• 11.02.2014, 12:10:01
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ORF-Zeitgeschichteschwerpunkt "80 Jahre Februar 1934"

"Der blutige Februar" und "Wir kämpften für Spanien" am 12. Februar in ORF 2

Utl.: "Der blutige Februar" und "Wir kämpften für Spanien" am 12.
Februar in ORF 2 =

Wien (OTS) - Der Österreichische Bürgerkrieg jährt sich im Februar
2014 zum 80. Mal. Der ORF erinnert an diese Schicksalstage der
österreichischen Geschichte im Februar 1934 mit einem
Programmschwerpunkt in ORF 2, ORF III, Österreich 1 und im
ORF.at-Netzwerk: Am Mittwoch, dem 12. Februar, dem Jahrestag der
ersten Kampfhandlungen, berichten in Andreas Novaks "Menschen &
Mächte"-Dokumentation "Der blutige Februar" um 22.30 Uhr in ORF 2
Zeitzeugen über Ursachen und Folgen der Februarkämpfe, die weit in
die Zweite Republik reichen. Darunter ehemalige Schutzbundangehörige,
die bei den Kämpfen im Linzer Hotel Schiff dabei waren, und
Beteiligte des Bundesheeres. Nach der Niederlage im Bürgerkrieg vom
Februar 1934 flüchteten viele Sozialdemokraten ins Ausland, um der
Verhaftung zu entgehen - u. a. nach Spanien - und nahmen ab 1936 am
Spanischen Bürgerkrieg teil.

In der anschließenden "Menschen & Mächte"-Dokumentation "Wir kämpften
für Spanien" von Tom Matzek und Hannes Drapal erzählen um 23.20 Uhr
vier ehemalige Kämpfer aus Österreich über ihre Beweggründe. Durch
die sehr persönlichen Bilanzen der ehemaligen Spanienkämpfer ist der
Film heute selbst ein Dokument. Bereits 1998, als er gedreht wurde,
gab es nur ganz wenige Zeitzeugen. Heute lebt kaum einer mehr. Auch
drei der Protagonisten des Films sind mittlerweile verstorben. Ihre
Reise nach Spanien und die Filmarbeiten waren eine Lebensbilanz, ihr
letztes großes Anliegen, die Geschichte dieser Zeit zu erzählen.

ORF III widmet den Ereignissen vor 80 Jahren am Samstag, dem 15.
Februar, ab 20.00 Uhr einen umfassenden Schwerpunktabend, Österreich
1 erinnert bis 20. Februar an die Februarkämpfe von 1934.

"Der blutige Februar" - Eine Dokumentation von Andreas Novak

Heimwehrführer Ernst Rüdiger Starhemberg, Bundeskanzler Engelbert
Dollfuß und Sicherheitsminister Emil Fey sind die politisch
Hauptverantwortlichen für die Ausschaltung von Demokratie,
Parlamentarismus und Sozialdemokratie in der Ersten Republik. Der
Kampf gegen die sozialdemokratische Opposition gipfelt im
Parteienverbot nach dem Bürgerkrieg vom Februar 1934 und führt zur
tiefen Fragmentierung und irreparablen Spaltung der österreichischen
Gesellschaft. Andreas Novak zeichnet die politische Zangenbewegung
gegen die Sozialdemokratie nach, die sich mit der Ausschaltung von
Parlamentarismus und demokratischen Staatstrukturen synchronisiert
und den Weg in die Diktatur des autoritären, christlichen
Ständestaates ebnete. Die auf mehreren politischen Ebenen
vorangetriebene Strategie reicht in die Anfänge der 1920er Jahre
zurück und wird durch die Wirtschaftskrise, aber auch durch die
Revolutionsrhetorik des linken Parteiflügels der Sozialdemokraten
beschleunigt. Die christlich soziale Partei und ihr
paramilitärischer, faschistisch orientierter Schutzverband, die
Heimwehren, befürchten "bolschewistische Zustände". Kanzler Dollfuß
hatte 1933 das Parlament ausgeschaltet, Löhne und Gehälter gekürzt,
Sozialrechte beschnitten und das Streikrecht ausgesetzt. Der
autoritären Politik der Regierung und den häufigen Durchsuchungen von
Arbeiterheimen wollen Teile der sozialdemokratischen Partei künftig
mit bewaffnetem Widerstand begegnen.

Am 12. Februar 1934 ist es so weit: 40 Sozialdemokraten verschanzen
sich in einem Linzer Parteiheim, im Hotel Schiff. Als die Polizei
eintrifft, um die Anführer zu verhaften, beginnt der Kampf. Er sollte
das Startsignal für einen landesweiten bewaffneten Aufstand sein.
Doch er beschränkte sich auf Oberösterreich, Wien und die steirischen
Industriegebiete. "Sie werden im Blut waten" verkündet
Sicherheitsminister Emil Fey. Er sollte recht behalten. Der
Bürgerkrieg fordert fast 300 Tote und mehr als 1.000 Verletzte. In
nur vier Tagen hatten Polizei und Bundesheer den Aufstand
niedergeschlagen. Neun Beteiligte wurden zum Tode verurteilt, die
Partei verboten und alle Sozialdemokraten aus öffentlichen Ämtern
entfernt. Engelbert Dollfuß schaltete aber den falschen Gegner aus,
fünf Monate später wurde der Kanzler von Nationalsozialisten
ermordet.

In Andreas Novaks Film berichten Zeitzeugen über Ursachen und Folgen
der Februarkämpfe. Darunter die ehemaligen Schutzbund-Angehörigen
Franz Desch und Josef Hausleitner, die bei den Kämpfen im Linzer
Hotel Schiff dabei waren. Vonseiten des Bundesheeres kommen ebenfalls
Beteiligte zu Wort, darunter Karl Lampl. Er hatte den Auftrag,
gemeinsam mit einem Kameraden den MG-Schützen des Schutzbundes im
Hotel Schiff zu töten.

