer decken auf - zahlreiche Anzeigen und Abnahmen
Im Zuge der Studie wurden übers Jahr zahlreiche Scheinkäufe
getätigt und so illegale Machenschaften angezeigt. "Die Welpenhändler
werden indes immer vorsichtiger, sie wechseln oft die Verkaufsorte,
um einer Anzeige zu entgehen", so Sima, die auch künftig mit aller
Härte gegen den illegalen Tierhandel vorgehen will.
Abschließend appelliert sie an alle, zu Weihnachten keine Tiere zu
schenken: "Tiere sind kein Geschenk, sondern Freunde fürs Leben. Eine
Anschaffung muss wohl überlegt sein.", so Sima. Ab März 2015 warten
übrigens im neuen TierQuarTier Wien herrenlose Tiere auf ein neues Zu
Hause bei Tierliebhaberinnen und Tierliebhabern.
rk-Fotoservice: www.wien.gv.at/pressebilder
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