- 30.10.2013, 10:17:51
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75 Jahre Novemberpogrome: Umfassender ORF-Schwerpunkt
Ab 1. November 2013 in ORF 2, ORF III und Ö1
Utl.: Ab 1. November 2013 in ORF 2, ORF III und Ö1 =
Wien (OTS) - Kein Geschichtsdatum im 20. Jahrhundert markiert den
Einbruch der Barbarei in unsere Gesellschaft stärker als die
Novemberpogrome. 75 Jahren danach beschäftigt sich der ORF in
Fernsehen und Radio mit den Geschehnissen von damals. U. a. in zwei
"Universum History"-Filmen "Die Nacht des Terrors" (1. November) und
"Flucht ins Ungewisse" (8. November), den beiden
Günter-Schilhan-Dokus "Unter dem Davidstern - Die jüdische Gemeinde
von Graz" (ein "Österreich-Bild" am 10. November) und "ÜberLeben -
Berthold Kaufmanns Rückkehr ins Exil" ("kreuz und quer" am 12.
November) sowie dem Spielfilm "Jud Süß - Film ohne Gewissen" mit
Tobias Moretti (4. November). "Wien heute" bringt im Rahmen des
Schwerpunkts ein Porträt von Familien, die überlebt haben und jetzt
erstmals wieder auf Einladung des Jewish Welcome Service in Wien
sind, stellen das Vienna Project vor, eine neue Art des Gedenkens im
öffentlichen Raum und berichtet von der großen Gedenkausstellung im
Theater Hamakom. ORF III widmet sich dem Schwerpunkt mit gleich vier
Eigenproduktionen und steht am 9. November ab 21.40 Uhr durchgehend
im Zeichen des Jahrestages.
Für ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz "beweist der ORF in
diesen Tagen einmal mehr nachdrücklich, dass er das elektronische
Gedächtnis des Landes ist. Neben der am Nationalfeiertag gestarteten
Neuauflage von 'Österreich II' von und mit Hugo Portisch in ORF III
dokumentiert der ORF in Fernsehen und Radio die Gewaltexzesse der
Novemberpogrome vor 75 Jahren. Mehr denn je gilt für den ORF und sein
Publikum: Nur wer die Vergangenheit kennt, versteht die Gegenwart."
75 Jahre Novemberpogrome im ORF-Fernsehen
Freitag, 1. November
"matinee: Benjamin Britten: War Requiem", 10.00 Uhr, ORF 2
Benjamin Britten, der vor 100 Jahren geboren wurde, hat mit seinem
Werk "War Requiem" einen bewegenden Aufruf für gelebten Pazifismus
sowie ein musikalisches Zeugnis der Versöhnung der Völker nach dem
Zweiten Weltkrieg geschaffen. Das Requiem wurde 1962 in der neu
erbauten Kathedrale von Coventry uraufgeführt. Es musiziert das
Orchestra dell'Accademia Nazionale di Santa Cecilia unter Antonio
Pappano. Anna Netrebko, Ian Bostridge und Thomas Hampson sind die
Solisten dieses Konzerts. Unterstützt werden sie vom Salzburger
Festspiele und Theater Kinderchor. Bildregie: Henning Kasten.
"Universum History: Die Nacht des Terrors", 22.55 Uhr, ORF 2
Auf offener Straße zeigte der staatlich geschürte Menschenhass 1938
sein wahres Gesicht: An die 400 Menschen wurden erschossen oder
erschlagen, nur weil sie als Juden gebrandmarkt waren. Im Mittelpunkt
dieses Doku-Dramas steht die Erlebnisperspektive von bekannten
Persönlichkeiten wie dem Wiener Filmautor Georg Stefan Troller auf
der Opferseite, aber auch von Augenzeugen und Beteiligten wie dem
Schauspieler Günther Lamprecht, der damals als Sohn eines SA-Mannes
im November 1938 bei der Plünderung eines jüdischen Geschäfts dabei
war - ein Erlebnis, das für Lamprecht so prägend war, dass er in
diesem Film auch eine besondere Vermittlerrolle einnimmt.
Sonntag, 3. November
"dok.film: Defamation - Spurensuche einer Verleumdung", 23.05 Uhr,
ORF 2
Was bedeutet Antisemitismus heute, zwei Generationen nach dem
Holocaust? In dieser Doku sucht der israelische Regisseur Yoav Shamir
nach "modernen" Erscheinungsformen von Antisemitismus. Im Zuge dieser
persönlich gestalteten Suche folgt er amerikanischen Juden bei ihrer
Mission, die Regierungen Europas vor der wachsenden Gefahr des
Antisemitismus zu warnen, er heftet sich an die Fersen einer
israelischen Schulklasse bei ihrer Gedenkfahrt nach Auschwitz und
trifft den umstrittenen Historiker Norman Finkelstein, der die
Ansicht vertritt, Antisemitismus werde von der jüdischen Gemeinschaft
und von Israel benützt, um daraus politisches Kapital zu schlagen.
