- 17.02.2014, 12:09:14
- /
- OTS0096 OTW0096
Regierungen müssen den Kampf gegen Menschenhandel verstärken, die Opfer schützen und die Täter belangen
Wien (OTS) - Bei einer internationalen Konferenz gegen Menschenhandel
in Wien rufen heute hochrangige europäische Beamte die Regierungen
auf, den Kampf gegen diese moderne Form der Sklaverei zu verstärken,
konkrete Schritte zum Schutz der Opfer zu setzen und die Schuldigen
hinter diesen schrecklichen Verbrechen zur Rechenschaft zu ziehen.
"Menschenhandel ist alltäglich und allgegenwärtig - von Vancouver bis
Wladiwostok. Dem muss ein Ende gesetzt werden", meinte Österreichs
Außenminister Sebastian Kurz, Vorsitzender des Ministerkomitees des
Europarats. "Ich freue mich sehr darüber, dass der Europarat und die
OSZE dieses Ziel gemeinsam verfolgen wollen."
Die Konferenz wurde unter dem Schweizer Vorsitz der Organisation für
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und dem
österreichischen Europaratsvorsitz organisiert und zieht Bilanz über
die Arbeit der beiden Organisationen.
"Wir dürfen bei Menschenhandel, der nicht auf das Problem der
Prostitution allein beschränkt ist, niemals wegschauen!" meinte
Simonetta Sommaruga, Justizministerin der Schweiz. "Die kriminellen
Netze, die den Menschenhandel steuern und organisieren, fügen der
Gesellschaft auf verschiedenste Weise Schaden zu. Die Herausforderung
für die Zielländer besteht darin, die Opfer der Ausbeutung - sei es
in Prostitution oder anderen Bereichen - ausfindig zu machen und die
Schuldigen strafrechtlich zu verfolgen. Um hier erfolgreich zu sein,
ist eine gut aufgestellte nationale und internationale Zusammenarbeit
unabdingbar."
Menschenhandel stellt eine massive Menschenrechtsverletzung dar. Laut
Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) gibt es
weltweit 20,9 Millionen Opfer von Menschenhandel und Zwangsarbeit.
Trotz der Größe des Problems gibt es erschreckend wenige Fälle, in
denen die Schuldigen rechtlich verfolgt werden. Der
Menschenhandelsbericht des amerikanischen Außenministeriums
verzeichnete nur 7705 Verurteilungen im Jahr 2012.
Die Konferenzteilnehmer werden die aktuellen Herausforderungen
bewerten und mögliche Lösungen diskutieren, wie z.B. eine intensivere
Partnerschaft mit NGOs, verstärkte Schulungen für
VollzugsmitarbeiterInnen und mehr Unterstützung und Schutz für Opfer
des Menschenhandels. Besonderes Augenmerk wird auf Möglichkeiten
einer besseren Wiedereingliederung der Opfer in die Gesellschaft
gelegt; dies reicht von der Behandlung von Anträgen auf Aufenthalts-
und Arbeitsgenehmigungen, bis zu psychologischer Unterstützung für
die Opfer, um das Trauma zu verarbeiten.
Die österreichische Innenministerin Johanna Mikl-Leitner dazu:
"Identifizierung der Opfer und Wiedereingliederung in die
Gesellschaft zählen zu den größten Problemen, die durch
Menschenhandel verursacht werden. Hier ist eine enge internationale
Zusammenarbeit zwischen Polizei, Justiz und Gesellschaft dringend
nötig, um der Probleme Herr zu werden. Wir sind uns bewusst, welche
entscheidende Rolle die Polizei in diesem Zusammenhang spielt, da
Polizisten häufig die ersten sind, die mit den potenziellen Opfern
und Verbrechern zu tun haben."
Vor der Konferenz hat die Expertengruppe des Europarats für die
Bekämpfung des Menschenhandels die Politik in beinahe 30 europäischen
Ländern evaluiert: Der Generalsekretär des Europarates Thorbjorn
Jagland bezog sich in seiner Stellungnahme auf einige der Ergebnisse
der Untersuchung: "Es wurden zwar Fortschritte im Kampf gegen den
Menschenhandel erzielt, dennoch stehen wir nach wie vor schwierigen
Herausforderungen gegenüber - von der Unterstützung für
Roma-Gemeinschaften, die besonders häufig Opfer von Menschenhandel
werden, bis zur Intensivierung der Zusammenarbeit mit
Privatunternehmen, die bei der Identifizierung von Menschenhändlern
helfen können."
OSZE Generalsekretär Lamberto Zannier gab seiner Anerkennung für die
Arbeit des Europarates Ausdruck und meinte, die beiden Organisationen
sollten noch enger zusammenarbeiten, um ihren Beitrag zur Beseitigung
dieses schrecklichen Verbrechens zu leisten.
"Diese gemeinsame Konferenz bietet nicht nur eine wertvolle Plattform
für weiteren Dialog und Austausch von best practices, sie gibt uns -
und das ist noch viel bedeutender - die Chance nach vorne zu blicken
und zu diskutieren, was wir noch tun können, damit unsere
Partnerschaft besser funktioniert", meinte Zannier.
Die Konferenz endet morgen nach Beiträgen von Myria Vassiliadou, EU
Anti-Menschenhandel Koordinatorin, Joy Ngozi Ezeilo, UN
Sonderberichterstatterin über Menschenhandel, Nils Muiznieks,
Menschenrechts-Kommissar des Europarats und Maria Grazia
Giammarinaro, OSZE-Sonderbeauftragte und Koordinatorin für die
Bekämpfung des Menschenhandels.
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | MAA