- 04.07.2013, 13:08:33
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Wiener Diözesanreform: Kardinal sieht "Ruck" durch neuen Papst
Erzbischof Schönborn in Interview mit Kirchenzeitung "Der Sonntag": Franziskus erinnert an Prioritäten - "Nöte der Menschen wahrnehmen, sich auf Neuland wagen" - Vierte Diözesanversammlung tagt im Oktober 2013
Utl.: Erzbischof Schönborn in Interview mit Kirchenzeitung "Der
Sonntag": Franziskus erinnert an Prioritäten - "Nöte der
Menschen wahrnehmen,
sich auf Neuland wagen" - Vierte Diözesanversammlung tagt im
Oktober
2013 =
Wien, 04.07.13 (KAP) Die Reform der katholischen Kirche in
Österreich muss vor Ort beginnen und kann nicht vom Vatikan und
Papst Franziskus erwartet werden. Das betonte Kardinal Christoph
Schönborn in einem Interview für die aktuelle Ausgabe der Wiener
Kirchenzeitung "Der Sonntag" (7. Juli), die jetzt redaktionell von
Michael Prüller geleitet wird. Er glaube nicht - so Schönborn -,
dass man in Rom "viel dazu tun kann, dass wir als christliche
Gemeinden in Österreich attraktiv sind; wir müssen schon selber
unsere Hausaufgaben machen".
Zugleich betonte der Wiener Erzbischof aber, dass mit dem neuen
Papst "ein Ruck durch die neue Kirche gegangen ist". Schönborn: "Es
ist heute so viel mehr Freude zu spüren."
Zur Frage, ob der neue Papst das Priesteramt auch für Verheiratete,
vielleicht sogar für Frauen öffnen könnte, meinte der Kardinal: "Ich
halte es nicht für wahrscheinlich, dass der Papst das tut. Vor allem
bin ich überzeugt, dass es unsere Probleme nicht beheben würde."
Man sehe bei anderen Konfessionen, wo beides längst üblich sei, dass
auch sie schwere Nachwuchsprobleme hätten und Gläubige verlieren.
Andererseits gebe es viele Gegenden auf der Welt, wo es viel größere
Pfarren als in Österreich gebe und weit weniger Priester, "und die
Kirche ist trotzdem sehr lebendig".
Schönborn bekräftigte einmal mehr die Notwendigkeit der Wiener
Diözesanreform, "um die Kräfte zu bündeln, um Priester nicht mehr
als Einzelkämpfer zu verheizen, um den Blick zu weiten". Es gelte,
sich auf eine Gesellschaft einzustellen, die "viel mobiler ist und
daher größere Aktionsradien hat".
Er habe aus vielen Gesprächen den Eindruck, dass es eine
Aufbruchsstimmung gebe, sagte Schönborn: "Natürlich haben viele
Menschen Sorge um ihre Pfarrgemeinde und sagen: Wie soll das gehen?
Wir werden noch viel miteinander reden müssen und auch im Tempo
behutsam sein." Aber gerade Papst Franziskus bestärke hier die
Kirche in Wien: "Sein Ruf, hinauszugehen, nicht nur für uns selber
da zu sein, die Nöte der Menschen wahrzunehmen, sich auf Neuland zu
wagen, um Christus neu zu verkündigen - das ist ja genau das Ziel
unserer Reform: Mission an erster Stelle."
Auf die Orden angesprochen sagte der Kardinal, dass diese in die
Reform stark eingebunden und "ganz wichtige Mitdenker und Mitplanern
im Diözesanprozess" seien. Schönborn: "Natürlich gibt es auch unter
ihnen Skeptiker, aber auch viele, die entschieden mitmachen." Viele
Orden sähen in der Reform auch die Chance, sich neu auf ihre
ureigenen Charismen zu besinnen.
Konkret hätten etwa die Oblaten vom Hl. Franz von Sales aus eigenem
Antrieb begonnen, ihre Pfarren im 19. Bezirk zusammenzufassen. Die
Steyler Missionare organisierten eine "Pfarre neu" rund um den neuen
Hauptbahnhof, wo 10.000 Menschen leben werden.
Für den Oktober 2013 kündigte Schönborn eine Vierte
Diözesanversammlung an.
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