- 25.04.2013, 15:06:01
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Entführte Metropoliten: Christen verlangen umgehende Freilassung
Gemeinsame Erklärung von Kardinal Schönborn. ÖRKÖ-Vorsitzendem Dura und "Pro Oriente"-Präsident Marte
Utl.: Gemeinsame Erklärung von Kardinal Schönborn. ÖRKÖ-Vorsitzendem
Dura und "Pro Oriente"-Präsident Marte =
wien (OTS) - Wien, 25.04.13 (poi/pew) Kardinal Christoph Schönborn,
der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich
(ÖRKÖ), Bischofsvikar Nicolae Dura, und "Pro Oriente"-Präsident
Johann Marte haben am Donnerstagmorgen in einer gemeinsamen Erklärung
die umgehende Freilassung der beiden entführten Metropoliten von
Aleppo gefordert. Solidarität und Gebet "gelten allen Opfern in
Syrien, insbesondere auch den Christen", heißt es in der Erklärung
weiter, in der auch auf die allgemeine Situation der Christen im
Nahen Osten Bezug genommen wird: Für die Christen müsse das Recht auf
volle staatsbürgerliche Gleichberechtigung verankert und durchgesetzt
werden.
Die gemeinsame Erklärung von Schönborn, Dura und Marte hat folgenden
Wortlaut: "Die Christen in Österreich sind zutiefst betroffen über
die Entführung der beiden Metropoliten von Aleppo, Mar Gregorios
Youhanna Ibrahim (syrisch-orthodox) und Boulos Yazigi
(antiochenisch-orthodox). Das Verwirrspiel um die angebliche
Befreiung der beiden Metropoliten am Dienstagnachmittag hat den
Schmerz der betroffenen christlichen Gemeinden noch vertieft. In
erschütternder Weise ist durch die Entführung der beiden Bischöfe die
Tragödie des syrischen Volkes noch deutlicher geworden, das immer
mehr zum Spielball widerstreitender politischer und ideologischer
Kräfte wird. Mit zahlreichen kirchlichen Persönlichkeiten in aller
Welt fordern wir die umgehende Freilassung der beiden Metropoliten,
die sich mit Entschiedenheit für Frieden und Versöhnung eingesetzt
haben.
Die Solidarität und das Gebet der Christen in Österreich gilt allen
Opfern in Syrien, insbesondere auch den Christen. In Syrien und
überall im Nahen Osten muss für die Christen - wie für alle anderen
Bewohner - das Recht auf volle staatsbürgerliche Gleichberechtigung
verankert und durchgesetzt werden. Syrien war in seiner Geschichte
durch das selbstverständliche Miteinander verschiedener religiöser
Gruppen gekennzeichnet. Dieses kostbare Erbe darf nicht von radikalen
Fanatikern zerstört werden.
In Syrien ist schon so viel Blut geflossen, zu viele Menschen sind
aus ihren Lebensverhältnissen herausgerissen worden, zuviel ist
zerstört worden. Der syrisch-orthodoxe Metropolit Mar Gregorios
Youhanna Ibrahim, ein langjähriger Freund Österreichs, seit mehr als
30 Jahren ein enger Mitarbeiter der Stiftung Pro Oriente, sagte vor
kurzem: Wir sind total erschöpft und können nicht mehr weiter. Dieser
Klageruf eines Hirten muss allen zu Herzen gehen, denen es um die
Sache des Friedens und der Menschlichkeit geht.
Auf diesem Hintergrund machen wir uns die nach der Entführung der
beiden Metropoliten veröffentlichte gemeinsame Erklärung des
antiochenisch-orthodoxen Patriarchen Youhanna X. und des
syrisch-orthodoxen Patriarchen von Antiochien, Mar Ignatios Zakka I.
Iwas, zu eigen:
1. Die im Nahen Osten lebenden Christen sind essenzieller Bestandteil
ihrer Länder. Sie leiden wie alle anderen, sie sind Boten des
Friedens, um das Unrecht an den Unterdrückten zu überwinden: Sie
folgen der Lehre des Evangeliums, wonach die Nächstenliebe die Basis
der menschlichen Beziehungen ist.
2. Die Christen des Nahen Ostens sind in tiefer Sorge über das, was
in ihren Ländern vorgeht, vor allem im Hinblick auf die Gewalt, die
so viele Opfer fordert und auf die Entführungen, die eine der
absurdesten Ausformungen der Gewalt sind. Wir appellieren an die
Entführer, das Leben der beiden entführten Bischöfe wie auch aller
anderen Entführungsopfer zu respektieren. Es muss alles vermieden
werden, was einen religiösen Konflikt anfachen könnte.
3. Wir verstehen die Angst der Christen im Hinblick auf das
Vorgefallene. Wir rufen sie zur Geduld auf, zur Treue zum Glauben und
zum Vertrauen auf Gott, dessen Stärke in unserer Schwäche liegt.
Unser Land zu verteidigen, heißt vor allem, an ihm festzuhalten und
daran zu arbeiten, dass es ein Land der Nächstenliebe und Koexistenz
wird. Wir sind uns bewusst, dass Bürger aller Konfessionen auf Grund
von Entführungen den gleichen Schmerz erleiden.
4. In dieser schmerzlichen Situation können wir nicht anders, als an
alle Welt zu appellieren, dass der syrischen Krise ein Ende gesetzt
wird, damit Syrien wieder ein Garten der Nächstenliebe, der
Sicherheit und der Koexistenz wird. "Abrechnungen" sollten nicht auf
Kosten der Menschen erfolgen, die hier leben.
5. Wir bitten die Kirchen in aller Welt, angesichts der Vorgänge fest
zu bleiben und Zeugen der Nächstenliebe zu sein. Es ist notwendig,
Schritte zu setzen, die die Ablehnung aller Arten von Gewalt deutlich
machen, von denen die Menschen im Nahen Osten betroffen sind.
6. Wir ergreifen die Gelegenheit, an unsere Mitbürger aus allen
islamischen Konfessionen zu appellieren, dem Missbrauch des Menschen
Widerstand zu leisten. Denn es ist Missbrauch, wenn er als Objekt
betrachtet, als Schild im Kampf oder als Mittel der finanziellen oder
politischen Korruption eingesetzt wird.
7. Abschließend wenden wir uns an die Entführer und sagen ihnen, dass
die von ihnen Entführten Boten des Friedens in der Welt sind. Ihre
religiöse, gesellschaftliche und patriotische Arbeit legt für sie
Zeugnis ab. Wir rufen sie auf, dieses schmerzliche Ereignis fernab
von allen Spannungen zu behandeln, die nur den Feinden des Landes
dienen". (ende)
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