• 29.04.2013, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die Unterschiede werden noch größer - von Patrizia Reidl

Theoretisch funktioniert so manches besser als praktisch

Utl.: Theoretisch funktioniert so manches besser als praktisch =

Wien (OTS) - Eigentlich wäre in "Osteuropa" alles so easy. Da gibt
es etwa den berühmten Nachholbedarf, auch in puncto Abfallwirtschaft.
Aufholen und an westliche Niveaus anpassen lautet auch bei
Müllentsorgung, Recycling und Abwasserklärung die Devise für
Tschechien, Slowakei, Rumänien und Co. Den Antrieb für den Auf- und
Nachholprozess liefern und lieferten diverse EU-Richtlinien und
-Verordnungen und die dazugehörigen Gelder, die aus den Töpfen der
großen europäischen Familie fließen. Seit Jahren an vorderster Front
im Bereich Abfall und allen artverwandten Themen mit dabei: die
österreichischen Unternehmen - Saubermacher, AVE, ASA und viele
andere. Ohne deren Expertise und technisches Know-how würde der
Aufholprozess in Sachen Abfall in den Ländern nicht funktionieren.

Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Theoretisch
funktioniert so manches besser als praktisch. Da ist einmal
"Osteuropa". Der Begriff in seiner ganzen undifferenzierten Breite
wird bei Weitem der Realität nicht mehr gerecht. Genaue Beobachter,
zumal Unternehmer, wissen das: Die Länder der Region sind
mittlerweile, waren es eigentlich immer schon, ziemlich
unterschiedlich, auch im Aufholprozess.

Und das bringt uns zum zweiten Punkt: Die Abfallwirtschaft, die in
manchen dieser Länder offenbar nicht so läuft, wie sich die Menschen
aus dem Westen das vorgestellt haben. Das eine oder andere
Unternehmen erwägt den Rückzug aus dem einen oder anderen Land oder
sogar aus der ganzen Region. Siehe Saubermacher und der Verkauf einer
Beteiligung in Ungarn vergangenes Jahr und der für das Unternehmen
denkbare Komplettrückzug aus Rumänien. Oder siehe das
oberösterreichische Abfallwirtschaftsunternehmen AVE, das sich gleich
vom gesamten Osteuropa-Geschäft trennen will, wie es vor einigen
Wochen angekündigt hat. Zu viele teure Investitionen würden anstehen,
heißt es.

Troubles in Ungarn, nicht erfüllte Hoffnungen in Rumänien: Die
wirtschaftliche Lage, sprich Misere, in manchen Ländern der Region
lädt Unternehmen nicht zum Investieren ein. Es ist ihnen nicht zu
verdenken. Kleiner Sidestep: Ungarn ist ein Sonderfall. Dort
verunsichert ein seit drei Jahren amtierender Ministerpräsident die
internationale Investorenschar. Andere Länder der Region - etwa
Slowenien - sind für Unternehmen aber weiterhin attraktiv. Was das
insgesamt für die Abfallwirtschaft der Region bedeutet? Sie wird sich
noch unterschiedlicher entwickeln als bisher schon.

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