• 17.06.2014, 17:11:40
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Türkische Predigerschule soll in Wien aufsperren

Aufreger vor dem Erdogan-Besuch in Wien: Die Pläne, eine vom türkischen Staat initiierte Imam-Schule in Österreich aufzusperren, sorgen für Unmut.

Utl.: Aufreger vor dem Erdogan-Besuch in Wien: Die Pläne, eine vom
türkischen Staat initiierte Imam-Schule in Österreich
aufzusperren, sorgen für Unmut. =

Wien (OTS/SN) - Im Außen- und Integrationsministerium schrillen
unmittelbar vor dem Besuch des türkischen Premiers Erdogan in Wien
die Alarmglocken, wie die SN in ihrer morgigen Ausgabe berichten: Die
Islamische Föderation, die zweitgrößte türkisch-muslimische
Vereinigung in Österreich, will eine Prediger- und Imamschule in Wien
errichten, in der auf Türkisch unterrichtet werden soll. Initiiert
wurde das Projekt vom türkischen Religionsamt. "Das ist der völlig
falsche Weg", sagte Minister Sebastian Kurz (ÖVP). Er setzt sich
schon seit langem für eine Imamausbildung in Östereich ein - aber an
den öffentlichen Unis und in deutscher Sprache.
In Wien wird am Donnerstag Ausnahmezustand herrschen. Erdogan wird
seine Rede in einer für rund 7200 Personen zugelassenen Halle in
Kagran halten, weitere 10.000 Anhänger können via Videowall vor der
Halle life dabei sein. Angekündigt sind auch zwei
Gegendemonstrationen, deren Veranstalter mit rund 1100 Teilnehmern
rechnen. Die Regierung hofft, dass auch der Appell von Außenminister
Kurz bei Erdogan angekommen ist und er sich bei seiner Rede einer
sensiblen Wortwahl bedient. Landwirtschaftsminister Andrä
Rupprechter hat die größten Zweifel: "Er bringt den Wahlkampf nach
Österreich - ein Krawallmacher."

Die Nachricht mit Sprengkraft versteckt sich in einem Bericht des
Religionsamtes der Türkei aus dem vergangenen Jahr: Auf Seite 49
steht, dass im Ausland drei türkische Priester- und Predigerschulen
errichtet werden sollen. Eine in Straßburg (Frankreich), eine in New
Jersey (USA) und eine in Wien. Kurz vor dem Besuch des türkischen
Premiers Tayyip Erdogan in Wien erfuhren die SN, dass die Pläne für
die Schule schon sehr weit gediehen sind - laut dem Sprecher der
Islamischen Föderation sollte die Schule diesen Herbst eröffnet
werden, wäre es beim Bau nicht zu Verzögerungen gekommen.
Im Integrationsministerium schrillen die Alarmglocken. Denn bei der
geplanten Schule handelt es sich um ein Gymnasium, in dem auf
Türkisch unterrichtet werden soll. Deutsch würde als Fremdsprache
angeboten. Integrationsminister Sebastian Kurz: "Das ist der völlig
falsche Weg." Motto der österreichischen Politik ist eine
Imam-Ausbildung, die österreichisch, öffentlich und transparent ist.
Geplant wird von der Islamischen Föderation das Gegenteil: türkisch
und als Privatschule angelegt.
Die "Imam Hatip"-Schulen sind Berufsfachgymnasien des türkischen
Staates für die Ausbildung zum Imam (Vorbeter) und islamischen
Prediger. "Der Grundgedanke ist, dass wir Imame auch in Österreich

ausbilden und dadurch bessere Imame bekommen", sagt Yakup Gecgel,
Sprecher der Islamischen Föderation. Sie versammelt    die  Vereine
der türkisch-nationalistischen Milli-Görüs-Bewegung  Österreichs
unter einem Dach.

In Wien Simmerung wird bereits an einem Bildungszentrum gebaut, das
auch die künftige "Imam Hatip"-Schule beherbergen soll. Geplant ist,
dass rund 80 Schüler unterrichtet werden, sagt Gecgel. Und gibt
sich sehr optimistisch, dass der Schulbetrieb bald starten könne.
Geht es nach Minister Kurz, wird daraus nichts: Er möchte umgehend
Kontakt mit den Fachministern Heinisch-Hosek (Bildung) und Ostermayer
(Religion) aufnehmen.
Laut Gecgel würde nach internationalem System unterrichtet: So wie im
Lycée Francais nach französischen System auf Französisch
unterrichtet werde, würde in der "Imam Hatip"-Schule nach türkischem
System auf Türkisch unterrichtet. Ihre Zeugnisse würden die Schüler
- Buben und Mädchen - von der türkischen Schulbehörde bekommen.
Dazu müsste Österreich freilich einen entsprechenden Vertrag mit der
Türkei abschließen.
Die der türkischen Regierungspartei AKP nahe stehende Zeitung Yeni
Hareket berichtete auf Facebook schon am 7. Juni (der Eintrag wurde
unterdessen wieder gelöscht), dass sich der Kölner
Milli-Görüs-Vorstand bei Erdogan für die Unterstützung zum Bau der
Imam- und Priesterschule in Wien bedankt.
Gerüchte, dass Erdogans AKP viel Geld für die Privatschule in Wien
zur Verfügung stelle, dementiert Gecgel. "Die Finanzierung der Schule
soll über den Verein erfolgen. Die Schüler werden auch ein Schulgeld
zahlen müssen", sagt er.
Für Aufregung sorgt auch ein zweiter Umstand: Die Islamische
Föderation koordiniert die Vereine der Milli-Görüs-Bewegung in
Österreich, die wegen türkisch-nationalistischen Tendenzen
umstritten ist. In Deutschland etwa stand die Bewegung wegen
"antidemokratischen Staatsverständnisses" unter Beobachtung des
Verfassungsschutzes. "In Deutschland könnte so eine Schule, wie sie
nun in Wien eröffnen soll, auch niemals errichtet werden", sagt ein
fundierter Islamkenner im SN-Gespräch.
Politisch gibt es schon länger Bestrebungen, Imame in Österreich
auszubilden. Derzeit werden sie von den Herkunftsländern entsandt.
Allerdings sollen sie an der Universität Wien auf Deutsch ausgebildet
werden - eine private "Imam Hatip"-Schule in Wien würde diese Pläne
konterkarieren.
Federführend hinter der Idee, Imame an den heimischen Unis
auszubilden, ist Ednan Aslan, Professor für islamische
Religionspädagogik an der Uni Wien. Er gehört auch zu jenen, die
den Auftritt Erdogans in Wien massiv kritisiert. Erdogans AKP
versuche, Auslandskolonien über linientreue Organisationen zu
errichten, betont Aslan immer wieder.

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