"Wir kämpften für Spanien - Österreicher im Spanischen Bürgerkrieg" -
Ein Film von Tom Matzek und Hannes Drapal

Mit Tom Matzek und Hannes Drapal begaben sich 1998 vier ehemalige
Spanienkämpfer aus Österreich noch einmal in das Land, das ihre
Jugend prägte. Rudolf Schober beispielsweise, der als
Schutzbund-Mitglied in Wien-Floridsdorf gegen Bundesheer und Polizei
kämpfte, nahm ab 1936 am Spanischen Bürgerkrieg teil. Er sah darin
eine neuerliche Chance, um die Demokratie vor Diktatur und Faschismus
zu retten. Schober war einer von rund 1.300 Österreichern, die in
Spanien gegen die Truppen von General Franco kämpften. Mehr als
30.000 Männer und Frauen aus 53 Staaten gingen nach Spanien, als 1936
die blutige Auseinandersetzung mit dem Faschismus begann. Was für
Historiker ein blutiges Vorgefecht des Zweiten Weltkriegs war, war
für diese Freiwilligen, die oft ohne ein Wort Spanisch zu
beherrschen, in einem unbekannten Land Krieg führten, ein
existenziell prägender Lebensabschnitt. Ihre persönlichen Schicksale
sind weitgehend unbekannt, ihre Motive, ihre Auseinandersetzungen,
ihre Reflexion war nie ein großes öffentliches Thema.

Der Film ist eine sehr persönliche Bilanz von vier sehr
unterschiedlichen Spanien-Kämpfern: Einer war ein lebenslustiger,
junger Arbeiter, der zweite ein großbürgerlicher Industriellensohn,
der dritte ein ehemaliger Schutzbund-Kämpfer im Bürgerkrieg vom
Februar 1934 und der vierte ein jugendlicher Abenteurer. Entlang
dieser vier Persönlichkeiten decken Autor Tom Matzek und Kameramann
Hannes Drapal die vielen unterschiedlichen Seiten auf, die hinter dem
Begriff "Spanienkämpfer" stecken. Mit dem politischen Motiv, mit
Franco auch Hitler und Mussolini zu bekämpfen, sind
unterschiedlichste Geschichten verknüpft: Josef Kotz war innerlich
zerrissen - er heiratete in eine Familie ein, die Franco nahestand.
Der Pazifist Harry Spiegel landete an der vordersten Front. Rudolf
Schober, der mit seiner Überzeugung die ganze Welt verändern wollte,
musste einsehen, dass er schon in Spanien die Niederlage nicht
verhindern konnte. Hans Landauer wiederum hatte keine blasse Ahnung,
was ihn erwartete - heute arbeitet er als Chronist der
österreichischen Spanienkämpfer seine Jugend auf. Beide
Dokumentationen sind nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der
Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand
abrufbar.

ORF-III-"zeit.geschichte"-Abend am 15. Februar: "Gedanken zum Februar
34" mit Heinz Fischer, Barbara Prammer, Oliver Rathkolb, Josef
Ostermayer, Andreas Khol, Karl Blecha, Hugo Portisch und Ari Rath

ORF III widmet den Ereignissen vor 80 Jahren am Samstag, dem 15.
Februar, einen umfassenden Schwerpunktabend. Um 20.00 Uhr präsentiert
ORF III "Gedanken zum Februar 34" und bittet Bundespräsident Heinz
Fischer, Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, Kanzleramtsminister
Josef Ostermayer, die Seniorenratspräsidenten Andreas Khol und Karl
Blecha, Historiker Oliver Rathkolb, Hugo Portisch und Ari Rath vor
die Kamera. Nach Andreas Novaks Dokumentation "Der blutige Februar"
um 20.15 Uhr folgt um 21.10 Uhr Ernst Trosts "Engelbert Dollfuß -
Eine Biografie" und um 21.55 Uhr Christian Rathners Film "Der Traum
vom christlichen Staat - Katholische Kirche zwischen Republik und
Anschluss". Um 22.50 Uhr zeigt ORF III "Das bin ich" mit Attila
Hörbiger in der Hauptrolle, ein zweiteiliges Dokumentarspiel von
Hellmut Andics aus dem Jahr 1972, das den Ereignissen des Jahres 1934
auf den Grund zu gehen versucht.

Am Mittwoch, dem 12. Februar, zeigt ORF III mehrmals über den Tag
verteilt (11.35, 15.10 und 19.45 Uhr) die politisch-satirische
Kurzfilmanimation "Der Heldenkanzler", 2011 an der Filmakademie
Baden-Württemberg vom österreichischen Jungfilmer Benjamin Swiczinsky
produziert und mehrfach preisgekrönt. "Der Heldenkanzler" hat das
Leben des Engelbert Dollfuß zur Grundlage, der im Wien der 1930er
Jahre eine faschistische Diktatur etablieren wollte.

Ö1-Schwerpunkt "80 Jahre Februar 1934"

Österreich 1 erinnert bis 20. Februar an die Februarkämpfe von 1934:
"Radiokolleg" (10. bis 13. Februar), "Betrifft: Geschichte" (10. bis
15. Februar) und "Im Gespräch" (20. Februar). Auch das
ORF.at-Netzwerk und der ORF TELETEXT widmen sich dem "Februar 34" im
Rahmen der aktuellen Berichterstattung.

Nähere Informationen zum ORF-Zeitgeschichteschwerpunkt sind unter
http://presse.ORF.at abrufbar.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NRF

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