- 19.06.2013, 13:49:40
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SOS-Kinderdorf/Weltflüchtlingstag: Kasim hat es geschafft - und will anderen jungen Flüchtlingen helfen
Wien/Innsbruck (OTS) - Seit dem Jahr 2001 wird der 20. Juni unter
Federführung des UN-Flüchtlingshochkommissariats UNHCR als
Weltflüchtlingstag begangen und seit eben diesem Jahr betreut
SOS-Kinderdorf in Österreich unbegleitet minderjährige Flüchtlinge
auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden - im BIWAK in Hall/Tirol und im
SOS-Clearing-House in Salzburg. Insgesamt werden dort derzeit 61
jugendliche Flüchtlinge umfassend betreut: von Deutschkursen über
medizinisch-psychologische Versorgung und rechtliche Beratung bis hin
zu altersgerechter Freizeitgestaltung. Aktuell sind es
ausschließlich männliche Jugendliche, die meisten aus Afghanistan.
Kasim (27) aus Afghanistan war einer der ersten jugendlichen
Flüchtlinge, die von SOS-Kinderdorf betreut wurden. Heute lebt er in
Guntramsdorf/NÖ und studiert in Wien Betriebswirtschaft. Daneben
kümmert er sich um zwei afghanische Buben im SOS-Kinderdorf Pinkafeld
und hat eine Gemeinschaft gegründet, um afghanischen jungen
Flüchtlingen in Österreich zu helfen. Anlässlich des
Weltflüchtlingstages haben wir ihn einige Fragen gestellt und um
einige Gedanken gebeten. Hier eine kurze Zusammenfassung. Das ganze
Interview auf www.sos-kinderdorf.at
"Als ich 2000 in Österreich angekommen bin, hatte ich überhaupt
keine Perspektiven. Rund um das Asylantenheim gab es nichts, ich
konnte die Sprache nicht, ich durfte nicht in die Schule gehen. Es
war schwierig zu realisieren, dass man mir hier nichts von dem gab,
was ich als Kind brauchte. Ich hatte nicht einmal einen
Sozialarbeiter, der mir mit der Sprache hätte helfen können. Ich
verstehe nicht, warum gerade Kinder und Jugendliche isoliert werden.
Sie brauchen die Möglichkeit, sich zu entwickeln und zu integrieren.
Sie brauchen Kontakt mit Österreichern - sonst bleiben sie
automatisch im eigenen Kulturkreis. Ich wünsche mir, dass die, die
sich integrieren wollen, auf mehrere Gemeinden verteilt werden. Wenn
jeweils 2,3 oder 4 Jugendliche dann dort zur Schule gehen und einen
Deutschkurs machen, müssen sie sich mit dem Land, in dem sie leben,
auseinandersetzen. In Guntramsdorf war ich der einzige "Ausländer" -
da musste ich die Sprache lernen und mich mit den anderen klarkommen!
Aber das ist auch eine Kostenfrage, ich glaube nicht, dass der Staat
bereit ist, das durchzuziehen".
Mit der Afghanischen Gemeinschaft will Kasim vor allem afghanische
Jugendliche aus SOS-Kinderdörfern und Flüchtlingsangeboten
unterstützen, sich hier gut einzuleben und zu vernetzen. Kasim über
seine Wünsche für die Zukunft: "Ich will meinen Leuten helfen, vor
allem den Kindern. Einerseits will ich denen, die neu in Österreich
ankommen, als Übersetzer helfen, ihnen die österreichische Kultur
näher bringen und sie besser vernetzen. Andererseits würde ich gerne
den Kindern in Afghanistan helfen. Sie sollen zur Schule gehen und
eine Ausbildung machen können. Das ist meine Idee für die Zukunft".
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