• 13.05.2013, 09:46:52
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Ohne Aufpasser geht es nicht - von Günter Fritz

Liberalisierung ohne Wettbewerbshüter ist zum Scheitern verurteilt

Utl.: Liberalisierung ohne Wettbewerbshüter ist zum Scheitern
verurteilt =

Wien (OTS) - Die jüngsten Fälle, in denen Unternehmen wegen
Kartellvergehen zu Strafen in Millionen-Euro-Höhe verurteilt wurden -
von Berglandmilch über Philips Austria oder Leipnik Lundenburger bis
zur Voestalpine - sind nur die Spitze des Eisbergs. Denn noch öfter
prüfen die Wettbewerbsbehörden ohne größere Aufmerksamkeit vermutete
Absprachen zwischen Marktteilnehmern, führen Hausdurchsuchungen durch
oder nehmen geplante Zusammenschlüsse unter die Lupe. Die betroffenen
Unternehmen reagieren nicht selten mit Unverständnis oder Protesten
wie beispielsweise im Fall von Rewe Austria, wobei es da letztlich
doch noch zu einer einvernehmlichen - aber geheim gehaltenen - Lösung
kam.

Klar ist, dass der freie Markt ohne Wettbewerbshüter viel weniger
frei und für die Kunden beziehungsweise Konsumenten wesentlich
nachteiliger wäre. Warum das so ist, bringt auch der
WirtschaftsBlatt-Round-Table zum Thema Monopole (auf Seite 6) zum
Ausdruck: Vier Experten aus den verschiedensten Branchen berichten
dort aus ihrer langjährigen Erfahrung über die Probleme, die
Liberalisierung mit sich bringen kann. Egal ob es sich um
Abfallentsorgung, Telekommunikation, Eisenbahn oder Rundfunk handelt,
überall ähneln sich die Schemata und Methoden, mit denen Monopolisten
auf in den Markt eintretende Mitbewerber reagieren. Den neuen, meist
viel kleineren und finanzschwächeren Eindringlingen wird das Leben
möglichst schwer gemacht - oft mit hinhaltendem Widerstand und mit
Hilfe von Verbündeten im staatlichen Bereich. Hier müssen dann
Regulatoren dafür sorgen, dass alle zu den gleichen Bedingungen
konkurrenzieren können. Dann - nach dem Zulassen neuer Anbieter und
der Zerschlagung der alten - setzt eine markt- und
finanzwirtschaftliche Dynamik ein, die wieder zu Reoligopolisierungen
oder Monopolisierungen führt. Die Teilnehmer im liberalisierten Markt
matchen sich mit den härtesten Bandagen und niedrigsten Preisen,
sodass es die Schwächeren wieder aus dem Geschäft spült - und die
verbliebenen Größeren den Markt unter sich aufteilen können. Das ist
der Punkt, an dem dann wieder die Wettbewerbsbehörden ins Spiel
kommen, damit die errungene Liberalisierung nicht unter die Räder
kommt. Fazit: Ohne Aufpasser geht in der Marktwirtschaft nichts, auch
wenn immer wieder darüber lamentiert wird.

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