• 19.06.2013, 18:15:31
  • /
  • OTS0299 OTW0299

WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Chaos statt Bereinigung - von Andre Exner

Am Ende eines ruinösen Preiskampfs steht der Ruin

Utl.: Am Ende eines ruinösen Preiskampfs steht der Ruin =

Wien (OTS) - Die Insolvenz des Bauriesen Alpine hat in der Baubranche
niemanden überrascht. Man wusste, dass bei den spanischen Banken
Leute sitzen, die bis vier zählen und den 90 Millionen Euro hohen
Verlust aus dem ersten Quartal aufs Gesamtjahr hochrechnen können.
Überraschend war nur, dass die typisch österreichische Lösung,
Probleme zumindest bis zu den Nationalratswahlen unter den Teppich zu
kehren, diesmal nicht funktioniert hat. Aber ein Baukonzern ist
leider keine Bank, der man "Systemrelevanz" andichten könnte, sondern
Realwirtschaft pur - bis hin zu den Schweißperlen auf der Stirn.

Diese Branche ist von Kapazitäten gekennzeichnet, die für den Markt
überdimensioniert sind; in Osteuropa, aber genauso auch in
Österreich. Alle Branchenplayer klagen seit Jahren über den "ruinösen
Preiskampf". Und am Ende eines ruinösen Preiskampfs steht der Ruin.
Die von einigen Mitbewerbern erhoffte Bereinigung wird die Insolvenz
der Nummer drei auf dem heimischen Markt dennoch nicht bringen.

Vielmehr ist das Chaos programmiert: Da ist der Mitbewerber Porr, der
quasi die Rosinen aus dem Alpine-Kuchen picken möchte und das
Österreich-Geschäft übernehmen will - der Widerstand der Gläubiger,
die in einem solchen Fall bestimmt mehr Quote als 20 Prozent fordern
würden, ist vorhersehbar. Da sind die Lieferanten und Subunternehmer,
die zu ihrem Geld kommen wollen und daher die Baustellen stürmen
könnten. Da sind die Arbeitsgemeinschaften mit anderen Großen wie
Strabag oder Swietelsky, wo die Arge-Partner automatisch haften und
jetzt eifrig das Kleingedruckte in ihren Verträgen studieren. Und da
ist natürlich auch die Politik, von der Regierung über die Opposition
bis hin zur Arbeiterkammer, die ja auch ein Wörtchen mitreden will.

Die - auch von Wirtschaftskammer-Chef Christoph Leitl geforderte -
"rasche Lösung" für die Mitarbeiter kann es in diesem Spannungsfeld
nicht geben, zumal das Insolvenzverfahren bis zum Herbst dauern soll.
Eine Lehre hat diese Insolvenz auch für Unternehmen aus anderen
Branchen: Rasche Expansion mit viel Klumpenrisiko - sprich der
Abhängigkeit von wenigen Großaufträgen - verbunden mit Preisdumping
führt selten zum Erfolg. Größe ist nicht alles, stattdessen braucht
es Flexibilität, Preismacht - und eine solide Kapitalbasis.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWB

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel