- 16.05.2013, 18:15:31
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WirtschftsBlatt-Leitartikel: Ein "gefährliches Experiment" - von Herbert Geyer
Wenn es schiefgeht, bleibt Japan nur: Außer Spesen nichts
Utl.: Wenn es schiefgeht, bleibt Japan nur: Außer Spesen nichts =
Wien (OTS) - Ein Fondsmanager, den wir in unserem Bericht über das
überraschend große japanische Wirtschaftswachstum im ersten Quartal
zitieren (s. Seite 18), nennt es ein "gefährliches Experiment" - und
es fällt schwer, ihm zu widersprechen: Durch bloße Ankündigung
massiver staatlicher Investitionen auf Pump und durch die Ankündigung
der Notenbank, die dadurch steigenden Defizite durch exzessiven
Aufkauf von Anleihen zu finanzieren, ist es Japan gelungen, sich am
eigenen Zopf aus der Rezession zu ziehen und - zumindest einmal für
ein Quartal - ein Wachstum zu generieren, um das die USA (von Europa
ganz zu schweigen) das Land beneiden müssen.
Sie tun es zähneknirschend. Denn einen großen Teil der Zeche zahlen
die Amerikaner und Europäer: Die japanischen Ankündigungen haben
zunächst einmal den Yen auf Talfahrt geschickt und damit japanischen
Exporteuren einen Preisvorteil gegenüber ihren Konkurrenten in der
Alten und der Neuen Welt verschafft, der gegenüber dem Herbst, als
Premier Shinzo Abe sein "gefährliches Experiment" startete, bereits
rund 30 Prozent ausmacht.
Noch ist allerdings nicht sicher, ob der Neid des Rests der Welt auch
berechtigt ist. Denn das eigentliche Ziel der lockeren Geld- und
Budgetpolitik - die hartnäckige Deflation zu bekämpfen, die Japan nun
schon seit fast zwei Jahrzehnten lähmt - ist bei Weitem noch nicht
erreicht. Japans Verbraucherpreise schrumpfen nach wie vor, obwohl
der geschwächte Yen natürlich auch Importwaren (und insbesondere
Treibstoffe) verteuert.
Nach den Lehrbüchern der Volkswirtschaft müsste das zusätzlich in den
Kreislauf gepumpte Geld ebenso die Inflation antreiben wie der durch
die Voodoo-Politik von Regierung und Notenbank angefeuerte Konsum.
Wenn das in den nächsten Quartalen wirklich geschieht (wovon momentan
nichts zu sehen ist), dann ist das "gefährliche Experiment" wohl als
gelungen zu betrachten.
Steigen die Preise aber nicht, dann gilt auch für Japans
Wirtschaftspolitik: Außer Spesen nichts gewesen.
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