- 24.07.2013, 13:38:04
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Fossile Förderungen bremsen Erneuerbare - Biomasse ist das Rückgrat der Energiewende
Wien (OTS) - "Während man auf EU-Ebene direkte Förderungen für
Atomkraft plant, Kohle subventioniert und der Verbund in einem Jahr
659 Millionen Euro für seine Gaskraftwerke abschreibt, kritisiert die
fossile Lobby die Förderungen für Biomassekraftwerke. Ohne die
massiven Förderungen für fossile Energien sowie die Einpreisung ihrer
Umweltschäden wären aber gar keine Unterstützungen für Biomasse
notwendig", stellt Dr. Horst Jauschnegg, Vorsitzender des
Österreichischen Biomasse-Verbandes, richtig. Die Bedeutung der
Biomasse wird in der Diskussion rund um die Erneuerbaren oft
unterschätzt. Biomasse ist mit Abstand der bedeutendste erneuerbare
Energieträger. Hinter der Wasserkraft nimmt Biomasse auch im
Strombereich den größten Anteil unter den Erneuerbaren ein. "Ohne den
weiteren Ausbau der Bioenergie ist die Energiewende zum Scheitern
verurteilt, selbstverständlich wissen das auch die großen
Energiekonzerne und ihre Handlanger. Das ist der Hintergrund, warum
bei jeder Insolvenz eines einzelnen Bioenergieunternehmens die Pleite
der gesamten Branche herbeigeredet wird", klärt Jauschnegg auf.
Ganzjährig verfügbar und flexibel einsetzbar
"Biomasse ist die Schlüsseltechnologie für ein nachhaltiges und
erneuerbares Stromsystem, weil rohstoffgebundene Komponenten
notwendig sind. Auch im Wärmemarkt waren die Widerstände gegen
Bioenergie anfänglich ähnlich hoch wie heute im Strombereich.
Mittlerweile ist Holz in Österreichs Haushalten der beliebteste
Energieträger. Heimische Firmen sind weltweite Technologieführer, und
biogene Energieträger kosten nur etwa die Hälfte von Heizöl",
erinnert sich Jauschnegg. "Entgegen aller Befürchtungen wächst der
Wald weiter und auch die Feinstaubemissionen gehen österreichweit
zurück, obwohl sich die Leistung der installierten Biomassekessel
vervielfacht hat." Als rohstoffgebundener Energieträger hat Biomasse
den Vorteil, ganzjährig und rund um die Uhr zur Verfügung zu stehen.
So können saisonale Schwankungen der Wasserkraft und Windkraft sowie
tägliche Schwankungen der Photovoltaik ausgeglichen werden. Neben
fester Biomasse werden auch Laugen aus der Papierindustrie, Biogas
und flüssige Biomasse zur Stromerzeugung eingesetzt. Die
Stromerzeugung aus Biomasse kann bis 2020 auf 21,3 PJ oder 5.900 GWh
ausgebaut werden, das entspricht einem Plus von 31 Prozent im
Vergleich zu 2011. Um diese zusätzlich nutzbaren 5 PJ
(Endenergieverbrauch) zu realisieren und die bestehende erneuerbare
Stromproduktion aus Biomasse abzusichern, sind flexible
kostendeckende Einspeisetarife mit einer rohstoffkosten-abhängigen
Komponente notwendig. Erklärtes Ziel ist die Umstellung von
Biomasseheizwerken und gewerblichen Heizanlagen auf
Biomasse-KWK-Anlagen. "Die Weiterführung des Ökostromgesetzes, mit
einem Schwerpunkt auf dezentralen wärmegeführten Anlagen mit hohem
Jahresnutzungsrad und regionaler Rohstoffversorgung, ist hier das
richtige Instrument. Durch die Entwicklung von zusätzlichen
Tarifmodellen für die Spitzenstromabdeckung und den Zugang zum
Ausgleichsenergiemarkt können die Vorteile der Biomasse für
Versorgungssicherheit und Netzstabilität voll ausgenützt werden",
fordert Jauschnegg.
Kaskadische Nutzung in Österreich
Biogene Energieträger sind erneuerbar, da sie nachwachsen. Holz
(weltweit und auch in Österreich mit Abstand der bedeutendste
erneuerbare Energielieferant) ist hier ein gutes Beispiel. Der
Holzvorrat in unseren Wäldern steigt durch deren nachhaltige
Bewirtschaftung trotz zunehmender Holznutzung kontinuierlich an.
Bioenergie aus Holz ist ein Nebenprodukt der Wald- und
Holzwirtschaft. Bereits im Wald fällt bei der Baumernte Holz an, aus
dem Energie gewonnen wird (z. B. Brennholz, Waldhackgut,..). Das
wertvollste Produkt aus dem Wald - das Sägerundholz - wird in der
Sägeindustrie zu Schnittholz verarbeitet und in der Holzindustrie
weiterveredelt. In diesem Produktionsprozess fallen große Mengen an
Nebenprodukten (Rinde, Restholz, Sägespäne, Hobelspäne) an, aus denen
wiederum Holzprodukte, Brennstoffe (Pellets, Briketts) oder direkt
Energie gewonnen wird. Je nach Verweildauer der Holzprodukte im Markt
- bei Konstruktionsholz mehrere Jahrzehnte bei Papier oft nur wenige
Tage - werden sie früher oder später zu Energie. Etwa die gleiche
Holzmenge, die geerntet wird, wird nach dem Durchlauf verschiedener
kaskadischer Nutzungswege energetisch verwertet. Durch den Einsatz
von erneuerbaren Energieträgern wurden in Österreich etwa aktuelle
39.000 Arbeitsplätze geschaffen, davon 21.000 im Sektor Bioenergie.
CO2-Neutraler Brennstoff
Biogene Energieträger sind zudem CO2-Neutral, da bei ihrer
Verbrennung (gleich wie bei ihrer Verrottung) nur so viel
Kohlendioxid frei wird wie während ihrem Wachstum durch die
Photosynthese aus der Luft entnommen wurde. Zusätzlich werden durch
die Nutzung von Erneuerbaren fossile Rohstoffe eingespart und somit
CO2-Emissionen vermieden, man spricht von Substitutionseffekten. Ohne
Großwasserkraft wurden 2011 15,8 Millionen Tonnen fossile CO2
Emissionen durch den Einsatz von erneuerbaren Energieträgern
vermieden - etwa 12 Millionen Tonnen durch den Einsatz von
Bioenergie.
Generell ist die Bioenergie-Branche sehr gut aufgestellt,
mittlerweile gibt es österreichweit mehr als 2.000 Nahwärmeanlagen.
Mehr als 500 Anlagen erzeugen Strom aus Biomasse und Biogas. 6,1
Prozent der in Österreich verwendeten Treibstoffe stammen aus
Biomasse. 740.000 Haushalte heizen mit Biomasse, betrachtet man
Zusatzgeräte wie Öfen, Herde und Kachelöfen, heizt etwa die Hälfte
der österreichischen Haushalte mit Holz.
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