• 21.05.2013, 12:10:17
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Offener Brief an Bundeskanzler Faymann

Gemeinsamer Appell von Umweltschutzorganisationen und Erneuerbaren-Verbänden im Vorfeld des EU-Gipfels

Utl.: Gemeinsamer Appell von Umweltschutzorganisationen und
Erneuerbaren-Verbänden im Vorfeld des EU-Gipfels =

Wien (OTS) - Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,

am 22. Mai tagt in Brüssel der Rat der Staats- und Regierungschefs.
Neben anderen Themen steht auch die Zukunft der europäischen
Energiepolitik auf der Tagesordnung. Unter anderem sollen die Ziele
für den Zeitraum bis 2030 diskutiert werden.

Heuer werden die 27 EU-Staaten mehr als 500 Mrd. Euro alleine für
Ölimporte ausgeben. Unsere Abhängigkeit von fossilen Energien macht
uns immer anfälliger für Preissteigerungen und Preisschwankungen.

Der einzige Weg aus dieser Abhängigkeit ist eine Verstärkung der
Ausbaupolitik für erneuerbare Energien, kombiniert mit einer
Steigerung der Energieeffizienz. Diese beiden Maßnahmen sind die
Säulen einer modernen, innovativen und gerechten Wirtschaft,
basierend auf einer sicheren und sauberen Energieversorgung.

Wichtig dabei ist, langfristige Ziele und nicht kurzfristige
Kostendebatten zentral zu stellen. Denn Szenarien belegen, dass
Investitionen in erneuerbare Energien und Energieeffizienz in
Vergleich zu einem Business-as-usual-Szenario auf Dauer zu einer
deutlichen Senkung der Energieausgaben führen, und dabei viele
Arbeitsplätze schaffen. Eine ambitionierte europäische Klima- und
Energiepolitik für den Zeitraum bis 2030 bringt die notwendige
Planbarkeit und Stabilität um die hierfür notwendigen Investitionen
auszulösen.

Derzeit lobbyieren Teile der europäischen Industrie für einen
Ausbaustopp für erneuerbare Energien. Stattdessen verlangen sie
Investitionen in eine europäische Schiefergasförderung, oder
Unterstützung für Atomenergie. Es ist wichtig, sich von diesen
Lobbybestrebungen nicht in die Irre führen zu lassen. Denn abgesehen
von den dramatischen Folgen für die Umwelt mehren sich die
Einschätzungen, dass die Schiefergasblase in den USA bald platzen
wird. Auch der rezente Rückzug namhafter Schiefergasunternehmen aus
Polen zeigt, dass Schiefergas für die europäische Energiepolitik
keine große Bedeutung beigemessen werden soll. Würde die EU die
Schiefergasförderung trotzdem in die Energiepolitik einfließen
lassen, dann ist die Gefahr groß, dass damit der notwendige Ausbau
erneuerbarer Energien verzögert wird.

Aus diesen Gründen bitten wir Sie, Herr Faymann, sich beim
Europäischen Rat für folgende Punkte einzusetzen:

- Eine EU-Politik für den Zeitraum bis 2030, mit drei ambitionierten
und verbindlichen Zielen für einen Erneuerbaren-Anteil, für
Energieeffizienz und für Treibhausgasemissionen. Der Anteil
erneuerbarer Energien in der EU soll in 2030 mindestens 45 Prozent
betragen, und die Treibhausgasemissionen sollen um mindestens 55
Prozent verringert werden.

- Eine Diskussion über die langfristigen Kosten und Nutzen der
europäischen Energieversorgung, statt eine kurzfristige Preisdebatte.

- Eine kritische Haltung zur Betrachtung von Schiefergasförderung als
erforderlich für die europäische Energieversorgung

Es würde uns sehr freuen, wenn Sie sich für diese wichtigen Punkte
einsetzen.

Mit freundlichen Grüßen,

Mag. Alexander Egit, Geschäftsführer Greenpeace

Dipl.-Ing. Roger Hackstock, Geschäftsführer Austria Solar

Dipl.-Ing. Dr. Horst Jauschnegg, Präsident Biomasseverband

Dr. Hans Kronberger, Präsident Photovoltaic Austria

Mag. Stefan Moidl, Geschäftsführer IG Windkraft

Dipl.-Ing. Josef Plank, Präsident Erneuerbare Energie Österreich

Dipl.-Ing. Martina Prechtl-Grundnig, Geschäftsführerin Kleinwasser
Österreich

Dr. Christian Rakos, Geschäftsführer ProPellets Austria

Dipl.-Ing. Gerald Steindlegger, Geschäftsführer WWF

Dr. Reinhard Uhrig, Geschäftsführer GLOBAL 2000

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