Werte als Magnet - 2,5 Jahre Gemeinwohl-Ökonomie

Gemeinwohl-Bilanz als neue Messmethode für den Erfolg von Unternehmen und Organisationen

Wien/Hohenems/Graz/Innsbruck/Salzburg/Eisenstadt/Villach/Berlin/ (OTS) - Heute Mittwoch um 10:00 Uhr fand die zweite dezentrale Gemeinwohlbilanz-Pressekonferenz zeitgleich in 13 Städten und Regionen Österreichs, Deutschlands und Italiens statt. Unternehmen, Gemeinden, Vereine und eine Stiftung präsentierten ihre Gemeinwohlbilanzen und berichteten über ihre Motive, die Gemeinwohl-Ökonomie zu unterstützen und mitzuentwickeln. Die Messmethoden der Gemeinwohlbilanz schaffen neue Werte für den Erfolg von Unternehmen und Organisationen.

Zweieinhalb Jahre nach ihrem Start ist die Gemeinwohl-Bewegung in den fünf Kernstaaten, Spanien, Italien, Schweiz, Deutschland und Österreich stark angewachsen, darüber hinaus reicht sie bis nach Nord- und Südamerika. Über 1200 Unternehmen aus 15 Staaten sind bereits Teil der internationalen Bewegung, darunter die Sparda Bank München eG, Bodan, VAUDE, Rhomberg, Cammerlander Restaurants, Sekem, Sonnentor, Schirnhofer, Sonnendruck oder Gugler Cross Media. Rund ein Drittel der Unterstützer-Unternehmen ist in den Bilanzierungsprozess eingetreten. Die Aktivität der Gemeinwohl-Ökonomie läuft in nationalen und lokalen Vereinen zusammen, die noch 2013 einen internationalen Verband gründen werden.

Unternehmen können kreativ mitgestalten

Die Entwicklung des zentralen Elements, der Gemeinwohl-Bilanz, erfolgt in innovativer Abstimmung mit den Pionier-Unternehmen. Für unterschiedliche Bedürfnisse gibt es unterschiedliche Einstiegsschwellen:

  • eine Kurzbilanz zum Schnuppern
  • 1 Sämchen für die spielerische Erstellung der Bilanz
  • 2 Sämchen für eine Erstellung und Evaluierung in einer Unternehmens-Peergruppe
  • 3 Sämchen für eine extern auditierte Bilanz

Zudem betätigen UnternehmerInnen sich in verschiedenen Rollen als ReferentInnen, BotschafterInnen, RedakteurInnen, VereinsfunktionärInnen und auch als KreatorInnen einer Kooperationsplattform, über die sich die Pionier-Betriebe auf vielfältige Weise gegenseitig helfen - sie tragen und gestalten den Gesamtprozess umfassend mit.

Mehr und größere Unternehmen, Banken und neue Organisationen

Die Zahl der Unternehmen, die Mitglied werden und in den Prozess der Bilanzerstellung eintreten, steigt kontinuierlich an. Rund 300 Unternehmen sind über die öffentliche Unterstützung hinaus "aktiv" geworden. Nicht nur die Größe der Unternehmen steigt, auch eine Reihe weitere Institutionen unterstützt den Prozess und gestaltet ihn mit:

  • Drei Unternehmen mit 1500 bis 2000 Beschäftigten verfügen über eine auditierte Bilanz (VAUDE/D, Schirnhofer/Ö, Sekem/Ägypten),
  • Zwei Banken verfügen über eine auditierte Bilanz (Sparda München/D, Raiba Lech am Arlberg/Ö), zwei weitere unterstützen die GWÖ (GLS, Ethik-Bank), rund zehn weitere Banken stehen im interessierten Vorgespräch,
  • Die erste Stiftung ist an Bord (Schweisfurth-Stiftung/D),
  • Zahlreiche Universitäten sind in das Universitätsnetzwerk eingetreten, eine erste Hochschule hat die Bilanz erstellt (Business School Lausanne/CH),
  • Fünf Gemeinden werden Gemeinwohl-Gemeinden (vier Südtiroler Gemeinden sowie Miranda de Azán/E), rund 100 Gemeinden aus zahlreichen Ländern zeigen Interesse, Gemeinwohl-Gemeinde zu werden,
  • Kommunale Betriebe wie die Berufsfeuerwehr Graz oder die Kulturabteilung der Stadt Weiz erstellen die Bilanz,
  • Auch Städte sind dabei, z.B. gibt es offizielle Gespräche mit der Stadt Mannheim,
  • In mehrere Regionen gibt es seitens lokaler AkteurInnen Interesse, Gemeinwohl-Modellregion zu werden.

CSR-Instrument der zweiten Generation

Die Gemeinwohl-Bilanz ist die konsequente Weiterentwicklung der "CSR-Instrumente der ersten Generation". Sie ist ganzheitlich (umfasst alle wichtigen Verfassungswerte demokratischer Staaten), messbar (maximal 1000 Gemeinwohl-Punkte sind erreichbar), vergleichbar, sie soll verbindlich werden mit Rechtsfolgen (niedrigere Steuern, Zölle, Zinsen und Vorrang im öffenlichen Auftrag und Einkauf für die "Verfassungstreuen").

Volkswirtschaftlich werden soziale und ökologische Probleme durch das "Zusammen-wirken" vieler Unternehmen gelöst, indem die individuellen Beiträge zur Lösung des jeweiligen Problems (Arbeitslosigkeit, Armut, Diskriminierung, Umweltzerstörung, Klimawandel,...) mit steigendem Engagement belohnt werden. Unternehmerischer Erfolg wir auf diese Weise verlässlich rückgekoppelt mit der Lösung der gesellschaftlichen Probleme.

Demokratischer Prozess: Gemeinwohl-Gemeinden und -Regionen

Strategisches Ziel des "Gesamtprozesses" Gemeinwohl-Ökonomie ist eine demokratische Wirtschaftsverfassung, die zunächst über "Kommunale Wirtschaftskonvente" in "Gemeinwohl-Gemeinden" vorentwickelt und später über direkt gewählte Wirtschaftskonvente auf Bundes- oder EU-Ebene verankert werden soll. Ziel ist ein Wirtschaftsverfassungsteil, der den Werten und Bedürfnissen der Bevölkerung entspricht und von dieser selbst erschaffen wird.
Auch das Gemeinwohl-Produkt, der neue volkswirtschaftliche Erfolgsindikator, soll via BürgerInnenbeteiligung in den Gemeinwohl-Gemeinden und -Regionen bottom-up entwickelt werden. Die beteiligten Menschen könnten zusammen die 20 wichtigsten Komponenten von Lebensqualität ermitteln und daraus das Gemeinwohl-Produkt komponieren.

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