"Geh auf den Strich, das lohnt sich in deinem Alter"

In der Jugendarbeit tätiger Pfarrer twittert auf anonymem Account homosexuelle Neigungen

Wien, (OTS) - Pater P. aus NÖ hat seltsame Vorlieben. Neben intensivem Bierkonsum am Oktoberfest pflegt er zwei Twitteraccounts:
Auf jenem der Pfarrgemeinde postet er Belange der Pfarrgemeinde, auf dem anderen (zwischenzeitlich gelöscht) geht er seinen privaten Neigungen nach. Diese erscheinen bedenklich, geht es doch bei den krassesten Tweets um "Stricherdienste": einem offensichtlichen jugendlichen Burschen empfiehlt er, als Stricherjunge zu arbeiten. Gerne reimt er auch: "Mark, der treibt`s im Park" und viele weitere zweideutige Tweets, meist an junge Burschen mit homosexueller Neigung gerichtet. Auch das Foto eines Buben mit nacktem Oberkörper und umgehängtem Kreuz postet Pater P. ungeniert. Nun hat sich ein besorgter Vater aus der betroffenen Gemeinde an die Plattform "Betroffene Kirchlicher Gewalt" gewandt, "denn wir haben in unserer Gemeinde sehr viele Ministranten und auch meine Kinder kommen einmal in dieses Alter".

Zuvor war Pater P. Religionslehrer in einer niederösterreichischen Volksschule. Er ist vor allem in der Kinder- und Jugendarbeit tätig. Über sich selbst postet der Göttweiger Benediktiner und Absolvent des St. Pöltner Priesterseminars auch schon mal: "Fohlen mit Schlappschwanz. Kann nicht mehr" und stellt seinen jugendlichen Tweetpartnern schlüpfrige Fragen: "wenn du schwul wärst, mit wem dann?".

Kirche lässt in der Jugendarbeit jede Sorgfaltspflicht vermissen

"Wir vermuten hier jedenfalls den Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses", erklärt Sepp Rothwangl von der Plattform Betroffener Kirchlicher Gewalt. "Nach all den Missbrauchsskandalen ist es unfassbar, dass die Kirche ganz offensichtlich keinerlei Sorgfalt bei der Auswahl jener Geistlichen, die mit Kindern arbeiten, walten lässt." Der Staat dürfe nicht länger akzeptieren, dass die Kirche in den Schulen derart veranlagte Religionslehrer zulässt. "Allein schon die im Twitter Account zelebrierte Verherrlichung der Trinkgelage (Tweet: "knackevoll durch die Nacht") am Oktoberfest ist für einen Religionslehrer inakzeptabel", bekräftigt Rothwangl. Auch der zuständige Bischof Küng sei informiert worden "bis jetzt wurden jedoch keine nennenswerten Maßnahmen getroffen" so Rothwangl. Die Plattform Betroffener Kirchlicher Gewalt fordert aus aktuellem Anlass, dass der Kirche die personelle Entscheidungsmacht über die Religionslehrer aberkannt werden müsse. Wichtig wären auch unabhängige psychologische Eignungstests aller Kinder- und Jungendseelsorger. Außerdem bedankt sich Rothwangl bei jenen couragierten BürgerInnen, die sich an die Plattform wandten. "Nur durch hinschauen und ansprechen kann verhindert werden, dass die Kirche Missbrauch as usual vertuscht", schließt Rothwangl.

Weitere Infos: www.betroffen.at

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