• 24.04.2014, 11:16:06
  • /
  • OTS0116 OTW0116

Ethik und Impfen - Bioethikkommission eröffnet grundsätzliche Debatte

Diskussion über die Impfplicht versus individuelle Freiheitsrechte und Impfen als solidarisches Handeln im Bundeskanzleramt

Utl.: Diskussion über die Impfplicht versus individuelle
Freiheitsrechte und Impfen als solidarisches Handeln im
Bundeskanzleramt =

Wien (OTS) - "Diese Diskussion über die Ethik des Impfens ist im
deutschsprachigen Raum bis dato noch nicht geführt worden. Umso
dringender ist es, sich angesichts rückläufiger Durchimpfungsraten
damit zu befassen. Die heutige Veranstaltung soll dafür der Auftakt
sein", eröffnete Christiane Druml, die Vorsitzende der
Bioethik-Kommission die Tagung "Ethik und Impfen" im
Bundeskanzleramt.

Die Keynotes hielt Urban Wiesing, Vorstand des Institutes für Ethik
und Geschichte der Medizin der Universität Tübingen, im Anschluss
diskutierten mit ihm Primaria Ursula Köller, Leiterin des Institutes
für Labormedizin und Infektionsdiagnostik am Rosenhügel und Mitglied
der Bioethikkommission, Primarius Karl Zwiauer, Facharzt für Kinder
und Jugendheilkunde und Mitglied im nationalen Impfgremium, Kinder-
und Schulärztin Elisabeth Frank und Bernhard Propper, Vater eines an
den Folgen der Masern verstorbenen Jugendlichen.

Gesundheitsminister Alois Stöger bekräftige in seiner Begrüßung die
Bedeutung dieser Diskussion: "Die Politik muss sicherstellen, dass
diese Debatte geführt wird. Nicht zuletzt, um die optimale
Gesundheitsversorgung zu gewährleisten. In der modernen
Industriegesellschaft hat das Impfen schon viel Schutz gebracht. Wir
sind froh, dass wir Impfungen kostenlos anbieten können. Wir haben
aber auch Verantwortung für jene Personen, die nur erschwert Zugang
zu medizinischer Vorsorge finden, und müssen auch jene schützen, die
besonders anfällig für Infektionen sind."

Professor Wiesing, Philosoph und Arzt machte klar: "Wir haben das
Nutzenpotential der Impfung nicht ausgeschöpft und in vielen
Bereichen die mögliche Herdenimmunität noch nicht erreicht. Täglich
sterben laut WHO bis zu 8000 Menschen einen vermeidbaren Tod. Nicht
weil wir arm wären oder uns die Infrastruktur fehlte, meist ist es
Desinteresse, eher seltener wegen grundsätzlicher Gegnerschaft,
vielmehr, weil uns die konkrete Bedrohung fehlt." Die Menschen sähen
nicht mehr, wie ihre ungeschützten Mitbürger einen sinnlosen Tod
sterben würden. Viele zweifelten auch an der Wirksamkeit oder hätten
andere Vorstellungen vom natürlichen Leben. Ein besonderer
Interessenkonflikt entstehe, wenn Eltern über ihre Kinder
entscheiden. Damit könnten diese Eltern - gegen ihre Absicht - ihren
Kindern und der Gesellschaft schaden. Dennoch sprach sich Wiesing
gegen einen generellen Impfzwang aus, der doch einen Eingriff in die
Freiheitsrechte bedeute und nur dann zu erwägen sei, wenn das Ziel
nicht auf andere Weise erreichbar sei. "Finnland hat gezeigt, dass
die Herdenimmunität auch ohne Impfzwang zu erreichen ist." Die
Politik müsse dazu voll auf Aufklärung und Anreizsysteme setzen:
"Proaktives staatliches Handeln ist geboten."

In der Diskussion spiegelte sich das Spektrum der Meinungen: von der
Skepsis gegen allzu viele Impfungen bis hin zur Verantwortung, die
speziell Personen in Sozial- und Gesundheitsberufen gegenüber
geschwächten und nicht geimpften Menschen hätten.

"Wir haben bereits eine Aufklärungskampagne zur Masernimpfung
gestartet, als Auftakt für dieses zu Recht eingeforderte proaktive
Handeln. Wir müssen klarmachen, dass Impfen nicht nur individuell
nützt, sondern auch ein solidarischer Akt ist", sagte Pamela
Rendi-Wagner, Sektionschefin im Gesundheitsministerium abschließend.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NBU

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel