• 02.05.2013, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Das Zinsentief ist für immer - von Andre Exner

Nur tiefe Zinsen verhindern eine Eskalation der Schuldenkrise

Utl.: Nur tiefe Zinsen verhindern eine Eskalation der Schuldenkrise =

Wien (OTS) - Mit 0,5 Prozent haben wir in Europa ab sofort die
tiefsten Leitzinsen aller Zeiten, und die USA halten den Leitzinssatz
seit Langem bei null bis 0,25 Prozent. Zugleich greifen EZB und Fed
mit Stützkäufen auf dem Staatsanleihenmarkt ein. Trotzdem rätseln
Analysten und Wirtschaftsforscher, wann Mario Draghi und Ben Bernanke
die Leitzinsen wieder erhöhen werden. Dabei ist die Antwort ganz
einfach: nie wieder. Denn nur tiefe Zinsen und aktive Notenbanken
können eine weitere Eskalation der Schuldenkrise in den USA und in
der Eurozone verhindern.

Mal ehrlich: Was würde in Europa passieren, würde die EZB nicht
massiv Anleihen notleidender Staaten auf dem Sekundärmarkt aufkaufen?
Was, wenn die Banken Italiens oder Spaniens nicht zu Nullzinsen
Milliarden von der EZB bekommen würden, um diese in Anleihen Italiens
und Spaniens zu stecken?

Welche Folgen gar ein Ende des "Quantitative Easing" (QE), also des
Gelddruckprogramms der Fed, für die USA hätte, hat jetzt die
Washingtoner Behörde Treasury Borrowing Advisory Committe (TBAC)
ausgerechnet: Würde die Fed nicht maßlos Staatsanleihen kaufen,
stiege die Zinslast der Staatsschulden der USA von 1,6 auf 4,3
Prozent. Das wäre allein schon eine Verdreifachung. Doch bei
Langfristprognosen muss nicht nur die Zinslast, sondern auch der
erwartete Anstieg des Schuldenstands berücksichtigt werden: Heuer
muss die US-Regierung 205 Milliarden $ (das entspricht der Hälfte des
österreichischen BIP, Anm.) in die Hand nehmen, um die Staatsschulden
zu finanzieren - laut TBAC würde diese Summe sich ohne "QE" bis 2023
mehr als vervierfachen, auf 855 Milliarden $. Italien, Spanien und
bald auch Frankreich stünden bei höheren Leitzinsen und höheren
Finanzierungskosten vor ähnlichen Horrorszenarien.

In Wirklichkeit wissen das alles auch die Analysten und
Wirtschaftsforscher längst. Sie wollen es nur nicht direkt
kommunizieren. Doch durch die Blume sagen sie es bereits. "Die Fed
wird so lange weiter Staats- und Immobilienpapiere aufkaufen, bis
ihre Ziele für die Inflation und die Arbeitslosenquote in den USA
erreicht werden", heißt es etwa im neuesten Kommentar des weltgrößten
Fondsanbieters Fidelity. "So lange" - also für immer. Denn die
genannten Ziele sind leider unerreichbar.

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