- 08.05.2013, 14:03:12
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IKT Trends 2020: Elektronik aus Europa

Wien (OTS) - Die Österreichische Computer Gesellschaft (OCG) setzte
gemeinsam mit dem bmvit am 7. Mai 2013 die Veranstaltungsreihe unter
dem Titel "IKT Trends 2020" fort. Als Keynotespeaker stellte Reinhard
Ploss von Infineon Technologies AG einen möglichen Weg vor, die
Zukunft der Industrie in Europa durch das Fokussieren von Kompetenzen
zu gestalten.
Reinhard Ploss, Vorstandsvorsitzender der Infineon Technologies
AG, beleuchtete in seiner Keynote längerfristige industrielle
Perspektiven, vor dem Hintergrund der gegenwärtigen europäischen
Debatte zur Reindustrialisierung. "Um den Weg in die Zukunft zu
gestalten, ist auch immer ein Blick zurück notwendig", leitete Ploss
seinen Vortrag ein. Nicht nur lokale Überlegungen, sondern globales
Denken ist notwendig, um Europa für die Zukunft wettbewerbsfähig zu
machen. "Die Lösung kann dann durchaus im Lokalen liegen", so Ploss.
China wird in Zukunft eine immer größere Rolle spielen. China hat
heute noch einen großen Footprint im Bereich Fertigung, entwickelt
seine Kompetenzen aber mit großem Tempo weiter.
Um Entwicklungen in Europa voranzutreiben, muss der Blick aus
Europa gerichtet werden - d.h. nicht auf den Wettbewerb in Europa,
sondern auf den globalen Wettbewerb, in dem Europa steht. Was sind
die heutigen Herausforderungen? Wie kann sich Europa differenzieren?
Bei welchen Kompetenzen hat Europa einen Vorsprung und wie lange kann
dieser gehalten werden? "In der Chipherstellung hält ein Vorsprung
maximal für ein bis zwei Jahre", so Ploss. Für die Zukunft bedeutet
das: Erst das Verknüpfen einzelner Kompetenzen miteinander bringt
Nachhaltigkeit. Zentral für den künftigen wirtschaftlichen Erfolg
Europas sind die Key Enabling Technologies (KET), also
Schlüsseltechnologien wie die Mikro- und Nanotechnologie -
einschließlich Halbleiter. "Kompetenzen zu den richtigen Themen
zusammenzuführen und das in der richtigen Geschwindigkeit", damit
kann laut Ploss der Weg in die Zukunft der Industrie in Europa
gestaltet werden. Ploss warnt allerdings vor der "Verzettelung" -
"damit werden keine Brücken gebaut". Infineon empfiehlt daher als
Strategie für Europa, KET mit Pilot Linien (Pilot Lines) zu
verbinden.
Mit den Worten, "Innovationen in Kernkompetenzen" und "den Dingen,
die wir tun, Bedeutung zuordnen", schließt Ploss seinen Vortrag.
Axel Freyberg von A.T. Kearney Deutschland gab im Anschluss einen
Überblick über die Zukunft von High Tech in Europa. Es gilt die
Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in Europa zu steigern. Dazu ist
ein Überblick über alle Bereiche der Industrie notwendig. Das
Wachstum passiert im Moment in Asien. High Tech ist ein wichtiges
Segment in Europa. Europa hat an Wettbewerbsfähigkeit verloren. Die
Gründe dafür sind vielfältig. Wenig Innovation, die an den Markt
gekommen ist, Ausbildungsproblematik und strategische Fehler in der
Vergangenheit, auf was man fokussiert hat, sind nur einige der
Punkte, die Freyberg als Begründung anführt. "Der Status von IKT und
High Tech muss verbessert werden. IKT Sektoren sind key enabler für
andere Industriebereiche", so Freyberg. Auch er empfiehlt, eine
Fokussierung auf das, was gemacht werden soll und eine klare
Entscheidung, was nicht gemacht werden soll. Eine Intensivierung der
Kommunikation über IKT und ihre Wichtigkeit ist dringend notwendig.
Das anschließende prominent besetzte Panel stellte sich den Fragen
von Moderator Richard Hagelauer, Johannes Kepler Universität Linz.
Was muss Europa tun, um den großen Human Capital der Chinesen und
auch der Inder entgegen zu halten? Das 20. Jahrhundert war das Jahr
der Amerikaner. Wird das 21. Jahrhundert das Jahr der Chinesen oder
auch der Inder? Alois Ferscha kontert hier mit einer Gegenfrage:
Warum gibt es keine europäischen Unternehmungen, die einem google,
facebook und Co gleich kommen würden? Ferscha beantwortet polemisch
seine Frage selbst: Weil es zu wenig Garagen in Europa gibt. "Letztes
Jahrhundert war das Jahrhundert der Amerikaner, weil es viele Garagen
gegeben hat. Bill Gates hat in einer Garage begonnen." Unpolemisch
formuliert, spricht Ferscha hier die Förderpolitik in Europa an.
"Auch mit Horizon 2020 werden in Europa keine Garagen gebaut."
Freyberg ergänzt hier, nicht alle Sachen sind mit Geld zu lösen -
Vorbilder schaffen, Erfolge feiern, mehr Kommunikation rund um die
IKT ist mindestens genauso wichtig. Im Zusammenhang von Förderung von
Forschung und Innovation, erwähnt Wolfgang Pribyl von Joanneum
Research die Bedeutung der sozio-ökonomischen Aspekte unter dem
Stichwort "die Mentalität der Managementstrukturen", die Möglichkeit
der gemeinsamen Nutzung von Labs (EUROPRACTICE
http://www.europractice.com/) und ebenso die Wichtigkeit der
Kommunikation, wobei er betont, hier schon im Vorschulalter
anzusetzen, um das Interesse für IKT zu wecken.
Über IKT Trends 2020:
IKT Trends 2020 ist eine Veranstaltungsreihe der Österreichischen
Computer Gesellschaft (OCG) in Kooperation mit dem Bundesministerium
für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit). Das bmvit fördert
mit dem Programm "IKT der Zukunft"
(http://www.bmvit.gv.at/innovation/ikt) anspruchsvolle Innovation und
Technologieentwicklung. Als eines der Formate für den Zukunftsradar
dieses nationalem Forschungsprogramms dient unter anderem die
Veranstaltungsreihe "IKT Trends 2020", die zu einem tieferen
Verständnis der IKT und ihrer Charakteristik beitragen soll. IKT ist
bereits jetzt ein Phänomen von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung mit
weithin unterschätzten, tiefgreifenden Auswirkungen. In mehreren
Veranstaltungen werden Trends und zukunftsträchtige
Entwicklungsmöglichkeiten im Bereich IKT aus verschiedenen
Perspektiven präsentiert. Die Reihe startete im Jänner 2013 mit einer
Keynote von Moshe Rappoport, IBM Research Schweiz
(http://www.ocg.at/ikt-trends-2020).
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