- 24.04.2013, 11:25:31
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ÖÄK-Tag der Allgemeinmedizin: Die Stellung des Hausarztes im Gesundheitssystem
Erfahrungen aus Baden-Württemberg - ÖÄK-Hausarztmodell
Utl.: Erfahrungen aus Baden-Württemberg - ÖÄK-Hausarztmodell =
Wien (OTS) - Von der Stärkung des niedergelassenen Bereichs -
insbesondere der Primärversorgung durch Allgemeinmediziner - erhofft
sich die heimische Gesundheitspolitik einen geregelteren Zugang zu
medizinischen Leistungen und damit eine Stabilisierung der
öffentlichen Gesundheitsausgaben. Während hierzulande konkrete
Maßnahmen immer noch ausstehen und auch die aktuelle
Gesundheitsreform viele Fragen offen lässt, läuft in Deutschland seit
Längerem eine Diskussion über die "Hausarztzentrierte Versorgung"
(HZV). Mit der Situation der Hausarztmedizin in Österreich und
Deutschland befasste sich am Mittwoch eine Pressekonferenz im Rahmen
des 3. Tages der Allgemeinmedizin, veranstaltet von der
Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (ÖGAM) und der
Bundessektion Allgemeinmedizin in der Österreichischen Ärztekammer
(ÖÄK).
Baden-Württemberger Hausarztvertrag
Derzeit werden in Deutschland unterschiedliche Formen von
hausarztzentrierter Versorgung diskutiert und praktiziert.
Gemeinsames Ziel aller Programme ist die Stärkung der
Primärversorgung. Damit will man die Versorgungsqualität verbessern
und gleichzeitig Kosten sparen. 2008 wurde in Baden-Württemberg
erstmals ein Hausarztvertrag von der größten regionalen Krankenkasse
AOK Baden-Württemberg und freien Ärzteverbänden initiiert.
Facharztverträge folgten und sollen weiter ausgebaut werden, um die
integrierte Versorgung voranzutreiben. Der Vorstandsvorsitzende der
AOK Baden-Württemberg, Christopher Hermann, verwies auf die positive
wissenschaftliche Evaluierung der Hausarztzentrierten Versorgung
(HZV) im drittgrößten deutschen Bundesland. Insbesondere die
Versorgung chronisch Kranker habe sich durch die HZV verbessert.
Umfragen zufolge sind die eingeschriebenen Patienten insgesamt hoch
zufrieden und auch die Berufszufriedenheit der teilnehmenden
Allgemeinmediziner ist laut Deutschem Hausärzteverband deutlich
gestiegen. Patienten profitieren etwa von Abschlägen bei
Medikamentenzuzahlungen, erweiterten Öffnungs- und kürzeren
Wartezeiten sowie von speziellen Präventionsprogrammen. Abgesehen von
Notfällen können die Patienten nur Fachärzte für Kinder-, Augen- und
Frauenheilkunde ohne Überweisung in Anspruch nehmen.
Haus- und Vertrauensarzt-Modell der ÖÄK
Auch das Haus- und Vertrauensarztmodell der ÖÄK soll die Rolle des
Hausarztes aufwerten und so dem drohenden Ärztemangel vorbeugen,
erklärte ÖGAM-Präsident Reinhold Glehr. Es solle Ressourcen schonen
durch geregelten Zugang zu den einzelnen Stufen der medizinischen
Versorgung. Der Gesundheitszustand der Bevölkerung soll sich durch
verstärkte Prävention und Lebensstilberatung, verbunden mit
kontinuierlicher Betreuung, verbessern. Insbesondere chronisch Kranke
und multimorbide Patienten würden von intensiverer ärztlicher
Zuwendung profitieren. Allerdings, so Harald Schlocker,
stellvertretender Obmann der Bundessektion Allgemeinmedizin in der
ÖÄK, fehlten noch wesentliche Voraussetzungen für die Umsetzung
dieser Ziele. So gebe es keine entsprechenden gesetzlichen oder
vertragspartnerschaftlichen Regelungen. Eine Stärkung des
niedergelassenen Bereichs sehe die aktuelle Gesundheitsreform zwar
vor, eine Aufstockung der Kassenstellen werde aber abgelehnt. Obwohl
in den nächsten zehn bis 15 Jahren über die Hälfte der
Kassen-Allgemeinmediziner in Pension gehe und immer weniger
Jungmediziner bereit seien, sich als Hausärzte niederzulassen, sei
die Politik nicht bereit, zur Attraktivierung des Berufs beizutragen
und damit den drohenden Ärztemangel einzudämmen. - Etwa durch eine
angemessene Honorierung der koordinierenden Leistungen, die Hausärzte
vor allem für ihre immer älter werdenden Patienten jetzt schon
leisten. Auch die Bürokratie in der Kassenmedizin sinke nicht,
sondern ufere aus, betonten Schlocker und Glehr. Außerdem fehle es
immer noch an einem der ärztlichen Realität angepassten
Gruppenpraxengesetz, das es Ärzten erlauben würde, Kolleginnen und
Kollegen anzustellen, sodass eine Arbeitsteilung und damit
attraktivere Öffnungszeiten für Patienten möglich würden. Auch die
Umsetzung der dringend erforderlichen Ausbildungsreform lasse noch
auf sich warten. Ein wichtiger Aspekt dieser Reform sei die
Absolvierung einer verpflichtenden, mindestens einjährigen
Lehrpraxis. Nach wie vor sei allerdings eine Förderung der Lehrpraxen
in der Höhe von ca. 15 Millionen Euro jährlich nicht in Sicht -
obwohl der Kompetenzgewinn für Jungmediziner unbestritten sei.
Service: Unterlagen zum Tag der Allgemeinmedizin und vollständige
elektronische PK-Unterlage unter www.aerztekammer.at
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