- 07.05.2013, 18:25:03
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Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Apis mellifera"
Ausgabe vom 8. Mai 2013
Utl.: Ausgabe vom 8. Mai 2013 =
Wien (OTS) - Die "Westliche Honigbiene" (im Titel ihre
wissenschaftlich korrekte Bezeichnung) ist ein Symbol für Fleiß und
die Bildung eines arbeitsamen, wohlhabenden Staates. Nikolaus
Berlakovich tat also gut daran, seine - in diesem Fall völlig
unmaßgebliche - Meinung zum Einsatz von bestimmten Pestiziden zu
ändern. Die EU spricht das Verbot sowieso aus, Berlakovich war von
Beginn an in einer Minderheit. Aber schön, dass er seine Ansicht
geändert hat, die ÖVP kann das beim "Bienen-Gipfel" formulierte
Pestizidverbot im Agrarausschuss des Nationalrates am 15. Mai
eindrucksvoll bestätigen.
Daran hätte auch der arbeitsame, wohlhabende Staat seine Freude. Der
Landwirtschaftsminister argumentierte seine ursprüngliche Ablehnung
des Pestizidverbots mit einem drohenden Mindererlös für die
Landwirtschaft in Höhe von "50 bis 60 Millionen Euro". Grund: Manche
Raps-, Mais- und Erbsenfrüchte gedeihen nur noch, wenn dieser
Pflanzenschutz eingesetzt wird.
Die Biene hilft ihm auch aus dieser Notlage. Ihr
volkswirtschaftlicher Nutzen aus der Bestäubung der Kulturpflanzen
liegt in Österreich bei mindestens 200 Millionen Euro, EU-weit sollen
es 14,4 Milliarden sein.
Und sollte dem Landwirtschaftsminister das immer noch zu wenig sein,
so sei er auf den Rechnungshofbericht sein Ministerium betreffend
verwiesen. Da könnte gespart werden. Das "land-, forst- und
wasserwirtschaftliche Rechenzentrum" (LFRZ) hat für die Homepage und
sonstige Leistungen des Ministeriums in den vergangenen zehn Jahren
mehr als 70 Millionen Euro erhalten. Innenrevision und die (parallel
existierende) IT-Abteilung des Ministeriums waren darin nicht
eingebunden.
Das Schöne am LFRZ ist, dass es sich dabei um einen Verein handelt,
der vom Landwirtschaftsministerium gegründet wurde. Spitzenbeamte des
VP-geführten Ministeriums sind die Eigentümer des Rechenzentrums, das
von Aufträgen desselben Ministeriums lebt. Die Praxis wird seit 2001
vom Rechnungshof gerügt, geändert hat sich bisher nichts. Warum das
für den öffentlichen Dienst gegründete Bundesrechenzentrum das nicht
ebenso gut, vielleicht sogar billiger, erledigen kann - wir wissen es
nicht.
Da ist es gut, dass die Österreicher wie die Bienen einen
arbeitsamen, wohlhabenden Staat gebildet haben. Die Hände im
Honigtopf haben leider vergleichsweise wenige.
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