- 13.05.2013, 17:31:48
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Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Die Saat des Bösen"
Ausgabe vom 14. Mai 2013
Utl.: Ausgabe vom 14. Mai 2013 =
Wien (OTS) - Die fünf Agrarkonzerne Monsanto, Pioneer, Syngenta,
Limagrain und Bayer kontrollieren weltweit zirka 63 Prozent des
Saatguts, das mit Eigentumsrechten geschützt ist. Sie bestimmen also
wesentlich, was wir essen, indem sie den Bauern vorschreiben, was sie
anbauen.
Kartoffel-Kartell; für Bienen schädliche Pestizide und die
zunehmenden Monokulturen in der Landwirtschaft haben einen
gemeinsamen Nenner: die Konzentration des Saatgut-Geschäftes in den
Händen einiger weniger.
Diese Agrarkonzerne sind ebenso bestimmend im Geschäft mit der
Agrarchemie (früher sagte man dazu Spritzmittel), und das Saatgut
wird immer spezieller auf bestimmte Pflanzenschutzmittel abgestimmt.
Wenn also ein Unternehmen Saatgut auf den Markt bringt, das nur noch
mit dem konzerneigenen Spritzmittel von Schädlingen befreit werden
kann, endet jeder Wettbewerb. Warum die EU-Wettbewerbsbehörde hier
nicht genauer hinschaut, bleibt vorerst ein Rätsel. Dass die Konzerne
in unzähligen Lobbying-Agenturen präsent sind, mag als Anhaltspunkt
dienen. In Österreich haben sie immerhin die
Bienensterben-Pestizid-Studie des Landwirtschaftsministeriums
finanziert.
Nun tun diese Konzerne im Grunde nur das, wofür sie gegründet wurden:
in einem bestimmten Wirtschaftsbereich möglichst lukrative Geschäfte
zu machen. Die Grenzen dafür muss aber die Politik bestimmen. Derzeit
entsteht der fatale Eindruck, dass nur die Konzerne bestimmen, was
geschieht.
Gerade in der Landwirtschaft muss aber die Pflanzenvielfalt ein
Parameter für die Legitimität der hohen Subventionen sein. Das
bedingt eine gewisse Demokratisierung des Saatguts. Warum soll
Limagrain bestimmen können, welches Gemüse die Europäer essen?
Und warum sollen Monsanto oder Syngenta vorschreiben können, welche
Getreidefrüchte die Bauern auf ihren Feldern aussäen? Umso mehr, als
die Resistenz des Saatguts gegen bestimmte Schädlinge eine Sicherheit
vorgaukelt, die nur zu Monokulturen führt. Fruchtfolge ist auf vielen
Ackerflächen nur noch eine theoretische Möglichkeit der
Bodengesundheit.
Auch wenn Agrarkonzerne in Bauerbund-Zeitungen und europaweiten
Veranstaltungen ihre finanzielle Potenz zeigen: Die Politik muss
ihnen mit Macht Einhalt gebieten. Bauern und Konsumenten haben diese
Macht in dem Fall nicht.
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