- 06.05.2013, 20:20:35
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Deutliches Signal an den Iran Leitartikel von Michael Stürmer über die israelischen Luftangriffe und den Bürgerkrieg in Syrien
Berlin (ots) - Es muss schwer gerumst haben in der Nacht auf Sonntag,
westlich von Damaskus, und der Nachthimmel war noch lange hell
erleuchtet von den Explosionen unweit des Flughafens. Was brannte,
waren iranische Mittelstreckenraketen, die der schwer bedrängte
Bashar al Assad wahrscheinlich an die Hesbollah im Südlibanon liefern
wollte. Auch wenn die Einzelheiten sich bisher im Nebel des Krieges
verbergen, ist kaum ein Zweifel, dass es die israelische Luftwaffe
war, welche die Raketen am Boden und im Boden vernichtet hat.
Es war Notwehr. Denn die Reichweite dieser Raketen umfasst ganz
Israel. Mit chemischen Gefechtsköpfen bestückt, bedeuten sie tödliche
Bedrohung. Die israelischen Jagdbomber haben dagegen nicht nur die
von Russland gelieferte Luftabwehr der Syrer überwunden, sondern
offenbar auch bunkerbrechender Superwaffen eingesetzt. Dass diese aus
amerikanischen Lieferungen stammen, ist anzunehmen. Damit
signalisieren die USA zugleich den Iranern, dass ihre Nuklearrüstung
auch in den tiefsten Bergverstecken nicht mehr unverwundbar ist.
Israel ist zu klein, um in der Bedrängnis abzuwarten und strategisch
Raum gegen Zeit zu tauschen. Staatsräson ist es, jeden Krieg im
Vorfeld, geographisch oder strategisch, abzufangen. Der Einsatz von
Chemiewaffen durch Syrien ist die eine rote Linie, die andere die
Lieferung von Mittelstreckenraketen mit Reichweiten vom Libanon bis
Eilat. Aus Gründen des Überlebens wie zur Abschreckung erfolgte der
Angriff von Sonntagfrüh. Kann daraus ein allgemeiner Nahostkrieg
entstehen?
Aus dem arabischen Frühling ist in Syrien längst ein blutiger Winter
geworden, und niemand weiß, wie der Bürgerkrieg zu beenden ist, der
immer mehr ausgreift. Die Rebellen sind untereinander zerstritten
zwischen Säkularisten und Islamisten und nur einig im Hass auf das
Regine - und in dem Zorn auf Israel. Teile der Aufständischen suchen
bei al Qaida Unterweisung, Waffen und Dollars.
Für den Westen und auch für die arabischen Staaten wird die
Unterscheidung zwischen Guten und Bösen immer unklarer. Eingreifen
des Westens wird dadurch zum strategischen Würfelspiel. Außerdem
kommen aus Moskau, wo Syrien als Schützling gilt, drohende Geräusche.
Die lautstarken Proteste aus Ägypten und anderen Ländern des
arabischen Krisenbogens sind nicht zum Nennwert zu nehmen. Sie sollen
die Straße beruhigen, während die sunnitischen Machteliten mit
Schadenfreude zusehen, wie die schiitischen Gegner geschwächt werden.
Für den Iran und dessen Griff nach der Macht am Golf und über die
arabische Halbinsel gibt es, außer bei der alawitischen Minderheit,
die in Damaskus bisher an der Macht ist und Unterstützung aus Iran
erfährt, keine Sympathie.
Kann der Krieg sich ausweiten? Assad hat genug damit zu tun, sich
selbst zu retten. Seine Unterstützer, Iran und Russland, werden bis
zum letzten Syrer kämpfen lassen, aber nicht aktiv eingreifen. Israel
wird weiterhin auf Prävention aus der Defensive setzen, Washington
abwarten. Doch, wie Clausewitz bemerkte, im Krieg ist die
Überraschung zu allen Zeiten ein wichtiger Faktor.
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