Wiener Diözesanreform: Kardinal sieht "Ruck" durch neuen Papst

Erzbischof Schönborn in Interview mit Kirchenzeitung "Der Sonntag": Franziskus erinnert an Prioritäten - "Nöte der Menschen wahrnehmen, sich auf Neuland wagen" - Vierte Diözesanversammlung tagt im Oktober 2013

Wien, 04.07.13 (KAP) Die Reform der katholischen Kirche in Österreich muss vor Ort beginnen und kann nicht vom Vatikan und Papst Franziskus erwartet werden. Das betonte Kardinal Christoph Schönborn in einem Interview für die aktuelle Ausgabe der Wiener Kirchenzeitung "Der Sonntag" (7. Juli), die jetzt redaktionell von Michael Prüller geleitet wird. Er glaube nicht - so Schönborn -, dass man in Rom "viel dazu tun kann, dass wir als christliche Gemeinden in Österreich attraktiv sind; wir müssen schon selber unsere Hausaufgaben machen".

Zugleich betonte der Wiener Erzbischof aber, dass mit dem neuen Papst "ein Ruck durch die neue Kirche gegangen ist". Schönborn: "Es ist heute so viel mehr Freude zu spüren."

Zur Frage, ob der neue Papst das Priesteramt auch für Verheiratete, vielleicht sogar für Frauen öffnen könnte, meinte der Kardinal: "Ich halte es nicht für wahrscheinlich, dass der Papst das tut. Vor allem bin ich überzeugt, dass es unsere Probleme nicht beheben würde."

Man sehe bei anderen Konfessionen, wo beides längst üblich sei, dass auch sie schwere Nachwuchsprobleme hätten und Gläubige verlieren. Andererseits gebe es viele Gegenden auf der Welt, wo es viel größere Pfarren als in Österreich gebe und weit weniger Priester, "und die Kirche ist trotzdem sehr lebendig".

Schönborn bekräftigte einmal mehr die Notwendigkeit der Wiener Diözesanreform, "um die Kräfte zu bündeln, um Priester nicht mehr als Einzelkämpfer zu verheizen, um den Blick zu weiten". Es gelte, sich auf eine Gesellschaft einzustellen, die "viel mobiler ist und daher größere Aktionsradien hat".

Er habe aus vielen Gesprächen den Eindruck, dass es eine Aufbruchsstimmung gebe, sagte Schönborn: "Natürlich haben viele Menschen Sorge um ihre Pfarrgemeinde und sagen: Wie soll das gehen? Wir werden noch viel miteinander reden müssen und auch im Tempo behutsam sein." Aber gerade Papst Franziskus bestärke hier die Kirche in Wien: "Sein Ruf, hinauszugehen, nicht nur für uns selber da zu sein, die Nöte der Menschen wahrzunehmen, sich auf Neuland zu wagen, um Christus neu zu verkündigen - das ist ja genau das Ziel unserer Reform: Mission an erster Stelle."

Auf die Orden angesprochen sagte der Kardinal, dass diese in die Reform stark eingebunden und "ganz wichtige Mitdenker und Mitplanern im Diözesanprozess" seien. Schönborn: "Natürlich gibt es auch unter ihnen Skeptiker, aber auch viele, die entschieden mitmachen." Viele Orden sähen in der Reform auch die Chance, sich neu auf ihre ureigenen Charismen zu besinnen.

Konkret hätten etwa die Oblaten vom Hl. Franz von Sales aus eigenem Antrieb begonnen, ihre Pfarren im 19. Bezirk zusammenzufassen. Die Steyler Missionare organisierten eine "Pfarre neu" rund um den neuen Hauptbahnhof, wo 10.000 Menschen leben werden.

Für den Oktober 2013 kündigte Schönborn eine Vierte Diözesanversammlung an.

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