- 23.06.2014, 14:08:40
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"Leise - aber gefährlich" zur (Un-)Hörbarkeit von Elektro- und Hybridfahrzeugen: Tagung an der WU Wien
Politik muss handeln: Minimierung des Verkehrslärms darf nicht auf Kosten der Verkehrssicherheit gehen
Utl.: Politik muss handeln: Minimierung des Verkehrslärms darf nicht
auf Kosten der Verkehrssicherheit gehen =
Wien (OTS) - Nahezu geräuschlose Elektro- und Hybridfahrzeuge tragen
wesentlich zur Reduktion des Verkehrslärms bei. Das fehlende
Motorengeräusch birgt jedoch ein Gefahrenpotenzial, das durch
akustische Warnsysteme (AVAS - Acoustic Vehicle Alerting System)
minimiert werden soll. Eine EU-Verordnung sieht einen
verpflichtenden Einbau von AVAS jedoch erst ab 2021 und nur für neu
zugelassene Fahrzeuge vor. Das System soll bis zu einem Tempo von 20
km/h aktiv sein und muss vom Fahrer jederzeit abgeschaltet werden
können. Als Beitrag zur aktuellen Diskussion über die Umsetzung von
AVAS fand auf Einladung des Instituts für Transportwirtschaft und
Logistik der WU und des KMS, Komitee für Mobilität
sehbeeinträchtigter Menschen Österreichs, am 18. Juni 2014 eine
Vortragsveranstaltung am neuen Campus der WU in Wien statt.
Besonders gefährdet: blinde und sehbehinderte Menschen
Eine besondere Gefahr stellen Elektro- und Hybridfahrzeuge für
blinde und sehbehinderte Menschen in Österreich dar. Für Dr. Elmar
Fürst von der WU Wien und derzeitiger Vorsitzender des KMS ist die
Wichtigkeit von AVAS evident: "Der verpflichtende Einbau von AVAS in
Elektro- und Hybridfahrzeuge ist für viele Menschen lebensnotwendig,
da sie sonst keine Möglichkeit haben, ein solches Fahrzeug
wahrzunehmen. Wissenschaftliche Studien werden die optimale Art und
Lautstärke des Geräuschs, sowie die Geschwindigkeit bis zu der es
notwendig ist, festlegen. Jedoch gibt es hier immer wieder
Missverständnisse, da es sich weder um einen Piepston noch um eine
andere, zusätzliche Lärmbelästigung handeln wird. Die Politik ist
jetzt in der Pflicht zu handeln, bevor es die ersten Opfer zu
beklagen gibt." Fürst ist auch im Vorstand der Hilfsgemeinschaft der
Blinden und Sehschwachen Österreichs tätig und daher mit der
Dringlichkeit einer raschen Lösung bestens vertraut.
Dr. Markus Wolf, Präsident des Blinden- und
Sehbehindertenverbandes Österreichs nahm die Politik ebenfalls in
die Pflicht: "Auch die UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit
Behinderung fordert die Förderung von selbstständiger Mobilität.
Dafür brauchen wir jetzt schon ausnahmslos hörbare Fahrzeuge, nicht
erst in einigen Jahren und nicht nur in manchen Situationen. Ein
verpflichtendes AVAS ist keine Kostenfrage und keine Frage der
technischen Machbarkeit. Es ist eine politische Frage, die
unverzüglich umgesetzt gehört."
Über Normen und Vorschriften in Deutschland referierte Gerhard
Renzel vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband. Er wies auf
Statistiken hin, die belegen, dass die Unfallhäufigkeit zweimal so
hoch wie bei Autos mit Verbrennungsmotoren sei. Renzel sieht vor
allem den Verkehrsmix aus derzeit noch üblichen Autos mit
Verbrennungsmotoren, deren Geräusch "gelernt" und damit gut erkennbar
ist, und den leisen Elektro- oder Hybridfahrzeugen, als besonders
gefährlich an.
Marco Conter vom Austrian Institute of Technology stellte das
EU-Projekt eVADER vor.Den Standpunkt des Bundesministeriums für
Verkehr, Innovation und Technologie vertrat Dr. Daphne Frankl-Templ,
Koordinatorin für Elektromobilität und IP-Strategie im bmvit.
Sie ist sich der Problematik bewusst und wird dieses wichtige Thema
im Ministerium vertreten. Ob es sehenden Verkehrsteilnehmern zumutbar
wäre, wenn Fahrzeuge ab einem bestimmten Tempo für sie unsichtbar
werden, war eine berechtigte Frage bei der abschließenden Diskussion.
Ing. Thomas Stottan, Geschäftsführer von AUDIO MOBIL, seit 25 Jahren
Zulieferer der Automobilindustrie, brachte auch die Sicht der
Autoausrüster in die lebhafte Diskussion ein.
Die Vortragsveranstaltung "Leise - aber gefährlich" fand in
Kooperation mit dem KMS - Komitee für Mobilität sehbeeinträchtigter
Menschen Österreichs statt, eine vereinsübergreifende
Arbeitsgemeinschaft von Blickkontakt - Interessensvertretung
sehender, sehbehinderter und blinder Menschen, Blinden- und
Sehbehindertenverband Österreich, Hilfsgemeinschaft der Blinden und
Sehschwachen Österreichs und Österreichische Blindenwohlfahrt.
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