- 27.06.2014, 11:03:35
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Leeramt: Massive Verschlechterungen für zukünftige Lehramtsstudierende
Senat der Uni Wien beschließt neue Lehramtsstudienpläne. ÖH Uni Wien kritisiert: Weniger fachwissenschaftliche Ausbildung, Aufnahmeverfahren und offene Fragen bleiben über.
Utl.: Senat der Uni Wien beschließt neue Lehramtsstudienpläne.
ÖH Uni Wien kritisiert: Weniger fachwissenschaftliche
Ausbildung, Aufnahmeverfahren und offene Fragen bleiben über. =
Wien (OTS) - Am Donnerstag wurden vom Senat der Universität Wien die
neuen Studienpläne für Lehramtstudierende beschlossen. Ab dem
nächsten Wintersemester können zukünftige Lehrer_innen nur mehr im
Bachelor/Master ihr Lehramtsstudium absolvieren.
Bereits die gesetzliche Grundlage zur Ausgestaltungen der neuen
Lehramtsstudienpläne wurde viel kritisiert. Die zukünftigen
Lehramtsstudien wurden gerade im Bereich der
fachlich-wissenschaftlichen Ausbildung massiv zusammengekürzt:
zukünftige Mathematiklehrer_innen beispielsweise werden nicht länger
als ca. zwei Semester überhaupt im Bereich "Mathematik" studieren.
"Um schneller Absolvent_innen produzieren zu können wurde die
wissenschaftliche Ausbildung auf ein Minimum reduziert" so Lucia
Grabetz vom Vorsitzteam der ÖH Uni Wien. "Dass der fachlichen
Ausbildung zukünftiger Lehrer_innen laut Gesetzesentwurf so wenig
Relevanz zukommt, zeugt auch von der geringen Anerkennung für
Lehrer_innen in Österreich - Das Lehramt wird zum Leeramt", so
Grabetz weiter.
Doch auch die Umsetzung seitens der Universität Wien weist schwere
Mängel auf. Immer wieder hat die ÖH an der Uni Wien die unmöglichen
Rahmenbedingungen, die von Rektorat und Senat der Universität Wien
diktiert wurden, kritisiert: Die Arbeitsgruppen zur Erarbeitung der
verschiedenen Studienpläne hatten durchschnittlich weniger als ein
halbes Jahr Zeit, gesamte Curricula neu zu entwickeln. Unter diesem
von der Uni Wien erzeugten Zeitdruck blieb weder Zeit für
umfangreiche Diskussionen noch Reflexionen über die zukünftigen
Lehramtsstudienpläne. "Scheinbar war die Einhaltung selbst gegebener
Zeitpläne an der Uni Wien wichtiger als eine fundierte
Auseinandersetzung mit den Notwendigkeiten und Anforderungen an
zukünftige Lehrer_innen" erklärt Stephanie Mihelic, Zuständige der ÖH
Uni Wien für den Lehramtsbereich.
Gerade die Einführung der vom Rektorat lange verschwiegenen
Aufnahmeverfahren, nach denen sich zukünftige Studieninteressierte
einem fünffach gestaffelten Aufnahmeprozedere unterziehen müssen,
stellen massive Einschnitte dar. Von der Online-Voranmeldung zum
Online-Self-Assessment-Test über die Aufnahmeprüfung zu einem
eventuellen Interviewtermin bis hin zur Studieneingangphase im ersten
Semester: Studierende werden von Seiten des Rektorats mit verfrühten
Fristen und Prüfverfahren schlicht vom Studium abgehalten. "Die vom
Rektorat gelobte Regelung, dass niemandem aktiv das Studium
verweigert werde, gilt darüber hinaus nur für die nächsten drei Jahre
- danach ist mit verschärften Zugangsbeschränkungen im Lehramt zu
rechnen", warnt Mihelic.
Während des Erarbeitungsprozesses wurden außerdem die Wünsche,
Bedürfnisse und konstruktiven Anregungen der Studierenden auf allen
Ebenen weitestgehend übergangen. "Unsere Bemühungen die Expertise der
Studierenden mit einzubringen wurden ignoriert: Ein
Forderungskatalog, der auf einer Vollversammlung für alle
(Lehramt-)studierenden erstellt wurde, fand weder im Rektorat noch im
Senat Berücksichtigung", bemängeln Cathy Schneider und Stephanie
Marx vom Vorsitzteam.
Weitere Randbestimmungen in Bezug auf die neuen Lehrpläne sind noch
immer ungewiss: Bis dato ist noch unklar bis zu welchem Zeitpunkt
Studierende, die momentan noch im Diplomstudium studieren, ihr
Studium beenden können. Außerdem ist offen, ob Studierenden, die nur
die Kombination ihrer Unterrichtsfächer ändern wollen dies überhaupt
können: Da dies bedeuten würde, ein neues Studium inskribieren zu
müssen, müssen die Studierenden damit rechnen, in den Bachelor oder
Master überführt zu werden - wobei unklar ist, wieviel ihrer bereits
absolvierte Leistungen sie sich in dergestalt veränderten
Studienplänen überhaupt anrechnen können. "Eine große Zahl an
Studierenden könnte hier am Fortschritt oder gar Abschluss ihres
Studiums gehindert werden" befürchtet das Vorsitzteam der ÖH Uni
Wien. "Eine Regelung, entsprechend der Universität Salzburg, laut der
Studierende einmal die Kombination ihrer Unterrichtsfächer wechseln
können ohne in den Bachelor/Master überführt zu werden, ist hier
unabdingbar".
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