• 04.07.2014, 09:07:06
  • /
  • OTS0017 OTW0017

Kinderbetreuungsplätze: Endlich Einigung auf Ausbau Sommer-Schließzeiten stellen viele Eltern vor Probleme

Linz (OTS) - Der öffentliche Druck der Arbeiterkammer hat gewirkt:
Die Bundesregierung hat sich mit den Ländern auf eine Vereinbarung
zum weiteren Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen geeinigt. Das
ist gerade für Oberösterreich wichtig, denn unser Bundesland hat
massiven Aufholbedarf bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Allerdings hat der Vertrag einige Mängel, kritisiert AK-Präsident Dr.
Johann Kalliauer: "Das ist nicht unbedingt das Gelbe vom Ei. Zum
Beispiel wurde von der geplanten Investitionssumme des Bundes von 400
Millionen Euro fast ein Viertel gestrichen."

Nach wie vor sind Beruf und Familie für zahlreiche Eltern nicht
vereinbar. Beinahe täglich melden sich Betroffene in der AK, um auf
diesen untragbaren Zustand hinzuweisen: Die Arbeitszeiten passen oft
nicht mit den Öffnungszeiten der Kinderbetreuungseinrichtungen
zusammen, in jeder vierten Gemeinde wird kein warmes Mittagessen
angeboten, oft stimmen Öffnungs- und Schließzeiten der
Kinderbetreuungseinrichtungen nicht mit den Fahrplänen von
öffentlichen Verkehrsmitteln (auf die viele Frauen angewiesen sind)
zusammen. Im Sommer verstärkt sich das Betreuungsdilemma vieler
Eltern wegen der viel zu langen Schließzeiten noch weiter.

Diese Situation und dringenden Handlungsbedarf bestätigt jetzt
auch eine Sonderauswertung der Statistik Austria im Auftrag der AK
Wien: In Oberösterreich gibt es viel zu wenig Plätze für die
Unter-Dreijährigen und auch bei den Drei- bis Sechsjährigen gibt es
dringenden Handlungsbedarf. Alarmierend: Nur schwache 15,8 Prozent
der Betreuungsplätze bei den Drei- bis Sechs-Jährigen entsprechen dem
"Indikator für Vereinbarkeit von Beruf und Familie" (VIF-Indikator =
mindestens 45 Stunden wöchentlich geöffnet, davon an vier Tagen 9,5
Stunden; Mittagessen; maximal fünf Wochen im Jahr geschlossen). Damit
rangiert Oberösterreich im Bundesländervergleich an unrühmlicher
vorletzter Stelle.

Noch dramatischer ist die Situation bei den Unter-Dreijährigen:
Hier sind es gar nur 3,3 (!) Prozent der Betreuungsplätze, die den
VIF-Indikator erfüllen. Damit hat Oberösterreich im Vergleich die
rote Laterne und den schmählichen letzten Platz.

Die Bundesregierung hat sich nun mit den Ländern auf einen
weiteren Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen geeinigt.
Österreichweit sollen bis 2018 rund 25.000 zusätzliche
Betreuungsplätze eingerichtet werden.

Ursprünglich wären 400 Millionen Euro Bundesmittel für
Investitionen vorgesehen gewesen. "Leider sind jetzt nur 305
Millionen Euro übrig geblieben", bemängelt AK-Präsident Dr. Johann
Kalliauer. Dazu kommt, dass der Kofinanzierungsanteil der Länder
jedes Jahr sinkt - von 50 Prozent im Jahr 2014 auf 35 Prozent im Jahr
2017.

Kein gutes Haar lässt die AK auch am Aufteilungsschlüssel: 40
Prozent der Mittel sollen in die Tageseltern-Struktur fließen, 35
Prozent in die Betreuungseinrichtungen für Drei- bis Sechsjährige und
lediglich 25 Prozent in Betreuungseinrichtungen für
Unter-Dreijährige.
Das ist doppelt zu kritisieren: Der Hauptteil fließt zu Tageseltern,
obwohl institutionelle Betreuung qualitativ wesentlich besser ist,
weil in Kindergärten zum Beispiel auch Sprache und Sonderbedarfe
gefördert werden. Außerdem besteht gerade bei der Betreuung der
Unter-Dreijährigen der größte Handlungsbedarf, dieser Bereich hat
aber nur den geringsten Anteil am "Förderkuchen".

Ein weiterer Kritikpunkt: Die Mindestöffnungszeiten wurden bei den
Förderbedingungen für institutionelle Kinderbetreuungseinrichtungen
von 47 auf 45 Wochen pro Jahr zurückgeschraubt. Das heißt: Sieben
Wochen keine (institutionelle) Betreuung. "Die Schließzeiten dürfen
den gesetzlichen Urlaubsanspruch der Eltern nicht unterschreiten",
fordert der
AK-Präsident.

Begleitende Maßnahmen verlangt die AK auch bei den
Qualitätskriterien und den Mindeststandards der Betreuungsplätze. Es
darf nicht nur um Quoten und Plätze gehen, sondern es muss auch einen
Qualitätsschub geben. "Was haben Eltern davon, wenn sie zwar einen
Kindergartenplatz bekommen, aber für das Kind kein Mittagessen
angeboten wird? Oder wenn die Krabbelstube um 14 Uhr schließt, die
Eltern aber bis 16 Uhr arbeiten müssen?", fragt Kalliauer.

Es braucht daher einen Stufenplan für die Vereinheitlichung der
Mindeststandards (z.B. Gruppengröße, Betreuungsschlüssel,
Vorbereitungszeiten) für ganz Österreich und bundesweit gültige
Höchstgrenzen für Elternbeiträge. Sichergestellt werden müssen auch
ausreichende Mittel für die Ausbildung des Personals. Außerdem
verlangt die AK, dass die geplante Evaluierung sich nicht nur auf
quantitative Kriterien, sondern auch Qualitätskriterien bezieht.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | AKO

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel