• 08.05.2013, 14:56:42
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GBV-Verbandstag: Wurm fordert Kurskorrektur für leistbares Wohnen

Normen und Auflagen durchforsten - Mietwohnungsangebot erhöhen

Utl.: Normen und Auflagen durchforsten - Mietwohnungsangebot erhöhen =

Wien (OTS) - Die Leistbarkeit des Wohnens ist zuletzt zunehmend unter
Druck geraten. Grund dafür sind stark gestiegene Wohnungsmieten im
privaten Sektor und ein in den Ballungsräumen auftretender Mangel an
günstigen Mietwohnungen. Wenn es um leistbares Wohnen geht, spricht
objektiv alles für die gemeinnützigen Bauvereinigungen (GBV). Ihre
Mieten liegen nicht nur bis zu 30% deutlich unter Marktniveau,
sondern haben sich auch nur im Ausmaß der VPI-Steigerungen erhöht. In
den letzten Jahren haben jedoch Fehlentwicklungen im geförderten
Wohnbau Platz gegriffen, die das erschwingliche Wohnen und die
Bereitstellung eines ausreichenden Wohnungsangebotes immer mehr
gefährden. Mit diesen Trends und ihren Ursachen beschäftigte sich am
Donnerstag der Verbandstag der gemeinnützigen Wohnungswirtschaft in
St. Pölten. Als wesentliche Kostentreiber machte GBV-Obmann Karl Wurm
in seiner Rede die überbordenden energetischen Öko-Qualitäten der
Gebäude und die Flut bautechnischer Normen verantwortlich.
Untermauert wurden die baukostentreibenden Faktoren in einer
aktuellen Studie zu den Nutzungs- und Investitionskosten in
GBV-Wohnbauten, die Christian Krainer, Vorsitzender des Technischen
Ausschusses im Verband gemeinnütziger Bauvereinigungen, präsentierte.
Wurm: "Der Qualitätshype im energetisch-technischen Bereich muss ein
Ende haben, ansonsten sprengen wir unser erfolgreiches Modell der
objektorientierten Wohnbauförderung in die Luft."

Die von Krainer vorgestellte GBV-Studie belegt, dass die
Kostenvorteile durch die Energieeinsparung in Passiv- und
Niedrigstenergiehäusern die zusätzlichen Investitions- und
Wartungskosten bei weitem nicht kompensieren können. Im 35-jährigen
Betrieb kommen diese sogar um 135 Euro/m2 teurer als herkömmliche
Niedrigenergiebauten. "Wenn Niedrigstenergiequalität auch weiterhin
politisch gewünscht wird, braucht es hierzu eine 100-prozentige
Abfederung durch die Wohnbauförderung", erklärte der Vorsitzende des
Technischen Ausschusses.

GBV-Obmann Wurm problematisierte in seinem Referat die höheren
energetischen Anforderungen im geförderten Wohnbau vor allem durch
die Erhöhung des Energieeffizienz-Levels von 2010 auf 2012, das sich
mit mehr als 100 Euro/m2 in den Investitionskosten zu Buche schlägt.
Ebenso zu hinterfragen ist dabei der "nationale Plan" zur Erreichung
des Niedrigstenergiestandards 2020, der aus Sicht des GBV-Verbandes
jedenfalls keine kostenoptimalen Lösungen für den leistbaren Wohnbau
mit sich bringt.

Zur Sprache gebracht wurden im Rahmen der GBV-Tagung auch die
kostentreibenden Auswirkungen durch ein überbordendes und von
praxisfernen "Fachexperten" und Beiräten vorangetriebenes Normenwesen
im Bereich des Brandschutzes und der Barrierefreiheit in Wohngebäuden
sowie der überzogenen Verpflichtungen zur Errichtung von
Autoabstellplätzen. Ein Tiefgaragenabstellplatz kostet zwischen
12.000 Euro und 18.000 Euro. In Wien stehen rd. 9.000 dieser Plätze
leer, was enorme Kosten für die GBV zur Folge hat.

Bei einem Abspecken der preistreibenden Normen und Standards darf
es allerdings nicht bleiben, betonte der GBV-Obmann. Leistbares
Wohnen erfordert besonders in den Ballungsregionen eine Erhöhung des
Angebots an geförderten Mietwohnungen um rd. 7.000 Einheiten pro
Jahr. Wurm trat dabei für eine verstärkte Differenzierung des
Neubauangebots entsprechend der finanziellen Leistungsfähigkeit der
Wohnungsnachfrager ein. Dazu braucht es neben der Wohnbauförderung
auch neue Finanzierungsformen.

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