Montag, 4. November
"Jud Süß - Film ohne Gewissen", 23.55 Uhr, ORF 2
Die starbesetzte und von Oskar Roehler 2010 inszenierte Geschichte
des österreichischen Schauspielers Ferdinand Marian, der die
Hauptrolle in dem berühmt-berüchtigten und heute verbotenen Film "Jud
Süß" spielte. Mit Tobias Moretti (Marian), Moritz Bleibtreu
(Goebbels), Martina Gedeck (Anna), Justus von Donanhyi (Harlan),
Heribert Sasse (Deutscher), Anna Unterberger (Britta) u. a.
Freitag, 8. November
"Universum History: Flucht ins Ungewisse", 22.40 Uhr, ORF 2
Mit dem "Anschluss" Österreichs an Deutschland waren sie vogelfrei,
rechtlos, ihres Vermögens beraubt und bedroht durch Pogrome wie im
November 1938. 130.000 jüdische Bürgerinnen und Bürger und politische
Gegner überlebten NS-Terror, Verfolgung und Holocaust nur, weil ihnen
die Flucht gelang. Jene, die sich ins Ausland retten konnten,
erlebten eine Odyssee, eine gefährliche Flucht ins Ungewisse, von
Land zu Land, oft noch verfolgt von der deutschen Wehrmacht. Dort wo
sie letztlich strandeten, ob in Südafrika, Venezuela, Israel oder den
USA, erwartete sie kein gelobtes Land, sondern eine fremde Welt.
Doris Ehrenstein, Harry Weil, Liselotte Laub und Erich Sensel - am
Beispiel dieser Menschen beschreiben Robert Gokl und Tom Matzek den
gefährlichen, schwierigen und abenteuerlichen Lebensweg vertriebener
Österreicher.
"Oskar Pilzer - Die bewegte Geschichte der Wiener Filmateliers",
21.55 Uhr, ORF III
Der österreichische Film erlebte in den 1930er Jahren eine Phase
großen internationalen Erfolgs. Maßgeblichen Anteil daran hatte
damals der Filmindustrielle Oskar Pilzer. Als die Nazis die Macht
ergriffen, war bald für Juden in der Filmbranche kein Platz mehr, was
auch Oskar Pilzer zu spüren bekam. Er musste seine Anteile verkaufen
und emigrierte nach Frankreich, wo er 1939 starb.
Die Wiener Filmstudios, vor allem die Rosenhügel-Studios, blieben
aber weiterhin das Herz der österreichischen Filmproduktion. Mit dem
Heimatfilm und den nach außen in die Natur verlagerten Dreharbeiten
begann dann langsam der Abstieg der Filmateliers. Sie wurden
verkauft, wiedergekauft, vom ORF vorwiegend für die Fernsehproduktion
übernommen und schließlich vermietet. Vor einigen Jahren wurden die
Studios in Wien-Sievering abgerissen. Nun laufen internationale
Bemühungen in den Rosenhügel-Studios, dem Übervater des
österreichischen Films, Oskar Pilzer, ein würdiges Andenken zu
schaffen.
Samstag, 9. November
"Erschlagt mich, ich sage nichts - Käthe Sasso,
Widerstandskämpferin", 21.40 Uhr, ORF III
Die österreichische Widerstandskämpferin Käthe Sasso ist eine der
letzten Überlebenden aus der Zeit des österreichischen Widerstandes
gegen die Nazis und hat, bevor sie nach Ravensbrück deportiert wurde,
qualvolle Jahre in Gestapogefängnissen in Wien durchlebt. Der Fokus
des Films richtet sich auf Käthe Sassos Aktivität und Haft in den
Jahren 1938-1944, in welchen sie die wesentlichen Protagonistinnen
und Protagonisten des österreichischen Widerstandes kennenlernte.
Regisseur Kurt Brazda lässt mit Kameramann Benjamin Epp Käthe Sasso
ihren Begegnungen und Erlebnissen von damals auf den
Originalschauplätzen in Wien nachspüren.
Weitere Produktionen am 9. November in ORF III mit Zeitzeugen:
"Rudolf Gelbard - Der Mann auf dem Balkon" (22.45 Uhr), "Das kurze,
mutige Leben des Herschel Grünspan" (23.50 Uhr) und "Schweigen und
Erinnern" (1.10 Uhr), eine Dokumentation von Elisabeth Scharang.
