- 18.05.2013, 07:00:31
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Adipositas-Tag: Dicke Kinder haben geringere Chance auf ein gesundes Leben
ÖÄK-Ernährungsexperte Widhalm: Übergewicht unbedingt ernst nehmen
Utl.: ÖÄK-Ernährungsexperte Widhalm: Übergewicht unbedingt ernst
nehmen =
Wien (OTS) - "Ist ein Kind erst einmal übergewichtig, fällt die
Ernährungsumstellung schwer", warnte Universitätsprofessor Kurt
Widhalm, Referent für Ernährungsmedizin der Österreichischen
Ärztekammer (ÖÄK), in einer Aussendung am Samstag anlässlich des
europäischen Adipositas-Tages. Übergewicht ist EU-weit die häufigste
Gesundheitsstörung im Kindesalter, 15 Millionen Kinder leiden an
Adipositas. In Österreich sei man sich noch viel zu wenig bewusst,
dass die Weichen für ein gesundes Leben in der Kindheit gestellt
würden. Prävention, in diesem Fall vor allem Aufklärung, müsse bei
den Eltern beginnen, nur so könnten sie ihre Kinder zu einem gesunden
Essverhalten erziehen.
Es gilt als erwiesen, dass übergewichtige Kinder und Jugendliche auch
sozial schlechtere Karten haben: Sie sind stärker von Ausgrenzung
betroffen und entwickeln eher psychische Störungen, Depressionen oder
Minderwertigkeitsgefühle. Sie laufen eher Gefahr, als Erwachsene
unter orthopädischen Problemen, Diabetes oder der Todesursache Nummer
eins - Herz-Kreislauf-Erkrankungen - zu leiden. Erschreckend sei
auch, dass immer mehr übergewichtige Kinder und Jugendliche an
"Altersdiabetes" litten und die meisten hochgradig übergewichtigen
Jugendlichen schwere Gelenks- und Knorpelschäden aufwiesen.
Alarmzeichen erkennen - Ernährung gezielt umstellen
Ein Alarmzeichen sei es, wenn Kinder oder Jugendliche fünf bis sechs
Kilo in einem Jahr zunähmen, obwohl sie nicht in einer Wachstumsphase
seien. Widhalm: "Dann sollte man zum Arzt gehen, am besten zu einer
oder einem der über tausend Ärztinnen und Ärzte mit Diplom für
Ernährungsmedizin. Sie vermitteln den Eltern Basiswissen über den
Fett- und Zuckergehalt von Nahrungsmitteln und Getränken und
erstellen nach gründlicher Abklärung ein Ernährungsprogramm, das auf
den Gesundheitszustand des Kindes und seine Lebensumstände Rücksicht
nimmt." Ratschläge zu Ernährung und Bewegung seien nutzlos, wenn sie
nicht alltagstauglich seien und potenziell gefährlich, wenn sie ohne
ärztliche Abklärung erfolgten, etwa bei Lebensmittelallergien,
verstecktem "Altersdiabetes" oder Gelenksschäden. Erfahrungsgemäß
seien Kinder eher bereit, "anders" zu essen, wenn sie gemeinsam mit
den Eltern gesunde Lebensmittel einkaufen und zubereiten, sagte
Widhalm, der sich bewusst ist, dass dies für Berufstätige und
Alleinerziehende nicht immer leicht wäre.
Die Umstellung sollte in kleinen Schritten geschehen: Esse ein Kind
z.B. drei Schokoriegel am Tag, könne ein erster Schritt sein, einen
davon durch Vollkornbrot mit magerem Käse zu ersetzen. Besonders
wichtig sei der Verzicht auf Fastfood und Softdrinks, die fast
ausnahmslos zu fett, zu salzig und zu stark gezuckert seien. Hierbei
verwies Widhalm auf eine auch in Österreich "längst fällige" Debatte
über irreführende Lebensmittelwerbung, wie sie in Deutschland etwa
von Ernährungsmedizinern und Konsumentenschützern geführt werde.
Bewegung sei die zweite Säule der Prävention: "Hin und wieder ein
bisschen im Hof herumzulaufen genügt aber nicht", so der ÖÄK-Experte.
Betreibe das Kind aber auch nur zwei- bis dreimal pro Woche für 30
bis 45 Minuten einen Sport, der ihm Freude macht, sei das schon eine
effektive Vorbeugung bzw. Unterstützung beim Abnehmen.
Nationale Aufklärung gefordert - wertvolle Schulärzte-Daten nutzen
Eine nationale Aufklärungsinitiative und ein Maßnahmenkatalog seien
dringend nötig. Widhalm: "Immens hilfreich wären hier die von
Schulärzten erhobenen Daten, die aber derzeit weder veröffentlicht
noch genützt würden und auch erst zusammengefasst und ausgewertet
werden müssten." Es sei unverständlich, dass das nicht längst
geschehe, so der ÖÄK-Referent für Ernährungsmedizin. (ar/bk)
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