- 25.11.2014, 11:27:11
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200 und 20 - Die Bibliothek des Jüdischen Museums
Von 26. November 2014 bis 7. April 2015 im Extrazimmer in der Dorotheergasse
Utl.: Von 26. November 2014 bis 7. April 2015 im Extrazimmer in der
Dorotheergasse =
Wien (OTS) - Anlässlich des 20-Jahr-Jubiläums der Bibliothek des
Jüdischen Museums - ein Museum der Wien Holding - zeigt das Museum
herausragende Raritäten, die sonst aus konservatorischen Gründen
nicht ausgestellt werden können. Die Bibliothek wurde am 24. November
1994 in der Seitenstettengasse 4 feierlich eröffnet. Der Bestand der
Bibliothek setzte sich aus den Resten des Altbestandes der
Gemeindebibliothek der Israelitischen Kultusgemeinde und den
Sammlungen des Museums (Sammlung Schlaff, Sammlung Stern, Sammlung
Burg, diversen Buchspenden, Neuankäufe des Museums, Legat Trude
Berger) zusammen. Zahlreiche Werke hatten die Zeit des
Nationalsozialismus nicht überstanden. Die ehemalige
Gemeindebibliothek der Israelitischen Kultusgemeinde begann 1947 mit
dem Wiederaufbau, konnte jedoch nicht an die umfangreichen Bestände
vor der NS-Herrschaft anknüpfen. 1992 wurden alle Bestände der
Kultusgemeinde inklusive deren Neuankäufe aus den 60er- und
70er-Jahren als Dauerleihgabe an das Museum überantwortet. Ab Jänner
1994 wurde der komplette Bestand neu gesichtet, sortiert und
geordnet. Die Bibliothek des Jüdischen Museums nahm bei der
elektronischen Katalogisierung der Bestände eine Vorreiterrolle ein.
Ab 2003 wurde der Buchbestand auf bedenkliche Provenienz durchforstet
und eine eigene Datenbank dafür angelegt. Heute umfasst die
Bibliothek etwas mehr als 45.000 Bücher und Zeitschriften und ist
damit die größte Fachbibliothek zum Thema Judentum in Österreich.
Herausragende bibliophile Raritäten
Die Schau im Extrazimmer des Museums in der Dorotheergasse gibt
Einblicke in den bedeutenden Buchbestand der Bibliothek des Jüdischen
Museums Wien, deren Raritäten-Sammlung mehr als 200 Bücher enthält.
Neben einer Reihe von wertvollen Erstdrucken, wie das für die
Kabbalah wichtige "Sefer yetsirah" (Mantua 1562) werden auch
prachtvoll illustrierte Ausgaben aus der Sammlung präsentiert. Ein
herausragendes Beispiel der Rara-Sammlung des Museums ist auch die
erste "Rabbinerbibel" aus der venezianischen Druckerpresse Daniel
Bombergs (gest. 1549 o. 1553).
Zur Entstehung der Bibliothek
Der hebräische Buchdruck war in Wien erst relativ spät zugelassen
und durch ein 1789 erlassenes Hofdekret von Joseph II. auch nur
christlichen Buchdruckern gestattet. Jüdischen Buchdruckern blieb
diese Tätigkeit trotz des Toleranzpatents von 1782 nach wie vor
verwehrt. Die Anfänge des hebräischen Buchdrucks waren in Wien vor
allem von zwei Druckern geprägt: Josef Lorenz Edler von Kurzböck und
Joseph Hraschanzky. Nach dem Tod Kurzböcks 1792 übernahm Anton Edler
von Schmid (1765 - 1855) dessen Tätigkeiten. Er hatte bei Kurzböck
gelernt und außerdem die hebräischen Lettern von Kurzböcks Witwe
gekauft, die von besonderer Schönheit waren. Schmid wurde innerhalb
weniger Jahre zum Inbegriff des hebräischen Buchdrucks in
Mitteleuropa und bemühte sich auch um den Druck weiterer Bücher in
anderen Sprachen, vor allem arabischer, persischer und syrischer
Werke. Vor 200 Jahren beschloss Anton Schmid schließlich als Zeichen
des "innigsten Dankes und der größten Hochachtung für die ganze
israelitische Nation" der jüdischen Gemeinde 133 Bände von bei ihm
gedruckten hebräischen Büchern zu überreichen. Mit seiner Schenkung
nahm 1814 die Geschichte einer der ältesten jüdischen
Gemeindebibliotheken ihren Lauf.
Die prachtvoll in Leder gebundenen und mit Goldschnitt versehenen
Bücher bildeten später die Basis für die Schulbibliothek der
Religionsschule der jüdischen Gemeinde. Diese wurde zur besseren
Bildung der jüdischen Jugend und damit zur Umsetzung einer der
zentralen Forderungen des Toleranzpatents Anfang des 19. Jahrhunderts
eingerichtet. Die Schulbibliothek wurde über die Jahre systematisch
erweitert und schließlich eine eigenständige, von der Schule
unabhängige Gemeindebibliothek. Diese war lange Zeit ein Zentrum
jüdischer Gelehrsamkeit und existierte bis zur Schließung durch die
Nationalsozialisten 1938 an wechselnden Standorten.
Kurator: Domagoj Akrap
Zur Ausstellung erscheint ein gleichnamiger Katalog (ISBN
978-3-901398-77-3) und ist zum Preis von 18 Euro im Bookshop Singer
im Museum und im Buchhandel erhältlich.
Öffnungszeiten und Tickets
Die Öffnungszeiten in der Dorotheergasse sind Sonntag bis Freitag
10 bis 18 Uhr. Am Standort Judenplatz sind die Öffnungszeiten Sonntag
bis Donnerstag 10 bis 18 Uhr, Freitag 10 bis 14 Uhr. Für beide Museen
gibt es ein gemeinsames Ticket (gültig vier Tage ab
Ausstellungsdatum) zum Preis von Euro 10, ermäßigt 8 Euro, Gruppen 7
Euro, Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr frei,
StudentInnen (bis 27 Jahre), Zivil- und Präsenzdiener 5 Euro,
Schulklassen haben nach wie vor freien Eintritt, für die
Schülerführung ist ein Kostenbeitrag von 20 Euro zu leisten. Kosten
Audioguide Museum Judenplatz 2 Euro, Multimedia-Guide Museum
Dorotheergasse 4 Euro. Weitere Informationen und Ermäßigungen unter
www.jmw.at oder unter info@jmw.at.
Foto- und Pressematerial zu den aktuellen Ausstellungen finden Sie
auf der Homepage des
Medienbüros unter: www.stalzerundpartner.com unter Service/Downloads.
Einblick in die laufenden Ausstellungen und Veranstaltungen erhalten
Sie über VIMEO unter
http://vimeo.com/jewishmuseumvienna oder auf Flickr unter
http://www.flickr.com/photos/jewish_museum_vienna.
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