• 04.12.2013, 13:25:22
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AK Kaske zu Kinderbetreuung: "Österreich hat Aufholbedarf"

Gewerkschaften und AK: "Wollen nicht nur Ausbau von Quantität, sondern auch von Qualität"

Utl.: Gewerkschaften und AK: "Wollen nicht nur Ausbau von Quantität,
sondern auch von Qualität" =

Wien (OTS) - AK Präsident Rudi Kaske forderte heute gemeinsam mit
Vertretern der Gewerk-schaften GPA-djp, GdG-KMSfB und vida bei einer
Pressekonferenz ein Rahmengesetz für bundesweit gültige Standards, um
die Qualität in den Kinderbildungs- und Betreuungseinrichtungen zu
sichern. "Dass es hier Handlungsbedarf gibt, zeigt der internationale
Vergleich", so Kaske. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des
Instituts für Kinderrechte und Elternbildung im Auftrag der AK.
"Überall in der EU ist das Bildungsministerium für Kinder ab 3 Jahren
zuständig - nur nicht in Österreich und Deutschland", so Kaske. Bei
der Frage, wie viele Kinder eine Person betreut, ist Österreich auf
den hinteren Plätzen. In Finnland ist eine Fachkraft für sieben
Kinder zuständig, in Dänemark eine Fachkraft für zehn Kinder. Kaske:
"In Österreich kümmert sich eine Fachkraft im Durchschnitt um 24
Kinder. Respekt für die KollegInnen, die es da trotzdem noch
schaffen, auf die Kinder einzugehen und sie zu fördern!"

Bei der Frage, wie viele Kinder eine Person betreut, ist Österreich
auf den hinteren Plätzen. In Finnland ist eine Fachkraft für sieben
Kinder zuständig, in Dänemark eine Fachkraft für zehn Kinder. In
Österreich kümmert sich eine Fachkraft im Durchschnitt um 24 Kinder.
Die internationalen Empfehlungen dafür, wie viele Kinder maximal von
einer Person betreut werden sollten - laut EC Network on Childcare
(ENCN) höchstens 15, laut National Association for the Education of
Young Children (NAEYC) höchstens 10 - erreicht Österreich mit einem
Betreuungsschlüssel von 1 zu 13 nur zum Teil. "Und das nur unter
Einbeziehung des unterstützenden Personals", so Kaske. Sonst werden
die Empfehlungen klar verfehlt. Kinderfreunde-Betriebsrätin Karin
Samer (GPA-djp): "Wenn wir das unterstützende Personal nicht hätten,
würde der Betrieb zusammenbrechen."

Auch bei der Ausbildung des Personals hinkt Österreich hinterher.
Fast überall anderswo ist für ElementarpädagogInnen ein
Hochschulstudium nötig. Die Ausbildung des unterstützenden Personals
(u. a. AssistentInnen) gleiche einem "österreichischen
Fleckerlteppich", so Kaske. Die Wiener vida-Landessekretärin Barbara
Schröding sagt: "Das unterstützende Personal muss endlich eine
einheitliche hochwertige Ausbildung auf Bundesebene sowie eine
einheitliche Berufsbezeichnung erhalten."

Zu den Qualitätskriterien zählt auch die Verfügbarkeit. Dabei geht es
nicht nur um die Anzahl der Plätze, sondern auch um die Kosten, die
in Österreich nach wie vor nicht eiheitlich sind, und um die
Öffnungszeiten.

Bei der Qualität der Arbeitsbedingungen weist Österreich ebenso
Defizite auf. So zeigt die AK Studie, dass Kindergartenfachkräfte in
Italien, Frankreich, Polen, Baden-Württemberg und Dänemark annähernd
gleich viel verdienen wie LehrerInnen. In Österreich und Finnland
sind sie jedoch deutlich schlechter entlohnt. Laut AMS-Gehaltskompass
verdienen KindergartenpädagogInnen in Österreich schon beim
Berufseinstieg rund 200 Euro weniger als VolksschullehrerInnen. Ein
genauer Überblick über die Einkommenssituation ist aber kaum möglich,
da es neben den unterschiedlichen Landesregelungen für den
öffentlichen Bereich für private Träger zumeist nur einen
Mindestlohntarif gibt.

Margit Pollak, als Vorsitzender Stellvertreterin der GdG-KMSfB/HG1
für den Bereich zuständig, kritisiert: "Die Zuständigkeit wird
zwischen Bildungs-, Wirtschafts-, Sozial- und
Wissenschaftsministerium hin und her gespielt! ElementarpädagogInnen
und das unterstützende Personal brauchen dringend einheitliche
Rahmenbedingungen um - nach wissenschaftlichen Erkenntnissen -
qualitativ hochwertige Bildungsarbeit leisten zu können, die den
Kindern - egal wo sie herkommen - auch zusteht, und die sich Eltern
bundesweit erwarten dürfen!"

Kaskes Fazit: "Wir brauchen bundesweit gültige Standards, wir
brauchen ein Rahmengesetz. Denn wir wollen, dass für alle Kinder,
egal ob sie in Vorarlberg, Burgenland oder sonst wo zuhause sind, bei
der Betreuung dieselben guten Qualitätsstandards gelten."

AK und Gewerkschaften fordern:
+ Ein Gesetz soll die Gruppengröße und den Betreuungsschlüssel
einheitlich regeln.
+ Die Ausbildung von PädagogInnen auf Hochschulniveau soll auf den
Weg gebracht werden. Internationale Empfehlung sehen vor, dass
zumindest die Hälfte der PädagogInnen über eine Hochschulausbildung
verfügen soll.
+ Es braucht einheitliche Ausbildungsstandards für das
Unterstützungspersonal.
+ Ein weiterer Ausbau der Kinderbetreuung soll auch bessere
Öffnungszeiten und mehr Kleinkindbetreuung bringen.
+ Ein zweites kostenloses, verpflichtendes Kindergartenjahr brächte
gerechte Chancen für alle Kinder.
+ Die Gemeinden sollen Zuschüsse je nach Zahl der betreuten Kinder
bekommen. Im Rahmen der Finanzausgleichsverhandlungen 2015 sollte
hier ein Pilotprojekt für den Bereich der Kinderbetreuung umgesetzt
werden.
+ Für den privaten Bereich soll es einen Kollektivvertrag für alle
Bundesländer geben.

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