• 24.05.2013, 19:00:21
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DER STANDARD-Kommentar: "Grüner Riese als Gartenzwerg" von Andreas Schnauder

"Fall Stepic zeigt, wie schwer sich Raiffeisen mit Managementproblemen tut"; Ausgabe vom 25.05.2013

Utl.: "Fall Stepic zeigt, wie schwer sich Raiffeisen mit
Managementproblemen tut"; Ausgabe vom 25.05.2013 =

Wien (OTS) - Das muss bei den selbstbewussten Raiffeisen-Granden
eingeschlagen haben: Die Offshore-Affäre von Herbert Stepic hat
postwendend zu dessen Rücktritt geführt und in der Bank eine
Führungslücke hinterlassen. Einen wie Stepic, der erst als
"Außenminister" das Osteuropageschäft aufbaute und dann die
Regentschaft übernahm, ersetzt man nicht so leicht. Für den
Generaldirektor ist der Abgang bitter, doch letztlich verdient der
Schritt Respekt. In der Politik haben derartige Konsequenzen
Seltenheitswert. Und auch in der Wirtschaft bringt man solche
Zäsuren in der Regel still und leise über die Bühne, ohne die wahren
Gründe für den Führungswechsel offenzulegen.
Stepic legt wert auf die Feststellung, dass seine
Immobilieninvestments Pojekt- und keine Offshore-Geschäfte waren.
Tatsächlich ist es jeder Privatperson unbenommen, sein Geld in
Wohnungen oder andere Anlagen rund um den Globus zu stecken.
Wahrscheinlich tun das auch die meisten. Letztlich lautet die
entscheidende Frage, ob die Profite ordnungsgemäß versteuert wurden,
was Stepic beteuert. Warum der Chef der Raiffeisenbank International
dann den Hut nehmen muss? Zumal die Bank selbst auf den Britischen
Jungferninseln, über die ein Investment von Stepic lief, eine
Dependance unterhält?
Da haben die so auf Bodenständigkeit Wert legenden Genossenschafter
dann doch die Zeichen der Zeit erkannt. Seit Wochen wird über
Bankgeheimnis und Steuerhinterziehung diskutiert. Und über die Rolle
der Finanzindustrie bei den Umgehungskonstruktionen für die
Abgabensünder. Gerade der grüne Riese mit seinen Moralansprüchen
konnte und kann sich keine Führungsfigur leisten, die auf der
Offshore-Leaks-Liste steht. Unabhängig von der Frage, ob Stepic ging
oder gegangen wurde: Im Ergebnis hat seine Aussage, aus Verantwortung
für Raiffeisen abzutreten, Gehalt.
Kein Bankchef kann es sich heute noch leisten, wegen moralisch
fragwürdiger Praktiken dauerhaft Schlagzeilen zu produzieren. Derer
gab es in den letzten Monaten schon viele - zu viele. Bereits die
Rückzahlung eines Teils seiner für 2012 kassierten Prämie war von
keiner allzu harmonischen Begleitmusik gekennzeichnet. Ein privates
Immobiliengeschäft in Serbien, in das die notverstaatlichte Hypo Alpe
Adria und auch ein paar Offshore-Firmen involviert waren, wurde nun
zwar formal nicht beanstandet, war aber auch nicht gerade
vertrauensbildend.
Generell zeigt das Phänomen Stepic aber auch, wie schwer sich die
Eigentümer und Organe mit ihren Spitzenmanagern manchmal tun. Der
Banker hatte die Weichen schon längst wieder auf Expansion gestellt,
obwohl noch jede Menge Staatshilfen in der RBI steckt und die
Kapitalausstattung der Bank nicht allzu üppig ist und mit allerlei
(legalen) Luftbuchungen aufgebessert wurde. Mehr als Murren hinter
vorgehaltener Hand war, etwa beim Kauf der Polbank im Vorjahr, nicht
zu hören. Erst als die jüngsten Enthüllungen das Fass zum Überlaufen
brachten, hat der Sektor reagiert.
Ähnlich lange wurde übrigens dem Aderlass bei der Uniqa oder bei der
Raiffeisen Holding zugesehen. Das spricht nicht gerade für die
Governance von Raiffeisen. Die Granden haben den Spagat zwischen
dezentraler Organisation und scharfer Kontrolle nicht geschafft. Die
jetzige Problemlösung mag Stepic zur Ehre gereichen, der grüne Riese
steht entscheidungsmäßig wie ein Gartenzwerg da.

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