Sonntag, 10. November
"Österreich-Bild aus dem Landesstudio Steiermark: Unter dem
Davidstern - Die jüdische Gemeinde von Graz", 18.25 Uhr, ORF 2
Die Fernsehdokumentation von Günter Schilhan geht der Frage nach, wie
sich jüdisches Leben heute in der Steiermark gestaltet. Nur wenige
jüdische Familien, die 1938 aus der Steiermark vertrieben worden
waren, sind nach dem Kriegsende zurückgekehrt. Die Grazer jüdische
Gemeinde setzt sich heute zum überwiegenden Teil aus zugewanderten
Familien zusammen. Unter schwierigen Bedingungen versuchen sie, die
jüdischen Traditionen aufrechtzuerhalten.
ORF III widmet sich in drei weiteren Produktionen dem Schwerpunkt:
mit dem Spielfilm "Feldwebel Schmid" (11.40 Uhr) und den Dokus
"Mauthausen - Eine KZ-Gedenkstätte stellt sich der Zeit" (13.20 Uhr)
und "Nicht verstummt - Gehörlose im NS-Regime" (14.15 Uhr).
Dienstag, 12. November
"kreuz und quer: ÜberLeben - Berthold Kaufmanns Rückkehr ins Exil",
22.30 Uhr, ORF 2
Berthold Kaufmann ist einer der letzten jüdischen Zeitzeugen des
Naziterrors und der Pogrome von 1938 in seiner Heimatstadt Graz. Im
Alter von 88 Jahren tritt er für den Film von Günter Schilhan noch
einmal gemeinsam mit seinen Enkelkindern David (26) und Thomas (24)
eine emotionale Reise in die Vergangenheit an. Er besucht die
wichtigsten Stationen seiner Flucht, die ihn von Graz über Triest
nach Zypern und ins damalige Palästina geführt hat. Er blickt zurück
auf die dramatischen Ereignisse des Jahres 1938 und schildert seinen
Enkeln die gefahrvollen Wege ins Exil. Er begibt sich auf Spurensuche
nach dem Grab seiner geliebten auf Zypern verstorbenen Großmutter. Er
sucht Kontakt zu Weggefährten von einst.
Freitag, 22. November
"Aus dem Rahmen: Masel tov - Das Jüdische Museum Wien", 21.45 Uhr,
ORF III
Im November feiert das Jüdische Museum Wien sein 20-jähriges
Bestehen. Die Dokumentation führt die Zuschauerinnen und Zuschauer in
die wechselvolle Geschichte des Museums. Was zuerst einen Rückblick
auf die vergangenen 20 Jahre erwarten lässt, entpuppt sich als Blick
in die 120-jährige Geschichte jüdischer Museen und jüdischer
Geschichte in Wien und auf der ganzen Welt.
26. November bis 6. Dezember
"Kultur Heute: Jüdisches Leben in Wien", 20.00 Uhr, ORF III
Im November begibt sich Danielle Spera zusammen mit "Kultur Heute"
auf die Spuren jüdischer Kultur in Wien und Österreich und kuratiert
die Reihe "Jüdisches Leben in Wien". Die Leiterin des Jüdischen
Museums besucht unter anderem jüdische Friedhofe, das
Sigmund-Freud-Museum, Synagogen und weitere spannende Stätten
jüdischer Kultur in Österreich.
75 Jahre Novemberpogrome im ORF-Radio
Die aktuelle Wissenschaft von Ö1 berichtet ebenso wie science.ORF.at.
Im "Journal Panorama" (18.25 Uhr) lautet der Titel am 5. November
"Die Gerechten": Das Novemberpogrom 1938 war der Beginn eines
beispiellosen Vernichtungsfeldzuges. Sechs Millionen Juden, darunter
1,5 Millionen Kinder, wurden in den von den Nazis besetzten Ländern
Europas während des Zweiten Weltkriegs ermordet. Die meisten schauten
schweigend zu oder kollaborierten mit den Mördern. Aber es gab auch
Menschen, die Zivilcourage zeigten und versuchten, Juden vor den
Nationalsozialisten zu retten, etwa 90 waren es in Österreich. Der
Verein "Lernen aus der Zeitgeschichte" präsentiert in einer
Ausstellung in Linz die Biografien dieser Gerechten. Im
"Dimensionen-Magazin" (19.05 Uhr) am 8. November gibt es einen
Beitrag zu "Den Pogrom erinnern. Zeitzeugen über den November 1938".
Zu Wort kommen Vilma Neuwirth, geboren 1928, sie überlebte die
NS-Herrschaft als Sternträgerin in der Wiener Glockengasse, und
Walter Fantl-Brumlik, geboren 1924 in Loosdorf, lebte bis 1938 mit
seinen Eltern im niederösterreichischen Bischofstetten - 1942 wurde
er mit seiner Familie von Wien nach Theresienstadt, später nach
Auschwitz deportiert. Für die "Logos"-Gesprächsreihe "Was glauben
Sie?" hat Johannes Kaup den jüdischen Zeitzeugen Marko M. Feingold in
Salzburg besucht. Zu hören ist das Gespräch am Samstag, dem 9.
November, in "Logos - Theologie und Leben" um 19.05 Uhr in Ö1.
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